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Periodical volume 30. Juli 1898, No. 31

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Geschütz und die Munition von Süden her. aus der Mark 
erwartet wurden, nordwärts nur ein Beobachtungskorps auf 
zustellen und den Hauptangriff am rechten Peeneufer erfolgen 
zu lassen. Um jedoch vor allem eine Verbindung zwischen 
den beiden Hälften des Belagerungshceres herzustellen, wurde 
zunächst eine halbe Meile stromaufwärts eine Brücke ge 
schlagen und dann durch die sumpfigen Wiesen ein Damm 
angelegt. Nachdem so die Kommunikation hergestellt war. 
begannen die Erdarbeilen am nördlichen Peeneufer. Dort, 
wo der Damm mündet, gingen am 10. Juli unter Führung 
des holländischen Ingenieurs Holstein 300 Mann vor und 
begannen Schanzen auszuwerfen. Allein die Schweden machten 
in überlegener Stärke einen Ausfall und nach kurzem Gefecht 
zogen sich die Brandenburger mit Verlust zurück. Doch bereits 
in derselben Nacht nahm Holstein die unterbrochenen Arbeiten 
wieder auf und oiesmal gelang es ihm, dies Werk so weit 
zu fördern, daß am 16. Juli die Schanze fertig war. Gleich 
zeitig wurde die Zernierung der Stadt in der Weise vor 
genommen, daß entsprechend den Thoren befestigte Lager im 
Norden. Südwesten und Osten errichtet wurden; namentlich 
das nördliche zeichnete sich durch besondere Stärke seiner Ver 
teidigungswerke aus, da es gleichzeitig Entsatzversuche von 
Greifswaid her verhindern sollte. Der Kurfürst selbst schlug 
mit seiner Gemahlin sein Hauptquartier in dem Lager gegen 
über dem Stolperthor, vor dem Dorfe Görke im Südwesten 
der Stadt auf. 
Am 21. Juli wurden die Laufgräben eröffnet, zwei Tage 
darauf unternahmen die Schweden von dem Hornwerk aus 
einen Ausfall gegen die Höhen zwischen der Stadt und Görke. 
Erst nach langem Feuergefecht und nachdem die Branden 
burger stärkere Truppenmassen herangebracht hatten, gelang 
es, sie zum Rückzug zu zwingen. Während man noch hier 
kämpfte, gingen die Kurfürstlichen auch auf der Ostseite zum 
Sturm auf die beiden vor dem Steinthor liegenden Mühlen 
vor, ohne jedoch ihr Ziel, die beiden Gebäude in Brand zu 
stecken, zu erreichen. Auch auf der Nordseite war man nicht 
müßig, die hier stehenden Kaiserlichen rückten, wenn auch 
unter starken Verlusten, langsam an die Stadt heran. Am 
30. Juli traf die sehnlichst erwartete Belagerungsartillerie 
ein. Noch in der Nacht wurden die Geschütze in die Batterien 
gebracht und am nächsten Morgen eröffneten acht Batterien 
ihr Feuer auf die Stadt. (Drei dieser standen vor dem 
Stolper Thor, etwa 600 Schritte von dem Hornwerk ent 
fernt, drei gegenüber der Südfront der Stadt und zwei im 
Norden am linken Peeneufer) Im Osten scheint man mit 
dem Batteriebau nicht rechtzeitig genug fertig geworden zu 
sein, wenigstens ist von einer Beschießung von dort aus keine 
Rede. Die Wirkung war trotz der maffenhaften Bomben und 
glühenden Kugeln keine bedeutende. Die meisten Geschosse 
schlugen in die Wälle und Stadtmauer ein und die wenigen 
im Innern der Stadt entstehenden Brände wurden bald ge- 
löscht. Aber die Kraft der Verteidiger war zu gering, um 
das Heranrücken der Batterien zu verhindern und bereits nach 
wenigen Tagen waren die Geschütze vor dem Hornwerk bereits 
bis auf 400 Schritt an die Befestigungen herangekommen. 
