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Periodical volume 11. Juni 1898, No. 24

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Renaifsancezeit war meist bei ornamentalem Muster mit 
diesem Stich ausgeführt, ein starker Siielstich oder Gold 
faden bildete die Kontur. Solch ein altes Kissen, in schöner 
glänzender, offener Seide ausgeführt, zeigt uns die erste Ab 
bildung auf Seite 281. Die Konturen des reichen 
Ornaments mit den Tulpen begleitet ein Goldfaden, sodaß 
die weichen Farbentöne des Musters sich von dem gelblich 
weißen Grunde loslösen. Von köstlicher Wirkung ist auch 
„das Monogramm der Jungfrau Maria" (zweite Abbildung 
auf Seite 281), das 
gleichfalls mit^glän- 
zender Seide in" dem 
Renaiffancestich aus 
geführt ist. 
Für die reichen 
Figuren- und Tier- 
stiche wurden neben 
dem Plattstich je 
nach Bedarf die ande- 
ren Techniken ein- 
geschoben. Auch der 
Tambour ier- und 
Kettenstich indisch- 
portugiesischen Ur 
sprungs taucht hier 
auf. Ich sah auf 
einem wunderschönen 
Jagdstück in der Lipper- 
heideschen Sammlung 
einen weiß-schwarzen 
Pudel, dessen Rare 
ein Tierkenner nach 
dieser wunderbar ge 
treuen Wiedergabe 
unfehlbar hätte be 
stimmen können. Ein 
gleichfalls hier vor 
handener Fuchs ist 
heilige, sagenumhauchte Blüte der ideenreichen Völkerwiege, 
darin als stylifiertes Motiv wiederkehren. Die Borte gehört 
zu den reizvollsten und seltensten unter den reichen Schätzen 
der Lipperheideschen Sammlung. 
Mit dem 17. Jahrhundert übernahm das blühende 
Frankreich die Führung im Reiche des Geschmacks. Das 
blutende, 80 Jahre hindurch zerstörte Deutschland, das 
finkende Italien und Spanien ließen es gern geschehen. 
Schon im 15. Jahrhundert erschienen die. von tüchtigen 
Malern heraus 
gegebenen ersten Stick 
musterbücher „welscher 
Art." Dankbar haben 
es späterdie Bewohner 
der genannten Länder 
angenommen, daß 
andere für sie dachten 
und Muster kompo 
nierten; selbst in 
Deutschland wehrte 
man sich nicht da- 
gegen, daß der 
schweren, wuchtigen 
Art des Deutschen 
und seinem feinen 
Sinn für Ornament 
und Formen der 
drückende Stöckelschuh 
französischen Esprits 
angezwängt wurde. 
Mit Ludwig XIV. 
erblüht der Barockstil. 
Der geniale König, 
eigenwillig und pracht 
liebend, bemächtigte 
sich bald des autokra- 
tischen Wortes auch 
auf dem Gebiete der 
Persische Gold- und Areuznaht-Srimerel. 
Indische Goldstickerei deI 17.-18. Jahrhunderts. 
von köstlicher Lebendigkeit. Sehr schön sind die fizilianischen 
und Florentiner Gold- und Silberstickereien auf feinstem 
weißen Leinen, meist als Altardecken oder als Purifikatorien 
für den kirchlichen Gebrauch bestimmt. Auch Regensburg 
weist noch einige Zeugen dieser wunderherrlichen Technik auf. 
Ganz anders ist die Gold-Stickerei des Orients, die uns 
in dem köstlichen Muster, das uns die zweite Abbildung auf 
Seite 280 zeigt, entgegentritt. Auf den lichtblauen Seiden 
grund fügte man goldene Flittern und Kantille. Das schöne 
Muster, hier naturgetreu wiedergegeben, entstand an den 
Ufern des Ganges. Wir sehen die Lotosblume, die alte, 
künstlerischen Handarbeit. Kein Muster durfte ohne seine 
Einwilligung ausgeführt werden, um jede Geschmacklosigkeit 
auszumerzen. Seine Lieblingsfarbe, Blau, dominierte bald. 
Horrend bezahlte Sticker und Zeichner arbeiteten Tag für Tag an 
den Nadelmalereien für seine Bedürfnisse. Wenn von nun ab 
für die Männertracht einfarbige oder schmalgestreifte Stoffe 
gewählt wurden, so daß hier der Bedarf für künstlerische 
Webereien aufhörte, so gestatteten die Reifröcke der Damen 
die kostbarsten, schwersten Blumenmuster. Gestickte Tabliers 
und Verbrämungen wurden beliebt, reiche Ranken nahmen 
feingezeichnete Aquarellmedaillons im Hellenischen-, später
        
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