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Periodical volume 16. Juli 1898, No. 29

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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10. Armeekorps v. Voigts-Rhetz u. s. w. — Der brave August 
Binkebank schrieb auf sein Blatt einen Vers des Freiligratbschen 
Gedichtes; in der Unterschrift bezeichnet er sich als „ehemals Trompeter 
im Magdb. Cuiras.-Regt. Nr. 7, geboren am 12. Juli 1845 zu Ostcr- 
wieck, Kreis Halberstadt Danach wäre also die Angabe Seite 321 
„20. Juli" zu berichtigen. Auf der beigefügten Photographie erscheint 
Binkebank in der Uniform seines Regiments, die Linke am Säbelgriff, 
mit der Rechten die Trompete haltend; die Figur ist nicht sehr kräftig, 
der Gesichtsausdruck bescheiden. 
Ein kleiner Teil des „Kriegsstammbuchcs" erschien s. Z. in 
getreuer Reproduktion im Verlage der Hofkunstanstalt von C. A. Starke, 
Görlitz. Ad. M. H. 
Die blutigste Schlacht des 19. Jahrhunderts. Die absolut blutigste 
Schlacht unseres Jahrhunderts, d. h. jene, wo die größte Anzahl Toter 
und Verwundeter auf der Wahlstatt blieben, war die Völkcrichlacht bei 
Leipzig mit einem Verluste von zusammen ca. 90 000 Mann. Dieser 
zunächst steht Aspern mit 66 000, dann folgt Borodino mit 62 000 Mann. 
Zum Vergleiche seien die größten Schlachten der neuesten Zeit, König- 
grätz mit 32 000, Gravelotte mit 27 000 Mann, dagegengehalten. Die 
relativ blutigste große Schlacht, d. h. jene, in welcher es die höchste 
Prozentzahl an Toten und Verwundeten gab, war Aspern mit einem 
Durchschnittsverluste von 38 pCt. der Gesamtstreiterzahl. Dann kämen 
Borodino mit 25 pCt., Eylau und Waterloo mit 24, Leipzig und Jnker- 
mann mit 21 pCt. Hingegen betrug der durchschnittliche blutige Verlust 
bei Königgrätz 7>/ 2 pCt., Wörth 13‘/ a pCt., Mars-la-Tour 16 pCt., 
Gravelotte 8 pCt, Sedan 12 pCt., Plevna (III) 14 pCt. Die großen 
Schlachten der letzten Kriege waren dcninach weit weniger blutig als 
jene. Die hier angegebenen Prozentzahlcn sind Durchschnittszahlen, und 
zwar für beide Gegner zusammen. Nur in äußerst seltenen Fällen sind 
aber die prozentualen Verluste auf beiden Seiten die gleichen, sondern 
in der Regel verliert der eine mehr, der andere weniger. Es ist nun 
von Interesse zu wissen, daß die höchsten Verluste einer Armee in den 
großen Schlachten der jüngeren Zeit ein Viertel ihrer Stärke nirgends 
iiberschritten haben. (Deutsche bei Mars-la-Tour 22 pCt, Franzosen bei 
Wörth 16 pCt., bei Sedan 19 pCt, Oesterreicher bei Königgrätz 1l pCt., 
Russen bei Plevna (III) 17 pCt) Wir entnehmen diese interessanten 
Daten dem trefflichen Buche: „Die Zahl im Kriege" vom k. u. k. 
Generalstabshauptmann Otto Berndt (Preis eleg. gebunden 5 M.s und 
empfehlen das für Militär wie für Civilisten gleich interessante Werk 
bestens Parole. 
Ein bisher »»gedruckter Brief Scharnhorsts wird in der neuesten 
Nummer der Unterosfizicrzeituvg veröffentlicht. Der Brief ist an seinen 
Bruder, den hessisch-darmstädtischen Kapiiän Heinrich Scharnhorst, von 
Berlin aus gerichtet, und zwar im Jahre 1801, nachdem Gerhard 
Scharnhorst aus hannoversche in preußische Dienste übergetreten war. 
Er lautet: „Lieber Bruder, ich mache es mir zum Vorwurf, daß ich 
Dich von meiner Dienstveränderung nicht benachricht habe: ich weiß 
aber auch wohl, daß Du von meiner Liebe überzeugt bist und 
diese kleine Vernachlässigung niir nicht übel auslegst. Ich bin 
schon seit dem 6. May hier und Oberstlieutenant bei dem 3. Artillerie- 
Regiment. Michaelis kommt meine Familie hierher. Meine Haus 
haltung zu Bordenau bleibt dennoch auf dem alten Fuß. Was macht 
Deine liebe Frau? Empfiehl mich ihrer Liebe und Freundschaft und 
umarme sie und Deine Kinder in meinem Namen. Ich hoffe, hier in 
der Folge recht zufrieden und vergnügt zu leben, und bin von meinen 
Kameraden im ganzen gut aufgenommen und sehr mit ihnen zufrieden. 
