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Periodical volume 13. August 1898, No. 33

Full text: Der Bär Issue 24.1898

* Unter Mitwirkung von 
Dr. Ernst G. Harde»), Dr. U. Kört,»girier, profeflor vl>. Krertier, Dr. H. Hrerrdirtre, ©Ijeobor Fa»»ta»»e, 
Stadtral G. Friedet. Riri)ard George, Ferd. Meri-er, Dr. Gg. Krtirnidt, Gyninastaldirektor a. v. Dr. W. Krtnvavh 
»nb E. v, Ulrtide»»t>r»»U> 
herausgegeben von 
Friedrich Iillessen und Paul Warnckr. 
XXIV. >> Der „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede Postanstalt (Nr. 81g) Buchhandlung und Zeitungs- 
Fahrgang. j spedition für 2 Mk. 50 pf. Vierteljahr!, zu beziehe». Auch die Geschäftsstelle —Berlin N. 58,Schön!,. Allee 141—nimmt 
M 33. | Bestellungen entgegen. Inseraten-Austräge sind an die letztere zu richten. Die viergesp. petitzeile kostet pf. 
13. August 
1898. 
Ätvalsuno. 
Lrzghlung suA dem dreißigjährige» Kriege. 
Von C. Kirhns. 
(3. Fortsetzung). 
III. 
m Goldenen Löwen am Alten Markt flackerten in 
der großen Trinkstube die Lichter behaglich in dem großen, 
schmiedeeisernen Kronleuchter, der von der Decke niederhing, 
und oer Pfeifenqualm schwebte in lang n, grauen Wolken um 
ihn herum. In der gemütlichen Fensternische saßen vor 
hohen Zinnkiügen der alt- Andersen, der dicke Siadtkapitän 
Volkmann. dessen gemütlichem, weingeröteten Gesicht ein 
struppiger Schnauz hart vergeblich einen grimmigen Anstrich 
zu geben suchte, und ein kleiner, wohlgenährter Herr in 
geistlicher Tracht, Herr Erasmus. Pfarrer an Sankt Marien. 
Sie hielten lange Thonpfeifen zwischen den Lippen und 
qualmten aus ihnen wie die Backöfen. 
Alle schwiegen und sahen angelegentlichst nach dem 
Nebentisch, wo einige Herren, große Hornbrillen auf den 
Nasen, eifrig und gelehrt diskuiierend, hinter ihren Bier- 
krügen saßen. Es war dies eine Kommission herzoglich 
pommecscher Räte, die in der Stadt e>schienen war. um den 
Frieden zu vermitteln. 
Jetzt schienen die Herren mit ihren Reden zu einem Entschluß 
gekommen zu sei»; sie erhoben sich mit weisen Gesichtern, ver 
beugten sich gegen den Nebenlisch und verließen die Wirlsstube. 
Den Gruß der Herren beantwortete Herr Pfarrer 
Erasmus mit einem höflichen Kratzfuß; der dicke Stadthaupt, 
mann lachte vor sich hin. und der alte Andersen saß mit 
finsteren Blicken und rührte sich nicht. 
„Gebe der Himmel ihrem Friedens werke seinen Segen!" 
sagte Herr Erasmus, sich wieder niederlassend. 
„Hole sie der Deubel!" sagte der alte Andersen. Der 
dicke Volkmann lachte, daß ihm der Bauch wackelte. 
„Was wollen diese Brillenaffen hier?" fuhr Andersen 
grimmig fort. „Sie machen unsern Rat noch waschlappiger — er 
ist schon so klietschig wie Houigkuchcnteig — und unserm 
Bürgermeister sein Amt und das Aushauen immer schwerer!" 
„Das weiß der liebe Himmel!" antwortete der Stadt- 
hauptmann. 
„Der Herr Herzog will den Frieden," sagte Herr 
Erasmus breit, „denn es stehet geschrieben: „Selig find die 
Friedfertigen!" Wozu die Greuel und das Blutvergießen! 
Ist die Welt nicht arg genug? Wozu der Kampf mit blutigen 
Waffen? „Mein Reich ist nicht von dieser Welt," sagt der 
Herr. Darum soll auch nicht mit irdischen Waffen für dasselbe 
gestritten werden, sondern mit geistigen! Uns gebühret der Kampf! 
Stellt den kaiserlichen Feldoberst Arnim hier vor mich — 
überdies ist er ein Protestant, ich bete für feine Seele — 
stellt ihn hier vor mich — " 
„Und er würde in Eurer Suada versaufen. Herr Pastor!" 
lachte der dicke Volkmann. 
„O Ihr, die Ihr fitzet, wo die Spötter fitzen!" rief Herr 
Erasmus voll heiligen Eifers, „Ihr wollt den Feind bekämpfen? 
Bekämpft den Teufel in Eurer Brust! Denn er gehet umher 
wie ein brüllender Löwe "
        
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