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Periodical volume 6. August 1898, No. 32

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Kran-enburgisch-preußische Grmnerungstafel. 
6. August. 
1744 Beginn de« zweiten schlesischen Krieges. 
1814 Siegcseinzug in Paris. 
1829 (31.> Kongreß von Karlsbad. 
1870 Schlachten von Wörth und Spicheren. 
1886 Wilh. Scherer, Germanist, + 
7. August. 
1779 Karl Ritter, Geograph, ged. 
1797 Wiedereinführung der Tabaksregie. 
1871 Festsetzung der Zolllinie zwischen Frankreich und dem Eistß. 
8. August. 
1618 Albrecht II., Herzog von Preußen, f. 
1736 Erster Brief Friedrichs des Großen an Voltaire. 
1759 Karl Heinr. Graun, Komponist, f. 
1794 Sturm auf die Pellinger Schanzen. 
1824 Fr. Aug. Wolf, Philolog, f. 
1870 Anfang der Beschießung von Bitsch. 
9. August. 
1722 Prinz August Wilhelm geb. 
1759 Joh. Christ. Fr. Gutsmuths, Förderer des Turnwesens, geb. 
1775 Joh. Ernst Gotzkowski, Kaufmann, f. 
1794 Kapitulation von Trier. 
1806 Mobilmachung der Armee. 
1870 Besetzung der Festung Lützelstein. 
1890 Erwerb von Helgoland. 
10. August. 
1741 Einnahme von Breslau. 
>756 Peter Ludwig du Moulin, General der Infanterie, +. 
1807 Friedrich Wilhelm III. beschließt die Errichtung einer Universität 
in Berlin. 
1827 Adalbert Falk, Minister, geb. 
1842 Christ Ludw Jdeler, Chronolog, s-. 
1861 Grundsteinlegung zum Jahndenkmal auf der Berliner Hasenheide. 
11. August. 
1699 Fr. Rud. Freiherr von Canitz, Dichter und Diplomat, f. 
1778 Fr. Ludw. Jabn, Förderer des Turnwesens, geb. 
1801 Heinr. Ad. von Zastrow, General, geb. — Eduard Dcvrient, 
Schauspieler, geb. 
1872 Enthüllung des Jahndenkmals auf der Berliner Hasenheide. 
12. August. 
1720 Explosion eines Pulverturmes am Ausgange der Spandauer- 
straße in Berlin. 
1759 Schlacht bei Kunersdorf. 
1762 Christ. Wilh. Hufeland, Mediziner, geb. 
1805 Joh. Karl RodbertuS, Nationalökonom, geb. 
1819 Georg Ludw. Hesckiel, Schriftsteller, geb. 
1841 Bismarck wird Lieutenant der Landwehr. 
1867 Errichtung eines Bundeskanzleramtes. 
1870 Beginn der Beschießung von Pfalzburg. 
1875 Heinr. Ad. von Zastrcw, General, gest. 
Kleine Mitteilungen. 