Ich habe sie zum Teil als sehr edel und schätzenswert gefunden. Meine 
Aussicht auf die Zukunft ist ein Regiment. Wilhelm (später preußischer 
General und mit einer Tochter Gneisenaus verheiratet) wird nun hier 
ferner die Schule besuchen und demnächst nach Königsberg gehen und 
Jura studieren. Er ist ein herzlich guter Junge von Herzen, er gleicht 
Dir. Julchen (später mit dem Feldmarschall Dohna verheiratet) ist 
mein Ebenbild; ebenso verlegen und timide als ich, aber auch ebenso 
rastlos und ehrgeizig. August, der Holländer, ist mehr materiell; Emilie, 
die jüngste, ist ein schönes Kind, ganz im Aeußern und Innern als 
die Schwiegermutter. Nun, mein guter, innigst geliebter Bruder, weißt 
Du einige Außenlinien von meinem Zustand und meiner Familie. 
Schreib mir nun auch, wie es Dir geht. und versichere Deine liebe Frau 
meiner brüderlichen, herzlichen Liebe und Hochachtung, und sei versichert, 
daß ich sehr oft mit der innigen Sehnsucht an Dich denke, und daß, 
Dich zu sehen, für mich die größte Freude auf der Welt sein würde. 
Dein Dich zärtlich liebender Bruder G. Scharnhorst." 
Küchertifch. 
Die Folgen der Reforniation und des 30 jährigen Krieges für die 
ländliche Verfassung und die Lage des Bauernstandes im östliche» 
Deutschland, besonders in Brandenburg »nd Pommern. Von 
vr.W. Bruchmüllcr. Kroffen a. O , Rich. Zeidler. Preis 1 Mk. 
In seiner kleinen, aber höchst lehrreichen Schrift geht Or. Bruchmüllcr 
fast nur auf die Verhältnisse Brandenburgs und Pommerns näher ein. 
Durch diese Beschränkung hat er sich für seine Monographie, die sich 
trotz ihrer Gründlichkeit recht gut liest, von vornherein die Geschlossenheit 
der Darstellung gesichert. Gegliedert ist die Abhandlung, ganz sinn 
gemäß, in folgende 3 Abschnitte: 1. die ländliche Verfassung und die 
Lage des Bauernstandes im östlichen Deutschland beim Beginn der 
Reformation nebst einer kurzen Entwickelungsübersicht seit der Zeit der 
Kolonisation, 2. die Folgen der Reformation und 3. die Folgen des 
30jährigen Krieges. — Wohlthuend berührt der sachliche, vornehme Ton — 
leider etwas Seltenes in der wirtschaftsgeschichtlichen Broschürenlitteratur 
unserer Tage —, mit dem Or Bruchmüller hie und da, doch nirgends 
in störender Breite, gegen Großmann (in Schmollers „Forschungen" IX) 
und ähnlich, wenn auch ganz bescheiden, gegen Lamprecht polemisiert. 
Das inhaltliche Resultat seiner tüchtigen Leistung läßt sich in folgenden 
Worten zusammenfassen: Schon vor Beginn des 30 jährigen Krieges 
war die rechtliche Lage der Bauern im deutschen Kolonialgcbiete sehe 
bedrückt; denn im Zeitalter der Reformation hatte sich ihre vorher garnicht 
so üble wirtschaftiche Lage einigermaßen, und hatten sich ihre 
persönlichen Verhältnisse ganz bedeutend verschlechtert. Was aber von 
Recht und Wohlstand übrig geblieben war, das vernichtete völlig der 
30jährige Krieg mit seinen Folgen, an welch letzteren wir zum Teile 
heute noch kranken. Es wäre eine lohnende Aufgabe, in derselben 
knappen und nüchternen Weise, wie cs hier geschehen, auch das 18. 
und 19. Jahihundert zu behandeln. Vielleicht entschließt sich auch 
hierzu der Verfasser. Allen aber, die sich für die Geschichte unseres 
östlichen Deutschlands und seiner Landbevölkerung interessieren, sei das 
kleine, wertvolle und zugleich so billige Büchlein zur Anschaffung dringend 
empfohlen. — n. 
Zwischen Vater und Sohn. Roman aus dem Anfange des 
18. Jahrhunderts in zwei Bänden von Clarissa Lohde. Mannheim, 
Verlag von I. Bensheimer. Preis 5 Mark. 
