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Periodical volume 27. August 1898, No. 35

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Pastore Angelio sellam hanc construxit in urbe hac 
Gens pia quae Christi verba benigna refert.*) 
Und ein zweites Distichon meldet: 
Pastore Angelio clangunt haecce organa. Faxis 
Rex orbis qaa opus hoc serviat omna tibi!**) 
Dies wird auch durch die mir vom Herrn Oberlehrer 
Dr. Seiffert gütigst überlass eilt n Auszüge aus dem Kämmerei, 
register der Stadt bestätigt. Nach denselben wurde unter 
Engels Kirchcnregiment die Kirche ganz neu gestrichen, die 
Epitaphien wurden oufgcfrischt, die Orgel und das Chor ge 
malt; Orgelbauer Martin Vogt aus Koburg baute die neue 
Orgel und erhielt dafür 408 Thaler ausgezahlt. Das Crucifix 
wurde renoviert, sowie das Ratsgestühle; die alten Chöre 
wurden abgebrochen und das Dach der Kirche, welches sich 
gesenkt hatte, wurde neu befestigt. Zwei Organisten aus 
Fürstenwalde und Neustadt leisteten beim Orgelbau Hilfe, 
wobei ein Maurergeselle verunglückte, während zur Abnahme 
der neuen Orgel sechs Organisten zugezogen wurden. Von 
sonstigen Notizen über Engel ist in den Registern nicht viel 
enthalten. Erwähnt wird noch. daß er 1595 mit seinen 
Kollegen ein Weib nach dem benachbarten Torfe Prädikow 
begleitete, „welches mit dem Teufel besessen war". Im selben 
Jahre wird 1 Thaler für ein Kalb der Kämmerei in Rechnung 
gestellt, „welches den beiden Priestern zum N>gen Jahre ver 
ehret". Ebenso wurden 1597 „2 Thaler vnserm Pfarherrn 
Ern Magister Andreae Engeln wegen einer gedruckten Predigt 
von St. Jürgen, die er dem Rate zugeschrieben", gezahlt. 
Endlich begegnen wir Engels Namen in einem von ihm und 
dem Kastenherrn Martin Schmidt aufgenommenem Jnven- 
rarium: „Daß mißgewandes maß tun der Straußberge 
in Marien Kirchen ahn Koh,kappen und Caßele Kohrrogke, 
Diakonröcke, Altar, Lakenn vnnd für henge für henden 
gewcßenn vnnd dem Custodi Laurentio Munkbergio auf sein 
Eitzpflichten befolen vndt nur vonvarung gethan. Auffs 
new befigtigett durch lefelich Ein Erbarn Rach von dem 
Wicdigen vnndt wolgelarten Herrn Magister Andreas 
En gell Jnspcclor allhier vnd Martin Schmedt Kastenn 
Herr . . . Actnm ao. 98. den 10. July in der Pest." 
So war Engel bis zur letzten Stunde in seinem Amte thätig. 
Ob Engel aus seiner Ehe Kinder hinterlassen, galt bis dahin 
als ungewiß. Aus einem Billschreiben seines Schwieger 
vaters Jakob Colerus an den Kurfürsten geht aber hervor, 
daß Engels Ehe ein Kind entsprossen. Das Schreiben lautet 
im Eingänge: „Durchlauchtigster. Hochgebohrner, Gnädigster 
Churfürst und Herr, Es wissen fich E, C. F. G. gnädigst zu 
erinnern, daß mein Eidam M. Andreas Engel, gewesener 
Pfarherr zu Slraußberg, so E. C. F. G. unlängst die 
Annales Marchicos zugeschrieben, als ein treuer Diener 
Jesu Christi in der schweren Sterbens-Zeit bey seinen 
Schäfflein zu Straußberg sein Leben gelassen. Weil aber 
damahlen die Pfarre desselben Orts unversehens einem 
andern zugesaget und verschrieben worden, und meine Tochter, 
als Ll. Engels Weib, als eine betrübte Wittib samr ihrem 
kleinen unerzogenen Kinde ins Elend verschicket worden," also 
bittet Colerus, seinem neuen Eidam M. Jodocus Chrysostomus 
*) Unter dem Pastorat Engels errichtete diese Kanzel, die Christi 
freundliche Worte verkündet, in dieser Stadt die fromme Gemeinde. 
