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Periodical volume 27. August 1898, No. 35

Full text: Der Bär Issue 24.1898

der Mark Kraildenblirg und der angrenzenden Gebiete. 
Unter Mitwirkung von 
Dr. Gcnst G Kardcy, Dr. R Ksvlnguiev. Profeffor vr. Kreckgev, Dr. H. Krendtcke, Theodor Fontane, 
SiaLtral G. F»ter>et, Rict-ard George, Ferd. Meyer, vr. Gg. Schrnidt, Gymiiafialbirektor a. v. vr. W. Kihwarh 
»nd G. n. MttdendruN, 
herausgegeben von 
XXIV. 
Jahrgang. 
M 35. 
Friedrich Dillrssen und Paul Warnckr. 
Der „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend uiid ist durch jede Postanstalt (Nr. 8IY) Buchhandlung und Zeitungs- 
spedition für 2 Mk. 50 Pf. vicrtcljährl. zu beziehen. Auch die Geschäftsstelle —Berlin kl. 58,Schönt». Allee 141 —nimmt 
Bestellungen entgegen. Jnseraten-Aufträge sind an die letztere zu richten. Die viergesp. Petitzeilc kostet no Pf. 
27. August 
1898. 
Kralsunö. 
Erzählung guA dem dreißigjährigen Kriege. 
Von C. K ü h n S 
(5. Forlsetzung). 
(Avs hatte heule in der Niedermühle noch eine Friedens- 
fo.ifercng stattgefunden. Noch einmal war eineKommisfion 
herzoglicher Räie und ein Unterhändler Arnims erschienen. 
Sie verlangten Abtretung des Dänholm an den Herzog von 
Vommern und 100,000 Thaler Kriegsentschädigung; die 
kaiserlichen Kriegsvölker sollten dann abrücken. Das ließ sich 
hören. Die Bürgerschaft war zwar noch kriegsmutig wie 
zuvor, doch die Anstrengungen der letzten Zeit, das tägliche 
Exerzieren, die harte Schanzarbeit und die häufigen Wachen, 
vor allem aber die neroenerregende Erwartung des furcht 
baren. v elleicht vernichtenden feindlichen Angriffs fingen an, 
s.e mürbe zu machen. 
Auch der Stadtkapitän Volkmann, Andersen und Pastor 
Erasmus waren am Thore erschienen, um den Ausgang der 
Verhandlungen zu erwarten. 
„Der Herr scheint das Herz des kaiserlichen Generals 
zum Guten zu lenken," sagte Herr Erasmus. 
„Trau der Deubel dem Arnim!" erwiderte der alte 
Andersen. 
„Wahr!" sagte Volkmann. „Seil er külzlich zum General be 
fördert ist, wird er schwerlich auf seinen Lorbeeren ruhen wollen!" 
„Aber. Ihr Herren!" rief Erasmus, „Du sollst nicht 
bösen Leumund machen! Thut Arnim nicht sein Bestes, 
uns zu schonen? Sucht er nicht in Güte sein Ziel zu er 
reichen? Ja! Gott sei Dank! Sein protestantisches Herz 
ist erwacht!" 
„Na!" erwiderte Volkmann. „Ich habe auch zu seinem 
protestantischen Herzen kein großes Zutrauen." 
„Schämt Euch!" ries Herr Erasmus, „Du sollst Deinem 
Bruder niht mißtrauen! Hat Arnim nicht Gewalt über uns? 
Gebraucht er fie? — Nein! Sein Herz hat z« ihm ge. 
sp ochen! Er hat eine größere Vlkioria errungen als jemals 
mit sei ien Trupp.n! Er hat fich auf seinen protestantischen 
Glauben besonnen! Halleluja! Freuet Euch mit mir, denn 
es wird im Himmel mehr Freude sein über einen Sünder, 
der Buße thut, als über neunundneunzig Gerechte!" 
Mit einer zuversichtlichen Handbewegung verabschiedete 
fich Herr Erasmus und trat in sein Pfarrhaus. 
„Laßt ihm seine Freude!" lachte Volkmann. „Der buß 
fertige Aniim wird ihm schon einen Strich durch die Rechnung 
machen!" 
„Sagt, Herr Stadtkapitän," fragte Andersen, dem Gespräch 
eine andere Wendung gebeut», „ist das Pulver trotz der Zufuhr 
neulich wirklich so knapp?" 
„Leider, leider!" Volkmann kratzte fich den Kopf. „Im 
strengsten Vertrauen, Andersen: ein mehrtägiger Sturm, und 
wir haben uns verschossen!" 
„Schlimm!" sagte Andersen. „Doch nur nicht ein 
schüchtern lassen! Wir halten die See und damit halten wir 
uns. Und uns hält unser Bü germeister — un de holt fast!" 
Helles Feuer blitzte aus seinen Augen.
        
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