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Periodical volume 15. Januar 1898, No. 3

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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so kurz vor dcm Zapfenstreiche zu ihm zurückkehren würde, ihm das 
gehörig anzustreichen. Am darauffolgenden Sonntag machte sich sein Gast 
gleich nach Tisch Wieder fix ouf die Beine! der General aber liefe lhn 
durch seinen Diener heimlich beobachten, und dieser stellte fest, daß der 
Marsjünger in dem Separatzimmer eines Restaurants mit mehreren 
anderen Kadetten wacker pokulierte. Um 8^ Uhr meldete sich das 
Bürschchen bei seinem Protektor und gab an, von seiner Tante, einer 
unbekannten Größe, so lange aufgehalten worden zu sein. „So, so," 
meinte Papachcn, „dann laß Dich auch von sie den Urlaubszettel schreiben." 
Der Kadett erblaßte; ohne Urlaubszettel spazierte er in Arrest. Er ver 
legte sich also aufs Bitten, jedoch vergeblich. 
„Onkelchen," flehte er, „laß mich nicht ohne Zettel gehen!" 
„Der Deibel is Dein Onkel, Junge, aber nich ich! Kehrt — 
Marsch!" 
Der Kadett ging und behauptete im Kadettcnhause, seinen Urlaubs 
zettel verloren zu haben. Sein Kompagniechef glaubte ihm das nicht; 
er ließ bei Wrangel anfragen, ob der Kadett wirklich bei ihm so lange 
gewesen sei, worauf der alte General durch den mit der Recherche be 
trauten Herrn Hauptmann schriftlich folgenden Bescheid gab: „War bei 
mich — fraß fürchterlich — mindestens sor zwei — ging fort um drei 
— kam nach 8 Uhr wieder retour; — Urlaubszcttel von mich nicht 
bekam — weil er zur Lüge Zuflucht nahm. — Sprach wat von Tante, 
die nicht existiert — hat jedoch stark mit Andern tabagiert. — Weiter 
vermag ich nischt zu sagen — müssen darüber ihn selber fragen." — 
Vierundzwanzig Stunden Arrest war die Folge. —dn—. 
Zur Ausschmückung der Siegesallee. Wie die „Corrcspondenz für 
Kunst und Wissenschaft" erfährt, ist der 22. März 1898 auf Befehl des 
Kaisers für die Aufstellung der ersten, bis dahin fertigen künstlerischen 
Gruppen der Sieg es-Allee in Aussicht genommen, und es wird mit 
diesem Akte jedenfalls eine größere Feierlichkeit verbundm werden. Um 
die Jnnchaltung des Termins zu ermöglichen, wird schon im Januar 
mit den Aufstellungsarbeiten begonnen. Den Anfang macht die Gruppe 
des Bildhauers Max Unger, welche das Standbild Ottos I. aus dem 
Hause Ballenstedt mit den Büsten des Abtes Sibolv von Lchnin und 
des Wendcnsürsten Pribislaw umfaßt. Der Künstler hat soeben die 
letzte Hand an die Marmoraussührung gelegt und sein Werk nunmehr 
als vollendet gemeldet. Es werden sich sodann in dem Aufbau die fast 
fertige Gruppe von Uphues (Otto II.) anschließen; ferner die Werke der 
Bildhauer Böse (Albrecht II.) und Schott (Albrecht der Bär). 
Eine Anekdote vom alten Heim, dem Leibarzte der Königin Luise, 
die noch nicht allgemein bekannt sein dürste, erzählte uns Herr v. B.: 
Kommt da eines Tages zu dem berühmten Arzte ein Offizier, der über 
einen fürchterlichen Husten klagt. Der alte Heim sieht sich seinen 
Patienten an und sagt: „Ja, seh'n Sie mal, es giebt zwei Arten von 
Husten. Der eine, der sogenannte Schafshusten, kommt vom — Saufen, 
der andere aus der Lunge. AuS der Lunge kommt Ihr Husten nicht. 
A 
Küch erlisch. 
Länderkunde der außereuropäischen Erdteile von vr. Franz Heiderich, 
Profeffor am „Franzisko-Josephinum" in Mödling bei Wien. 
Preis in eleg. Einband 80 Pf. 
Vorliegende „Länderkunde der außereuropäischen Erd 
teile" ist nach denselben Grundsätzen abgefaßt wie die vor kurzem er 
schienene „Länderkunde von Europa". Die einzelnen geographischen 
Elemente werden nicht neben einander gestellt, sondern sind, soweit als 
möglich, in einander verwoben und miteinander in Beziehung gebracht. 
