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Periodical volume 9. Juli 1898, No. 28

Full text: Der Bär Issue 24.1898

der Mark Kraiidruburg mid der angrenzenden Gebiete. 
Unter Mitwirkung von 
Dr. Gr»»st G. Karde»», Dr. K- Kövi»«g»»ier, profeffor Dr. Krertzrv, Dr. A. Kre»»dtct»e, Tl»eador Fo»»ta»»e, 
Stadtrat ©. Friedet, Rict»ard George, Ferd. Wle»»er, vr. Gg. Kctniiidt, Gynmastaldirektor a. v. Dr. M. Krt»rvart» 
und G. r». Mtldvrrdruct» 
herausgegeben von 
Friedrich Zillessen und Maul Marnckr. 
XXIV. !|Her „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend lind ist durch jede Postanstalt (Nr. 819) Buchhandlung und Zeitungs- |j 9. Juli 
Jahrgang, spedition für 2 Mk. 5,0 Pf. vicrteljährl. zu beziehen. Auch die Geschäftsstelle-Berlin N. 5,8,Schönt,. Allee 14l —nimmt ^ 
M 28. II Bestellungen entgegen. Jnseraten-Aufträge sind an die letztere zu richten. Die viergesp. Petitzeile kostet 40 Pf. || 
Nec soli cedit 
oder 
Der Wevivieöenen Zusturßk. 
itzlstorischkr Roman au^ der Leir deA großen Lursürstcn. 
Von M Fror». 
,26. Fortsetzung.) 
as Osterfest war bereits vorüber, der Apiilmonat neigte 
sich seinem End: zu, und überall sproßte neues 
Leben hervor. Die Obstbäume standen in voller Blüte, und 
in den zartbelaubten Zweigen der Bäume und Sträucher 
sangen die Vögel die Auferstehungshymne der Natur. Auch 
auf dem Master war es wieder lebendig geworden. Die 
Wallgräben waren von den Festeln des Winters befreit, und 
auf der Spree entfaltete sich neuer, reger Handelsverkehr. 
Die Eröffnung der für die Landeshauptstadt bedeutungs 
vollen Schiffahrt hatte die junge, lebensfrohe Kurprinzesfin 
auf einen Gedanken gebracht, von welchem fie sich für sich 
und die ganze Hofgesellschaft viel Vergnügen versprach. Das 
Fest in Liehen sollte ein „Schifferfest" werden. Alle Teil 
nehmer und Geladenen sollten in entsprechenden Kostümen 
— Meergötter, Najaden und Sirenen nicht ausgeschlossen — 
erscheinen. 
Sophie Charlotte las nicht nur mit Begeisterung ihren 
Homer in griechischer Sprache und den lateinischen Horaz. fie 
liebte es auch, sich an der Schönheit der Gegenwart zu er 
freuen und mit den Fröhlichen fröhlich zu sein. Der be 
rühmte Justizrat, Historiograph und Philosoph von Leibniz 
war ihr hierin ganz gleich geartet. Dem reichen Geiste beider 
war ein herzerfreuender Optimismus eigen, der rings um fich 
Frohfinn und Lebenslust verbreitete. 
Es schien, als ob der für die Festlichkeit auserwählte 
Maitag sich denjenigen, die fein Dasein zu verherrlichen ge 
dachten, dankbar erweisen wollle. Vom frühen Morgen an 
wölbte fich ein blauer, wolkenloser Himmel über die beiden 
Städte, und die Luft war warm wie im Sommer, ohne deren 
drückend: Schwüle zu besitzen. 
Zu der Fahrt von Berlin-Cölln nach Liehen, an welcher 
auch die Familie Cheronne und die Geschwister Dercnthal 
teil nehmen sollten, war die nach Spandau führende Wasser- 
straße bestimmt worden. 
Niederländische Treckschuten und offene Spreekähne, 
welche mit Fahnen. Bändern, Tannengrün und Blumen- 
gewinden geschmückt waren, lagen schon in den Vormittags 
stunden an der holländischen Aufzugbrücke der Schleuse bereit, 
um fich von der herzuströmenden Volksmenge bewundern zu 
lassen. 
Sobald nun Pfeifer und Trompeter in roter Herolds 
gewandung am Steuer Aufstellung genommen hatten und 
ihren Festruf hinausschmetterten, da erschienen von allen 
Seiten in ihren bunten Kostümen die vielbeneideien Fest- 
teilnehmer, hier von dem schaulustigen Volke mit Be 
wunderung. dort mit spöttelnder Kritik begrüßt. 
Die Fahrt ging an dem kurfürstlichen Schlosse vorüber. 
Auf dem an der Spreeseite befindlichen Altan zeigte fich der
        
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