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Periodical volume 27. August 1898, No. 35

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Kründenburgisch-preußische Grinnerungstafei. 
27. August. 
1618 Das Herzogtum Preußen fällt an Brandenburg. 
1730 Joh. ®. Hamann, Mystiker, geb. 
1791 Vertrag von Pillnitz. 
1819 Treffen bei Hagelberg. 
28. August. 
1529 Vertrag vpn Grimnitz (wegen der Erbfolge in Pommern). 
1569 Kurfürst Joachim II. wird Millehnherr von Preußen. 
1696 Hans Adam von Schöning, Feldmarschall ch. 
1767 Fr. Wilh. Gottfr. Arnd von Kleist, General, geb. 
1797 Karl Oltfr. Müller. Philolog, geb. 
1802 Karl Simrock, Germanist, geb. 
1841 Jul. Stinde, Schriftst-ller, geb. 
1863 Eilhard Mitscherlich, Chemiker, geb. 
1870 Die erste französische Kriegsbeute kommt nach Berlin. 
1871 G. Wilh. Joh. von Viebahn, Statistiker f. 
29. August. 
1442 Berlin tritt dem Kurfürsten Friedrich II., dem Eisernen, einen 
Platz zum Schloßbau ab. 
1756 Friedrich der Große rückt in Sachsen ein. 
1813 (und 30.) Schlacht bei Kulm und Nollendorf. 
1870 Gefecht bei Nouart. 
1877 Aiidr. Christian Geilach, Direktor der Berliner Tierarzneischule, f. 
30. August. 
1666 Hauvtvergleich von Cleve. 
1734 Joh. Christopf Adelung, Sprachforscher, geb. 
1757 Schlacht bei Großjägersdorf. 
1800 Auguste, Gräfin von Harrach, spätere Fürstin von Liegnitz, geb. 
1804 Jul. Freiherr von Minutoli, Diplomat, geb. 
1817 Einweihung der Denkmals auf dem Schlachtseide von Kulm. 
1870 Schlacht bei Beaumont. 
31. August. 
1667 Joh. Rist, Dichter, geb. 
1803 Karl Ed. Meinecke, Geograph, geb. 
1821 Herm. Ludw. Ferd. von Helmhoitz, Physiker, geb. 
1855 Prinz Friedrich Wilhelm wird Oberst. 
1870 (u 1. Scpi.) Schlacht bei Noiss.ville. 
1883 Christoph Bernh. Levin Schückmg, Romanschriftsteller, f. 
1. September. 
1795 Rud. von AuerSwald, Minister, geb. . 
1807 Auf Napoleons I. Befehl werden - die französischen Häfen den 
Engländern gesperrt. 
1855 Bernh. Thiersch, Dichter des Liedes „Ich bin ein Preuße," -s. 
1870 Schlacht bei Sedan. 
1872 ( 17. Nov.) KunstgcwerbeauSstellung im Berliner Zeughause. 
1873 Grundsteinlegung zur Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde bei 
Berlin. 
2. September. 
1735 Ewald Fr. Graf von Hertzberg, Minister, geb. 
1792 Einzug der Preußen in Verdun. 
1814 Ernst Curtius, Altertumsforscher, geb. 
1870 Gefangennahme Kaiser Napoleons III. 
1873 Enthüllung der Siegessäule in Berlin. 
1884 Karl Ebcrh. Herwarth von Bittenfeld, Generalfeldmarschall, ch. 
Kleine Mittellungen. 