Das neue Rathaus zu Steglitz. (Mit Abbildung). — Steglitz, 
der mächtig emporblühende Vorort an der Wannseebahn, der bei der 
Volkszählung von 1895 16 500 Einwohner zählte, ist in der Zeit von 
September 1896 bis Herbst 1897 durch den Prachtbau eines neuen 
Rathauses verschönert worden, dessen Aqbildung wir nebenstehend 
bringen. Der stattliche Neubau, welcher einen Kostenaufwand von 
350 000 Mark verursacht hat, ist eine Schöpfung der Architekten 
Reinhardt und Süßenguth in Charlottenburg, di« im Jahre 1895 
als Sieger aus einem Preisausschreiben hervorgingen. Das neue 
Rathaus, ein Backstcinbau mit Turm, erhebt sich an der Ecke der 
Schloß- und Grunemaldstraße in der Nähe desBahnhoss und der 1877 
bis 1880 von Gette erbauten Backsteinkirche. Aus dem,, Central 
blatt der Bauvcrwaltung" vom 9. Juli d. I. entnehmen wir einem 
Aufsatz von Oskar Hoßfcld über den Neubau des Rathauses folgende 
Einzelheiten: .Der Haupteingang in das klar angelegte Gebäude befindet 
sich in der Schloßstraße, der Hauptberkehrsader des Ortes. Ueber einen 
äußeren Vorplatz und einen Windfangflur, in welche je ein Teil der 
Treppe eingeschnitten ist, gelangt man in die Halle des Erdgeschosses, 
der sich in der Achse des Einganges das die drei Stockwerke verbindende 
Haupttreppenhaus anschließt, während am Ende des Westflügels, in dem 
sich die Halle als Flurgang fortsetzt, eine Nebentreppe durch alle Ge 
schosse führt. Im Erdgeschosse sind diejenigen Geschäftsräume unter 
gebracht, in denen das Publikum hauptsächlich zu verkehren hat: die 
Kasse, das Steuerbureau, das Meldeamt, die Altersversicherung und 
das Polizei-Bureau. Im ersten Stockwerk haben an der Schloß- 
straße in würdiger Ausstattung die Räume des Standesamtes und 
auf der Ecke, mit Kabinett, Erker und Altan versehen, das Amts 
zimmer des Ortsvorstchcrs Platz gefunden; im Grunewaldstraßen-Flügel 
liegen die zugehörigen Bureau-Räume. Das zweite Stockwerk enthält den 
Sitzungssaal mit seinem Zubehör, das Bauamt und die Volksbücherei. Das 
Sockelgeschoß ist zur Unterbringung der Kastellanswohnunp, der Polizei 
wache und eines Ratskellers mit Vorgarten an der Südwcstseite ausgenützt; 
in den oberen Geschossen des Turmes endlich befinden sich Räume für 
zurückgestellte Akten. — In dem gut gegliederten, in seiner Formgebung 
mit Glück an die alten märkischen Backsteinbautcn anknüpfenden Aufbau 
bildet der rechteckige Turm an der Ecke das die Erscheinung des Bau 
werks beherrschende Hauptstück. Wenn dieser Turm in seinem oberen 
Teile an einer etwas zu starken, die Umrißlinie verwirrenden Häufung 
von Motiven leidet, so sind seine unteren Partien um so anziehender. 
Besonders weilt der Blick gern auf dem anmutigen, im Vieleck geschlossenen 
Ausbau, der, neben dem Allane aufsteigend, geschickt den Vorsprung 
des Grünewildstraßen-Flüg.ls deckt. Der oben genannte Flügel ist, 
der Bestimmung der in ihm untergebrachten Räume entsprechend, einfacher 
gestaltet als der Flügel an der Schloßstraße; denn hier ist namentlich 
der Sitzungssaal bedeutungsvoll durch einen großen Giebel zum Aus 
druck gebracht, der im Vereine mit einem kleineren Giebel auf der 
Westecke das erforderliche Gegengewicht gegen die Masse des Turmes 
abgicbt " 
Ein Körner-Museum besitzt das Schloß Löbichau in Sachsen- 
Altenburg und ist der Inhaber desselben der Legationsrat v. Tümpling. 
Das Zimmer, welches die Sammlung birgt, ist thatsächlich von dem 
Dichter- und Freiheitshelden Theodor Körner bewohnt gewesen und 
entbält eine Menge Kunstschätzc und Seltenheiten. Da sind Bilder, 
Schriftstücke und Gegenstände, welche in irgend einer Weise in engerer 
Verbindung mit Körner stehen; ferner aber auch Andenken an Blücher, 
Moltke, den Fmsten Bismarck, Goethe, den französischen Minister 
Tallcyrand und endlich eine ziemlich bedeutende Münzsammlung, sowie 
verschiedene wertvolle andere Seltenheiten. Man erreicht das genannte 
Schloß von der Bahnstation Nöbdenitz aus und ist der Besitzer gern 
bereit, die Sammlung jedem Interessenten zu zeigen. Sammelbörse. 