Wieder ist auf die Schilderung der Erdkruste, der Basis jeder geogra 
phischen Forschung, das Hauptgewicht gelegt, und das beschreibende 
Moment wird durch das genetische vertieft und belebt. Ucberdies er 
leichtern zahlreiche, sauber ausgeführte Profilzeichrungen die Auffassung 
des Reliefs. In dieser Basis wurzeln die Schilderungen der klimato- 
logischen, biologischen und der gegenwärtigen politischen und wirtschaft 
lichen Verhältniffc. So wird in kurzen, knappen Umrissen auf engem 
Raume ein methodologisch wie inhaltlich modern-geographisches Bild 
der einzelnen Landesteile entworfen. Der kundige Leser wird ersehen, 
daß überall den neuesten länderkundlichen Forschungsergebnissen Rechnung 
getragen wurde. 
Kunterbunt! Humoresken und Novelletten aus dem Studentenleden 
von Fritz Löwe. Rathenow. Verlag von Max Babenzien. 
1898. Preis 1,80 Mk. 
Von Fritz Löwe — wir erwarten Erfreuliches und werden nicht 
getäuscht. Zwar ist es ein neues Lilteratur-Gebiet, das er mit diesem Werk 
betritt, zeigt er uns doch auch hier reiches Können. Prächtige Studentenge 
stalten führt er uns vor, mit dcm goldenen leichten Sinn der Jugend, voll 
Keckheit und Uebermut. Und schäumt es mal über, ihr idealer Sinn 
bewahrt vor Ausschreitungen. Das Herz auf dem rechten Fleck, sind eS 
echte, sonnige Musensöhne, in wohlthuendem Gegensatz zu den blasierten 
Bonzen, die uns im Leben leider so häufig begegnen. Dem gesunden, 
frischen Buch viele Leser; dem Verfasser noch den Rat, historischen No 
vellen mehr historische Treue zu verleihen! vr. R. 
Die Nummer 2845 der „Illustrierten Zeitung" in Leipzig enthält 
zunächst zu ihrem Leitartikel: Der Reichskriegshafen und die kaiserliche 
Werft in Kiel eine illustrierte, 3 Seiten starke Beilage (Origtnalzeichnung 
von Fritz Stoltenberg), welche den gewaltigen Umfang der Anlagen 
unserer größten Reichswerft detailliert wieeergiebt. Ein doppelseitiges 
Bild zeigt die Kaiserin Auguste Viktoria in der königl. Reitschule zu 
Berlin (Originalzeichnung von Georg Koch), und ein weiteres Bild zeigt 
die drei Säbel, welche der Käiser den drei ältesten Prinzen auf den 
Weihnachtstisch legte. Die mit sinnigen Kernsgrüchen versehenen Waffen 
entstammen der Waffenfabrik von M. Neumann, Hovieferanten in Berlin. 
Das große, gewaltige Werk des bevorstehenden Sim Piondurchstichs wird 
durch einen Artikel des bekannten Alpenschriftstcllers: M. Koch von 
Berneck, erläutert. Kochs Schilderungen der bisherigen Simplonstraße 
erhalten einen besonderen Reiz durch die Beigabe von 10 Bildern nach 
photographischer Aufnahme: „Ueber den Simplon". Von weiteren 
Bildern erwähnen wir noch: „Frauenkopf" (nach einem Gemälde von 
Georg Napperitz) „Die Unsterblichkeit" (nach einem Gemälde von Leo 
Wcescr), „Der Budenbrand aus dem Weibnachtsmarkt zu Breslau" (nach 
der Skizze eines Augenzeugen), „Die Wölfe des Meeres" (nach einem 
Gemälde von Franz Couriers aus der vorjährigen Kunstausstellung) 
sowie die Porträits Her 3 Führer der detuschen Landungstruppen in 
China. Zu Ehren von Hans Wachenhusens 75. Geburtstag bringt die 
Numnur den Lebenslauf und das Bildnis des rielgereistcn Schriftstellers. 
Inhalt: dlec soll cedit oder Der Vertriebenen Zuflucht. 
Historischer Roman aus der Zeit des großen Kurfürsten. Von M. Frey. 
(Fortsetzung.) — In Berlin vor sechzig Jahren. Von Georg 
Bormann. (Fortsetzung.) — Das Kurfürsten-Denkmal zu 
Rathenow. (Mit zwei Abbildungen.) — Zur Vorgeschichte von 
Beethovens Neunter Sinfonie. Von M. Frey. — Branden- 
burgisch-prcuß. Erinnerungstafel. — Kleine Mitteilungen: 
Das Berliner Kadcttenhaus in den Märztagen 1848. Woher stammt 
der Ausdruck „Tartarennachricht" ? Ein liebenswürdiger Zug Kaiser 
Wilhelms II. Wrangel und sein Schützling. Zur Ausschmückung der 
Siegesallee. Eine Anekdote vom alten Heim. — Büchertisch. 
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Verantwortlicher Redakteur und Verleger: Fr. Zillessen in Berlin dl. ö8., Schönhauser Allee 141. 
. Truck der Buchdruckerei Gutenberg, Berlin kl., Schönhauser Alle« 141a. — Abdruck ohne eingeholte Erlaubnis ist untersagt.
        
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