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Periodical volume 4. Juni 1898, No. 23

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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1519, aber seine drei Söhne wurden „nach Absterben ihres 
Vaters" am 12. August 1515 belehnt) zu Stettin, wo er 
zu St. Otten beerdigt ward. 
Es ist immerhin interessant, wenn eine Persönlichkeit 
mit allerlei sagenhaften Zügen umsleidet wird. Man erzählt: 
„Am Hofe des Herzogs Bogislhv X. von Pommern, der, 
ein Riese von Gestalt, selbst schreckbar trinken und ebenso 
sürchierlich essen konnte, lebte 1490 cin Edelmann. Werner 
v. Schulenburg, der es ihm in beidem noch zuvorthat. Er 
speiste in kurzer Zeit allein einen ganzen gebratenen Ochsen 
auf, aß einen Kessel voll gesottener Fische auf einen Sitz 
aus und leerte dabei ein Faß Wein und zum Schlaftrunk 
sechs Schleifkannen Bier." 
Von seiner Ehefrau Freiin Elisabeth v. Putlitz, -f 8. April 
1515, hinterließ er 3 Söhne und 2 Töchter. Die letzteren 
waren vermählt an Joachim v. Hahn auf Basedow und Joachim 
v. Arnim auf Schönermark. 
Von den Söhnen starb der älteste bald nach dem Vater, der 
zweite, Jakob, war brandenburg. Rat auf Lieberose. Lübbenau rc. 
und hinterließ einen Sohn Georg, welcher 1560 erblos verstarb. 
Werners jüngster Sohn Richard war brandenburgischer Rat 
auf Penkun, Löcknitz, später auch Lieberose. Lübbenau rc. rc. 
Seine Nachkommenschaft starb mit dem Geheimen Rat Heinrich 
Joachim v. d. Schulenburg auf Lieberose 1665 aus. 
Kei den Obdachlosen in Berlin. 
Von Friedrich Bucker. 
Welcher Unterschied zwischen meinen ersten Besuchen bei 
den Obdachlosen in Berlin und meinen letzten! Die ersten 
datieren aus einer lange zurückliegenden Zeit, in welcher ich 
im Aufträge des „Daheim" mit der Kriminalpolizei Gänge 
durch das nächtliche Berlin machte und zum Begleiter den 
Charaktermaler Löffler hatte, der seinen Zeichenstift fleißig 
benutzte. Berlin wies damals schon eine erhebliche Anzahl 
von Wohlfahrtseinrichtungen auf. die Zeugnis davon ablegten, 
daß warmherzige Menschenfreunde unter uns wandeln. Ich 
glaubte sogar, das Menschenmögliche sei in dieser Beziehung 
geleistet, und eine weitere Steigerung nach dieser Seite hin 
scheine kaum noch denkbar. So dachte ich damals, als ich 
allerlei Bilder aus dem Berliner Leben, aus Familie und 
Gesellschaft, aus Gerichtssälen, Verbrccherhöhlen, von der 
Straße, über Berliner Vergnügungsorte, kurz, über alles, was 
Berlin merkwürdig macht und den Berliner selbst interessiert, 
zu schreiben hatte. Mein Erstaunen war nun kein geringes, 
als ich in letzter Zeit die großartige Anlage des neuen 
Männerasyls des Berliner Asyl-Vereins für Obdach 
lose hoch oben im Norden der Reichshauptstadt, in der 
Wiesenstraße, sah. Alle Errungenschaften in Baukunst und 
Hygiene waren hier im Dienste der Menschenliebe verwertet. 
Und die riesigen Hilssmittel. die Bausumme, sowie der 
jährliche Zuschuß von 75 000 Mark, woher kamen diese? 
Nur Eingeweihte wissen es; sie kamen wie die Blätter des 
Baumes, vom Winde getragen, und waren da. Zahlreiche 
Ungenannte spendeten und spenden dem harrenden Volk 
aus ihrer Fülle. Ein Freund, der mich auf dem Gange 
durch das neue Asyl begleitete, äußerte, er möchte wohl dem 
Manne ins Antlitz schauen, der das begründet und von kleinen 
Anfängen alles so hoch emporgehoben habe. Sein Wunsch 
sollte erfüllt werden, denn in dem Konferenzzimmer der Anstalt 
hing gegenüber dem grünen Tisch das Porträt jenes kern 
deutschen Mannes, der mit seinen getreuen ungenannten Hilfs 
genossen alles das begonnen und so herrlich hinausgeführt hatte. 