**) Unter Engels Pastorat erklingt diese Orgel. Gieb, König der 
Welt, daß das ganze Werk Dir diene! 
die erledigte Pfarre zu Dramberg zu geben. Hiernach 
scheint es, als habe fich Engels Witwe bald wieder verheiratet. 
Magister Engel ist, trotzdem er jung gestorben, ein über. 
aus fleißiger Schriftsteller, besonders auf dem Gebiete der 
Geschichte, gewesen. Es muß ihm eine gewaltige Arbeits 
kraft inne gewohnt haben. Davon zeugen seine Schriften, 
so das 1593 erschienene Renan Marchicarum breviarium, 
das mehrere Auflagen erlebt hat, jetzt aber sehr selten geworden 
ist, das Chronicon Holsaticum, 1597 zu Wittenberg gedruckt, 
„das Wunder-Buch oder von den Wunder-Dingen, welche am 
Himmel, in der Lufft und Wasser in Europa und vornehmlich 
in der Mark fich zugetragen," Bericht von Johann Hillen 
und seinen Weissagungen, insbesondere aber als letztes Werk. 
abgeschlossen am 26 April 1598, seine Annales Marcüiae 
Brandenburgicae, die kurz vor seinem Tode aus dem 
Verlage von Harimann zu Frankfurt a. O. die Preffe verließen. 
Bereits im Jahre 1593 hatte er als Vorläufer hierzu bei 
Christoph Axin in Wittenberg sein Breviarium erscheinen 
lassen, einen 180 Seiten starken Quartanten, abgeschlossen am 
Maninstage, und solches „den Ehrbaren / Ehrenvesten / Acht- 
baren und wolweisen Herren / Bürgermeistern und Rats- 
oelwandten der löblichen Hauptstädte des Churfürstenthumbs 
Brandenburg/ Als Alt und New Brandenburg/Berlin/ 
Cöln an der Sprew/Stendal/Frankfurt an der Oder/ 
Prenslaw / Salzwcdel / Ruppin / Perleberg / Cüstrin und 
Crossen in der Schlesien rc." dediciert. Das Hauptwerk, die 
Annales, hat er dem Kurfürsten Joachim Friedrich von 
Brandenburg gewidmet. In der Vorrede zum Breviarium 
beklagt Engel, daß zwar wohl etliche „fürneme, hochgelahrte 
Mäiimr, denen cs an Fleiß und Urteil nicht gemangelt, in 
kurtz Verschiener zeit damit umbgangen, das sie ein volkomen 
'Chronicon von diescm löblichen Chur- und Fürstenlhumb 
möchten zusammen bringen," sie seien aber vorher durch den Tod 
abberufen, und obwohl sie ihre Arbeiten den Erben zur Fort- 
fühiung hinterlassen hätten, „so haben lieselbigen solchen tewren 
Schatz, solchs edel Kleinod und Patrimonium gar nichts geachtet, 
sondern viel mehr verachtet, und entweder den Kramern und 
Apoteckern scharuentzlin daraus zu machen gestehet, oder 
sonsten lassen umkommen." Er aber Habe aus Liebe zu, 
Sache und um feinen geliebten Märkern zu gefallen, alle 
vornehmen und merkwürdigen Geschichten der Mark, soviel er 
aus gedruckten und geschriebenen Annalibus habe bekommen 
können, gesammelt und „in dreyen unterschiedenen Tomis 
oder Büchern verfaßt." Angelus verurteilt also damals schon 
die Nachlässigkeit, mit der man Handschriften und Chroniken 
behandelte. Und in wie unverantwortlicher Weise ist doch 
gerade in seiner Vaterstadt später noch mit den unersetzlichen 
Akt:n und Handschriften, Schoßregistern u. s. w. gewirtschaftet 
worden! Wieviel ist nicht seit jenen dreihundert Jahren 
wieder unwiederbringlich verloren gegangen, zum größten 
Leidwesen der Geschichtsforscher! „Zu solcher schweren und 
langwierigen Arbeit," bemerkt Engel in seinem Annalibus 
weiter, „hat mich (denn das Eis habe ich anfänglich müssen 
brechen, habe auch viel und große Reisen auf mich nehmen 
und mancherlei Oerter, Länder, Bibliotheken, Kirchen und 
Klöster besuchen müssen, darüber mein Patrimonium, 
welches noch ziemlich groß gewesen, fast drauf gegangen, 
wie vielen bewußt) nur amor patriae, die angeborene Liebe 
gegen mein vielgeliebtes Vaterland bewogen."
        
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