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Periodical volume 20. August 1898, No. 34

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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stellen; von dieser muß man ein Anschauungsmaterial er 
warten. welches wirklich eine Vorstellung von dem reichen 
und eigenartigen Kulturleben Indiens zu geben vermag. Im 
vorigen Jahre hatte man in der Transvaal-Ausstellung 
wenigstens den guten Willen gezeigt, neben dem vielen Jahr 
marktstamtam auch für Belehrung zu sorgen. Das Gold 
bergwerk wurde freilich niemals in Betrieb gesetzt, das 
Transvaalmuseum war mehr als dürftig; aber es war doch 
immerhin etwas. In diesem Jahre ist aus demselben das 
„indische Theater" geworden, in welchem „sich indische 
Gaukler, Musikanten, Schauspieler und die Nauischtänzerinnen 
oder Bajaderen mehrfach im Laufe des Tages produzieren". 
Die „Massenaufführungen der Karawane" in der „Riesen- 
intereffante uralte Kulturland zwischen dem Himalaya und 
Kap Komorin näher zu bringen. 
Als „Jahrmarktstreiben in Indien" genommen, 
bietet das mil Unrecht als „Ausstellung" bezeichnete Unternehmen 
am Saviguyplatz jedoch viel Jntereffantes dar. Das malerische 
Gesamtbild, von dem die Abbildungen der heutigen Nummer 
eine ungefähre Voistellung geben, wird jeden Besucher mit 
ästhetischem Behagen erfüllen. Schöpfer der Entwürfe zu 
den gesamten Bauwerken — die Ausstellung ist ihrer 
Grundriß-Anlage nach dieselbe geblieben wie im Vorjahr — 
ist der Architekt»rmaler Moritz Lehmann, der im Jahre 
1896 auch die Ausstellung „Kairo" geschaffen hatte. Die 
plumpen Giebel der Transvaal-Häuser der vorjährigen Aus- 
Ausstellung Midien: Buddhistischer Fclscnrenipel, der Lubrghinanus-Tempel und Buddhistische Tope 
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arena", welche „Darstellungen von indischen Sitten und Ge 
bräuchen" enthalten sollen, bewegen sich ebenfalls ausschließlich 
im Rahmen von Zirkusvorstellungen mit Seiltänzern, Ring 
kämpfern, Feuertänzen. Zauberkünsten u. dgl. m. Diese Dar 
bietungen. welche tn rein äußerlicher Weise die Schaulust der 
Menge befriedigen, ohne daß sie einen lieferen Einblick in 
das Volksleben Indiens gestatten, mögen ja vom geschäftlichen 
Standpunkt nicht ganz zu entbehren sein, aber sie sollten doch 
auch nicht zur Hauptsache derartiger Unternehmungen werden. 
Man hätte vor allem für ein Museum sorgen müssen, dessen 
Inhalt zur Veranschaulichung des reichen Kulturlebens geeignet 
war, das sich in Indien in einer Jahrtausende alten Ent- 
Wickelungsgeschichte entfaltet hat. Es wäre auch ein Leichtes 
gewesen, durch populäre Vorträge mit Projektionsbildern den 
Besuchern der Ausstellung das geheimnisvolle, rätselhafte und 
! stelluug find verschwunden, und an ihrer Stelle erheben sich 
die Kuppeln und Türmchen der motivreichen und abwechslungs 
vollen indischen Architektur. Die Baulichkeiten ver 
anschaulichen die drei bedeutendsten Epochen der indischen 
Baukunst: die buddhaistische, die brahmanische und die 
islamitisch-indische. Die buddhaistische Periode wird u. a. durch 
eine „Tope" oder „Dagobe" veranschaulicht, die der Be 
sucher erblickt, wenn er die Ausstellung vom Kurfürsten-Damm 
aus betritt. Die Topen waren Bauwerke, welche die 
Buddhisten über Reliquien oder zur Verherrlichung denk 
würdiger Stätten errichteten. Neben der Tope erhebt sich die 
Nachbildung eines buddhistischen Frlsentempels. auf dem 
Bergrücken eine solche des „Subramanya-Tempels". Die 
zweite Bauperiode wird durch eine brahmaniscke „Gopura", 
durch Säulenhallen und einen „Brahmatempel" zur Ver
        
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