Wenn auch Graf Köntgsmarck, der sich seit Ende Juli 
mit dem größten Teile seiner verfügbaren Truppen in Greifs' 
wald befand, an einen Entsatz der bedrängten Stadt nicht 
denken konnte, so suchte er doch nach Möglichkeit die Kur 
fürstlichen zu beunruhigen. Fast täglich gab es Scharmützel 
mit den fouragierenden Truppen und meist fielen diese zu 
Ungunsten der Brandenburger aus, ja es wurden sogar 
mehrere große Transporte von den schnellen schwedischen 
Reitern aufgehoben. Um diesem Treiben ein Ende zu machen, 
schickte der Kurfürst am Morgen des 6. August den Land 
grafen von Hessen-Homburg, den er von Demmia heran 
gezogen hatte mit 1300 Reitern gegen Greifswald. Bei 
Tagesanbruch stießen die Vortruppen des Landgrafen bei dem 
Dorfe Ranzin auf dort lagernde Schweden (nach dem Berichte 
des Grafen Königsmai ck 500 R iter und 40 beritten gemachte 
Musketiere). Nach kurzem Gefecht flohen die Schweden in 
wilder Auflösung davon, und wenigen gelang es. die schützenden 
Thore von Greifswald zu erreichen. 130 Gefangene sollen 
in die Hände der Brandenburger gefallen sein, ohne die. 
welche in den Sümpfen ihren Tod fanden. 
Einige Tage hatten die Belagerer nur wenig gefeuert, 
jetzt am ?. August wurde das Bombardement mit verstärkter 
Kraft wieder aufgenommen. Auch die Erdarbeiten drängten 
und am 18. waren die Brandenburger bis dicht an das 
Hornwerk herangedrungen. Doch die Zeit drängte, wollte 
der Große Kurfürst noch in dem Jahre etwas erreichen, 
so mußte er die Stadt so bald wie möglich in seine 
Gewalt bekommen. Deshalb wurden Anstalten zum Sturme 
getroffen. Auserlesene aus allen brandenburger Regimentern 
wurden herangezogen und in zwei Sturmkolonncn eingeteilt. 
Faschinen zum Ausfüllen der Gräben wurden hergestellt 
und zwei auf Rädern ruhende Sturmbrücken angefertigt. 
Inzwischen aber ruhte die Artillerie keineswegs und jetzt in 
näherer Entfernung war die Wirkung eine erheblich beffere. 
Bis zum 15. August war eine breite Bresche in das Hornwerk 
geschossen, die Pallisaden waren bereits seit einigen Tagen 
wegrasiert und nun ging man auch unbeirrt um das feindliche 
Feuer daran, die Gräben vor dem Ravelin durch Ableiten 
des Wassers trocken zu legen. Am Vormittag des 16. waren 
alle Vorbereitungen für den Sturm fertig und um die Auf 
merksamkeit der Schweden von dem Hornwerk abzulenken, 
befahl der Kurfürst von Norden und Osten her einen Schein 
angriff auf die Stadt. Dann um 4 Uhr Nachmittags gingen 
die beiden Sturmkolonnen vor Allein das Heranbringen der 
Sturmbrücken mißlang vollständig. Da die Deckung fehlte 
und dies Vorbringen auf freiem Felde geschehen mußte, so 
wurden die Begleitmannschaften weggeschossen, ehe sie den 
Graben erreichten. Trotzdem gelang es der einen Slurm- 
kolonne unter Oberst v. Schöning, dem späteren Feldmarschall 
und Kommandeur der Brandenburger vor Ofen. das Ravelin 
zu nehmen und bis unter die fortgeschossenen Pallisaden des 
Hornwerkes vorzudringen. Doch nun konnten die Angreifer 
nicht weiter, das maffenhafte Feuer der Schweden wütete 
furchtbar unter ihnen und nur wenige erreichten das freie 
Feld. Auch die zweite Sturmkolonne hatte wenig Glück 
gehabt. Obschon eine Anzahl von Grenadieren den Wall des 
Ravelins e>stiegen hatten, mußten die Brandenburger auch 
hier nach bedeutenden Verlusten zurück. Der Abend brach 
herein und noch war man keinen Schritt weiter als am Nach 
mittag. Da befahl der Kurfürst, der durch eine Geschütz 
scharte von einer Batterie aus in Begleitung seiner Gemahlin 
und der Landgräfin von Hessen-Homburg den Sturm mit 
angesehen hatte, den Kampf abzubrechen. Der Kammerherr
        
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