Die Memoiren der Baroneffe Ereile de Courtot, welche soeben 
erschienen sind*), entrollen ein schicksalreiches Lebensbild aus der Zeit der 
großen französischen Revolution. Die Baronesse (geboren 20. September 
1766) war Hofdame der Fürstin Maria Theresia Luise Lamballe, 
der treuen Freundin der unglücklichen Marie Antoinette. Sie teilte 
mit der Prinzessin von Lamballe freiwillig die Gefangenschaft der könig 
lichen Familie und war Zeugin der furchtbaren Scene, die sich am 18. 
September 1792 vor dem Gesängnis Le Temple abipeelte. Die könig 
liche Familie befand sich, in einem Erdgeschoß des Gefängnisses. Da 
dranacn von der Straß? brüllende, johlende Rufe herein, aus denen 
die Worte zu verstehen waren: „Citoyenne Capet, Citoyenne Capet — 
voyez-vous donc — ä la fenetre — ä la fenetre.“ Die Königin schritt 
in gemessener Würde zu dem Fenster hin, da streckten sich auf einmal 
ihre Hände krampfhaft aus, ihre Augen nahmen einen entsetzten, starren 
Ausdruck an, und sie brach mit dem verzweifelten Schrei: „0b, ces 
detestables“ ohnmächtig zusammen. Ludwig XVI. eilte mit Cccilc de 
Courtot entsetzt ans Fenster, und sie sahen — das Haupt der Prinzessin 
Lamballe, das, auf eine Stange gesteckt, von einer brüllenden Schar 
von Unholden dahingetragen wurde. Cecile de Courtot sank in tiefer 
Ohnmacht zu Boden, und als sie wieder erwachte, fand sie sich mit 
vielen Leidensgenossen in den Kerkerräumen des Kellers des Temple. 
Die Schilderungen, die sie aus denselben giebt, spiegeln die SchreckenS- 
zeit mit furchtbarer Anschaul'chkeit wieder. Auch Cecile sollte der 
Guillotine überliefert weiden. Auf der Fahrt nach dem Richtplatze 
wurde sie durch die Explosion eines Pulverfasses aus den Händen ihrer 
Henker gerettet, und es gelang ihr, nach Deutschland zu entkommen, das 
vielen hunderten Emigranten eine retiende Freistätte wurde. Ein gütiges 
Geschick führte die Baronesse in das Haus der Frau Anna Gottliebe 
von Aloensleben, geborenen Freiin von Loe zu Overdiek, bei 
welcher sie (in Kalbe an der Milde) acht Jahre (von 1793—1801) 
verweilte, bis die Verhältnisse in Frankreich der Emigrantin die Rück 
kehr in ihr Vaterland gestatteten. Anna Gottliebe von Aloensleben, 
deren Aufzeichnungen wir die Kenntnis von den Schicksalen der schwer 
geprüften Französin verdanken, war eine echt deutsche Frau, mit einem 
treuen, liebevollen Herzen, und ihrer Liebe und Pflege gelang es, die arme 
Emigrantin, die in den Wirren ihres Vaterlandes die Eltern, die heiß 
geliebte Prinzessin Lamballe und, wie sic glaubte, auch den Bräutigam 
verloren hatte, von ihrer Gemütskrankhcit zu heilen und ihr die Freude 
am Leben wieder zu geben. Im Jahre 1798 reiste die Baronesse Cecile 
mit ihren liebenswürd'gen Wirten nach Berlin und wurde am 3. August 
König Friedrich Wilhelm III. und der Königin Luise vorgestellt. Nach 
dem Napoleon erster Konsul geworden, kehrte die Baronesse, nachdem 
sie herzlichen Abschied von dem Alvenslebenschen Ehepaare genommen, 
*) Die Memoiren der Baronesse Cecile de Courtot. 
Ein Zeit- und Lebensbild nach Briefen der Baronesse an Frau von 
Aloensleben. geb. Baronesse Los, und nach deren Tagebuch bearbeitet 
von Moritz von Kaisenberg. Leipzig 1898. Ve>lag von Heinrich 
Schmidt und Karl Günther. Lexikon 8° 367 S. Preis 7,50 Mk., 
gebd. 10 Mk.
        
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