Ich selbst hatte damals, als ich — lang ist's her — 
einmal der Wissenschaft wegen in dem alten Asyl in der 
Büschingstraße nächtigte, um es gut beschreiben zu. können 
(Nicht-Obdachlose fanden absolut keinen Zutritt, und selbst 
der Kriminalpolizei war der Zutritt zu nächtlicher Zeit aufs 
bestimmteste untersagt), den Begründer des Berliner Asyl- 
Vereins für Obdachlose persönlich kennen gelernt. Aus meiner 
Unterredung mit ihm ist mir noch erinnerlich, daß ich den 
Satz verfocht, mit jedem Armen-Unlerstützungs-Verein (denn 
das sei doch auch offenbar der Berliner Asyl-Verein für 
Obdachlose) solle aufs engste eine Acmen-Beschäfligungs- 
anstalt verbunden sein, so daß nicht, bloß Verpflegung, son 
dern auch Arbeit geboten würde. Nur auf diese Weise seien 
die mit gutem Willen versehenen Subjekte von den Müßig 
gängern zu scheiden, was doch wichtig sei, denn Wohlthaten 
sollten stets nur in rechter Art gespendet werden, und sie 
dürften nicht dazu dienen, Laster und Müßiggang zu fördern. 
Ich erhielt zur Antwort, daß der Asyl-Verein absichtlich 
jeden ziehenden Faden in seiner Hand verschmähe. Eine 
Art Musterung der bei ihm Zufluchlsuchenden, wie sie das 
städtische Asyl vornehme, sei bei ihm ausgeschloffen. Und der 
Asyl-Verein sei fest davon überzeugt, daß gerade dann der 
rechte Segen seiner Wirksamkeit liege. Jedem ohne Unter» 
schieo, gleichviel, wie seine Vergangenheit sei, solle die Wohl 
that der Aufnahme zu teil werden. 
Das waren, wie ich nachher immer deutlicher erkannte, 
goldene Worte. Ihnen entsprechend hat man bei dem neuen 
Asyl auch dafür gesorgt, daß das graue, altersschwache Haupt 
ebenso leicht Zuflucht finden kann, wie die noch robuste Jugend. 
Das war in der Büschingstraße nicht der Fall. Dort sammelten 
sich abends auf offener Straße die Zufluchtsuchenden, aber 
die Kräftigeren und Jüngeren behaupteten sich, wie ich öfter 
beobachtet habe, in den vorderen Reihen. Wenn dann die 
Thore des Asyls geöffnet wurden, um die auf der Straße 
Stehenden einzulassen, so gelangten die Behenderen und 
Stärkeren leichter in den Vorhof. als die Alten und Schwachen. 
Bei dem neuen Asyl in der Wiesenstraße giebt es nun gar 
keine öffentliche Sammelstelle, sondern eine Privatstraße, die 
dem Asyl gehört, führt direkt nach der inneren Sammelhalle. 
Es braucht also keiner mehr draußen in Wind und Wetter 
auszuhalten und sich vorzudrängen, um früher, wie andere, 
ein Obdach zu finden, sondern jeder geht ruhig seinen Gang 
und wird vom Pförtner, bis die Füllzahl erreicht ist, ein 
gelassen. 
In der großen, schönen, gut geheizten und vortrefflich 
ventilierten Sammelhalle mit ihren sauberen Bänken sah ich 
einen weiteren Fortschritt: daß nämlich auf dieser und jener 
Bank ein Asylist auch ein ziemlich vergnügtes Gesicht zeigte, 
vermutlich, weil er sich vor dem Eintritt Beherztheit durch 
einen Schluck Alkohol zugetrunken — das gehörte aber zur 
Staffage des figurenreichen' Bildes, welches die Sammel» 
halle bot. Trotzdem das neue Asyl für die Obdachlosen nur 
Parterre-Räumlichkciten auszuweisen hat — der Anbau mit 
seinen Stockwerken dient den Beamten —, so stellt es doch iw 
diesen behäbigen, umfangreichen Räumen das alte Asyl i>e
        
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