Der Maharram-Play in der Ausstellung Indien. (Mit Abbildung 
auf Seite 413.- In der gegenwärtigen Nummer wird den Lesern 
noch eine Partie aus der Ausstellung Indien im Bilde 
vorgeführt, nämlich der Maharram- (Fürsten- oder Königs-) 
Pla tz. Im Süden des Kaiserreiches Indien giebt es in vielen 
Städten einen Platz dieses Namens. Auch der Maharram-Platz 
der Ausstellung macht seinem Namen alle Ehre. Er ist nicht bloß 
von verhältnismäßig großer Ausdehnung, sondern auch auf allen Seiten 
von den herrlichsten Bauten umgeben. Nach Westen hin begrenzt ihn 
das im Palaststil gehalt-ne Cafe Indien; nach Osten hin liegt der nicht 
minder einladende Ausschank der Akticnbrauerei Moabit; im Süden 
wird er durch das „Indische Theater", in dem indische Gaukler, Musi 
kanten, Schauspieler und die Nautschtänzerinnen oder Bajaderen mehr 
mals des Tages ihre Vorstellungen geben, abgeschlossen; und nord 
wärts liegt ein Orchester für einheimische Milttärmusik, an das sich 
links und rechts indische Prwathäuser mit Läoen (Laden 25: indische 
Töpfer; Laden 26: indische Spitzenklöpflerinnen) anschließen. 
Auf dem Platze selbst erhebt sich ein Kolossalstandbild des Hindugottes 
„Gannibatl", und in der Mitte befindet sich ein Podiuni, auf dem 
sich fast unausgesetzt indische Künstler, Gaukler und Schauspieler 
produzieren. 
Die höchsten Häuser der Welt. (Mit drei Abbildungen.) Im 
Vergleich mit den großen Städten Nord-Amerikas steht Berlin, was 
hohe Bauten, sogenannte 8>celoton-builäinxs (Skelettbauten) oder Sky- 
skrapers t Wolkenkratzer) anbetrifft, bedeutend zurück. Allein dieses 
Zurückstehen wird von allen einsichtigen Persönlichkeiten, sowohl in 
ästhetischer wie in sozialer Hinsicht, als ein Vorzug bezeichnet 
werden müssen. Die Bewohner der Rcichshauptstadt können nur dankbar 
dafür sein, daß die Baupolizei die Ausführung von solchen Bau- 
Ungeheuern, wie sie sich jenseits des Ozeans finden, und wie wir sie 
unseren Lesern in der gegenwärtigen Nummer im Bilde vorführen, nicht 
gestattet. Natürlich sind solche Gebäude auch in Amerika nur Aus- 
nahuien. Bei den gewöhnlichen Keschäftsgebäuden gehen die Höhen 
über die in Europa üblichen nicht hinaus. Ausnahmsweise aber giebt 
es in New-Aork, Chicago. Milwaukee u. s. w Häuser bis nahezu 100 m 
und mit 2» und mehr Stockwerken. Da der Quadratmeter in diesen 
Städten mit ca. 15 000 Mark bezahlt wird und die Bauordnungen 
derselben eine Höhcnbeschränluug nicht vorschreiben, so hat die Speku 
lation naturgemäß sich auf cmc immer größere Ausbeutung der Luft 
regionen geworfen. Infolge hiervon sind Geschäftshäuser wie das 
Freimaurerhaus (Masonic Temple) in Chicago, das Pabst-Haus in 
Milwaukee und das World-Haus in N.w-Uark, die meist außer den 
Geschästslokalen auch Restaurationen und Theater in ihrer Mitte 
bergen, entstanden. Auch Hotels mit 17 Stockwerken (z. B. das Hotel 
Nctherland in New-Aork) sind schon erbaut worden. Mit Vorliebe 
errichten die amerikanischen Weltzeitungen, Versicherungs- und ähnliche 
Gesellschaften solche Bauten. Die bequeme Benutzung und gute Ver 
wertung der höheren Stockwerke ist selbstredend nur durch ausgedehnte 
Anwendung von Fahrstühlen möglich. Der Freimaurcrtcmpel in Chicago 
hat deren 18 mit einer Fassungskraft von täglich 40 000 Personen auf 
einer Gebäudegrundfläche von nur 1735 gm. Ein Faktor, der der Ver 
breitung der hohen Häuser entgegensteht, ist der Umstand, daß, trotz 
der feuersichcrn Bauart und des sehr seltenen Vorkommens von Bränden 
itl ihnen, die Feucrvcisicherungsvräinie für derartige Gebäude sehr hoch 
ist (3—3,5 Proz.); es giebt sogar Gesellschaften, die sie überhaupt nicht 
aufnehmen. — Die vorstehenden Noiizen sind dem Ergänzungs- und 
Registerband zu der 5. Auflage von Meyers Konversations- 
Lexikon entnommen, wie es uns denn auch durch die Freundlichkeit 
des Bibliographischen Instituts in Leipzig ermöglicht wuroe, den Lesern 
einige der höchsten Häuser der Welt im Bilde vorzuführen. 