Wiederholt schon haben wir Romane aus der Feder von Clarissa 
Lohde, so jüngst noch den Roman „Herbstblüte", warm empfehlen 
dürfen. Dem uns sitzt vorliegenden Roman „Zwischen Vater und 
Sohn" gebührt aber trotz seines im ersten Augenblick etwas eigen 
tümlich berührenden Titels unbedingt die Palme unter allen Werken 
der begabten Verfasserin. Er behandelt die höchst interessante Thron 
entsagung des Königs Viktor Amadeus II. von Sardinien und sein 
bald darauf hervoitrctmdes Bemühen, die Thronentsagung wieder rück 
gängig zu machen und unter Verdrängung des Königs Karl Emanuel I., 
seines Sohnes, den Thron wieder zu besteigen. Seit 1713 schmückte 
Viktor Amadeus, Herzog von Savoyen, die Königskrone, die erst nur 
auf Sizilien, später, seit 1735, auch auf Sardinien ruhte. Plötzlich 
nun, am 3. September 1730, entsagte König Viktor Amadeus, 64 Jahre 
alt, zu Gunsten seines Sohnes Karl Emanuel der Krone. Die Liebe 
zu einer Hofdame, der intriguanten Gräfin San Sebastiano, hatte 
ihn zu diesem Schritt bewogen. Dieselbe strebte danach, Königin zu 
werden, und verlangte zu diesem Zweck die Verheiratung mit dem 
Könige. Viktor Amadeus aber, dessen erste Gemahlin eine Nichte König 
Ludwigs XIV. von Frankreich gewesen war, glaubte ihr die Königs- 
lrone versagen zu müffen, opferte aber um ihretwillen bereitwillig den 
Thron und zog sich mit ihr in die Stille von Chambery zurück. 
Allgemach indes wußte die ehrgeizige Dame, die ihr Ziel, Königin zu 
werden, nicht aufgab, die Reue über die Thronentsagung bei ihrem 
Gemahl wachzurufen und ihn dahin zu bestimmen, daß er, der einst 
malige König selbst, eine Palastrevolution gegen den rechtmäßigen König, 
seinen Sohn und Nachfolger, ins Werk setzte. Beinahe wäre diese 
geglückt, da der neue König, Karl Emanuel, der die in jeder 
Beziehung edle Prinzessin Polyxena von Hessen-Rheinfcld zur Gemahlin 
hatte, ebenfalls in den Banden einer jungen, schönen Hofdame, einer 
Nichte der Gräfin San Sebastiano, lag Durch die Treue des Feld 
marschalls Rehbinder, dessen Stiefsohns von Burgsdors und überhaupt 
der meisten Staats- und Hofbeamten wurde der Plan vereitelt. 
Viktor Amadeus wurde gefangen genommen und von dem Staatsrat 
erst nach Schloß Rivoli, dann nach Moncalieri verbannt, wo er am 
1. November 1732 in geistiger Umnachtung starb. Das bekannte „ou 
est la femme", das so oft in der verhängnisvollsten Weise in die poli 
tischen Aktionen eingreift oder sie geradezu veranlaßt, wird uns in diesem 
vortrefflichen Roman in der überwältigendsten und drastischsten Weise 
vor Augen geführt. Dazu ist die Charakterzeichnung eine über 
aus feine und geschickte. Auch schreitet die Handlung schnell vorwärts, 
so daß man förmlich mit fortgerissen und stets von dem Gedanken in 
Spannung gehalten wird: Wird die Bosheit mit ihrem diabolischen 
Jntriguenspiel oder wird Recht und Gerechtigkeit siegen? Nicht uner 
wähnt bleibe übrigens, daß neben den niedrigen Jntriguantinnen auch 
die edelsten Persönlichkeiten — freilich fast alle aus Deutschland 
stammend — hervortreten und nicht bloß unsere Tcilname, sondern 
geradezu unsere Bewunderung in Anspruch nehmen. Kurz und gut, 
wir empfehlen den Roman aufs wärmste, und wir hoffen, daß er weite 
Verbreitung findet. —». 
Beresina. Roman von 1812. Von Oskar Mysing. 3 Bände. 
Berlin 1898. Verlag von Otto Janke. Preis 10 Mk. 
Die Katastrophe von 1812, in welcher die große Armee Napoleons 
auf den Schnee- und Eisfeldern Rußlands zertrümmert wurde, und der 
Glaube an die Unbesieglichkeit des Kaisers einen bedeutenden Stoß 
erhielt, beschäftigt die Phantasie unserer Romanschrciber und Dramatiker 
wieder und immer wieder. Oskar Mysing stellt in seinem dreibändigen 
Werke den entsetzlichen Uebergang über die Beresina (26.-28. November 
1812) in den Mittelpunkt, und mrn muß dem Autor das Zeugnis 
geben, daß er ein packendes, farbenreiches, erschütterndes Gemälde von 
dem weltgeschichtlichen Drama entrollt, in welchem das gewaltige 
Eroberungsheer Napoleons völlig aufgelöst wurde. Der Uebermut, die 
Siegesgewißheit der Franzosen in Moskau, ihr Rückzug aus der 
russischen Hauptstadt, die mörderischen Schlachten an der Beresina, der
        
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