Der Brand des alten Berliner Schauspielhauses wird in Nr. 33 
des „Bär" nach Rellstob geschildert. Als Ergänzung diene die Darstellung 
K. Kiebcs (Berlin unterm alten Fritz, Berlin 1878, Alfred Weise). „Es 
war", schreibt derselbe, „am 29. Juli 1817 mittags. Auf der Bühne 
waren Mitglieder des Theaters, u. a. Wauer, Devrient, Stich und der 
badische Hofschauspieler Carlsberg mit einer Probe beschäftigt. Außer 
diesen befand sich mein seliger Onkel Johann Gottlied Heintzel, welcher 
von 1814 bis 1847 die Beleuchtung der beiden Königlichen Theater in 
Entreprise hatte, sowie zwei andere meiner Onkel, Christian und Heinrich 
Kieseling, nebst, mehreren Arbeitern, Coulissensiellern u. s. w. in dem 
Hause. Auf einmal wurde die Thür zur Bühne mit dem Rufe „Feuer!" 
aufgerissen. Seltsamerweise schenkte man dieseu. Rufe anfangs keine 
Beachtung. Erst nachdem man den Brandgeruch bereits auf der Bühne 
bemerkte, veranlaßte Mauer die Mitspielenden zum Einstellen der Probe. 
Wenige Minuten später stand das ganze mächtige Gebäude an allen 
Ecken in Flammen. Den hiesigen Schauspielern, sowie den sonst dort be 
schäftigten Personen gelang cs mit genauer Not, sich zu retten. Nur 
zwei Personen waren noch im Hause, als dasselbe bereits an allen Ecken 
und Winkeln brannte. Die beiden waren der Schauspieler Carlsberg 
und mein Onkel Heintzel. Der erstere hatte trotz WauerS Rusen sich 
in den ihm unbekannten Gängen verirrt und fand leider seinen Tod in 
dem Rauch- und Flammenmeer. Mein Onkel Heintzel dagegen, der sich 
in einem nach der Charlottenstraße gelegenen Raum des Erdgeschosses 
befand, ward durch die unaufhörlich von dem Dache herunterstürzenden 
Feuerstücke verhindert, aus dem Fenster, dem einzigen übrig gebliebenen 
RettungSwegej zu entkommen. Zum Glück bemerkten die Führer einer 
der ersten von den rasch herbeigeeilten Feuerspritzen die Gefahr. Man 
rief ihm zu, er solle nur entschlossen und so rasch wie möglich heraus- 
koinmen, und richtete, als er dies, bedeckt von dem Schiloe des ritter 
lichen Helden Dunois, that, sofort den vollen Strahl des Wassers auf 
ihn. Trotz dieses gewiß kräftigen Schutzes waren ihm aber Haare, 
Bart und Augenbrauen auf dem kurzen Wege versengt. Man hat sich 
hernach viel Mühe gegeben, die Ursache d>s Brandes zu entdecken, aber 
es ist meines Wissens nicht gelungen (?). Onkel Heintzel und seine 
Leute waren dabei ohne Schuld, was sie auch leicht beweisen konnten. 
Den Schauspielern war ebenfalls nichts zur Last zu legen. Ich habe 
gehört, daß man in sehr edler Absicht (?) sich das Wort darauf ge 
geben hat, über die Entstehung des Feuers zu schweigen (?), und dies 
Wort ist ehrenhaft gehalten worden. Heute (d. h. 1877) dürfte es 
kaum noch mehr als zwei Personen geben, welche wissen, wie das Feuer 
eigentlich auskam." v. 
Aus de» letzte» Dienststunden des Fürsten Bismarck wird von 
einem Augenzeugen folgendes berichtet: Ich befand mich am 18. März 
1890 auf dem Wege durch die Wilhclmstraße nach der Luisenftraße und
        
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