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Periodical volume 8. Januar 1898, No. 2

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Kleine Mitteilungen. 
Eine Weihnachtsgabe Sr. Majestät des Kaisers. Se. Majestät 
der Kaiser hat den ältesten drei Prinzen je einen Säbel auf den Weih 
nachtstisch gelegt. Die Waffen haben künstlerisch ausgeführte Ciselierungen 
am Gesäß, auf dem Stichblatt die Chiffrcs der Prinzen und auf 
dem Knauf das prinzliche Wappen. Die Klingen, Meisterstücke der 
Aetzkunst, tragen auf der einen Seite die Chiffre des Kaisers mit der 
Widmung, auf der anderen Seite einen Spruch. Die Widmung für 
den Kronprinzen lautet: 
Deine Kraft gehört dem Vaterlande! 
Seinem Sohne Wilhelm. Weihnachten 1897, 
Wilhelm Rex. 
Auf der anderen Seite steht der Spruch: 
Vertraue Gott, Dich tapfer wehr, damit besteh' Dein Ruhm und Ehr, 
Denn wer's auf Gott herzhaft gewagt, wird niemals aus dem Feld gejagt. 
Die Widmung für die anderen Prinzen ist die gleiche; der Spruch 
für Prinz Eitel Fritz lautet: 
Furchtlos und treu, 
für Prinz Adalbert: 
Zück' grundlos niemals dieses Schwertes Schneide, 
Und ehrlos kehr' es nie in seine Scheide! 
Die Säbel entstammen sämtlich der Waffenfabrik M. Neumann, 
Hoflieferant hier, Friedrichstraße 95. (B. L. Anz.) 
Zur Ausschmückung der Siegesallee. Die künstlerische Anlage in 
der Siegesallee soll nach den Intentionen des Kaisers einen monumen 
talen Abschluß erhalten. Der Monarch, welcher der Entwickelung der 
einzelnen Gruppen die lebhafteste und eingehendste Aufmerksamkeit zu 
wendet. hat persönlich den Gedanken eines geeigneten Abschlusses angeregt 
und künstlerisch weiter durchdacht. Die 32 Nischen zu beiden Seiten 
werden sich bis zum Ende der Sicgesallec erstrecken, und es ist nun 
geplant, an der Stelle des sogenannten Wrangelbrunnens eine bedeut 
samere und mit den Herrscheistgurcn mehr zusammenhängende Gruppe 
aufzubauen. Prof. Reinhold Begas ist vom Kaiser damit betraut 
worden, eine Skizze herzustellen, und er hat auch dem Kaiser eine solche 
schon vorgelegt. In der Mitte tritt die stolze Figur einer B o r u s s i a hervor, 
die aus dem breit auslaufenden Postamente von zwei Land! knechten 
umgeben ist. Der Wrangelbrunnen soll anderswohin verlegt werden. 
Kronprinz und König. Friedrich Wilhelm IV. von Preußen führte 
mit seiner Gemahlin eine sehr glückliche Ehe, nur luß ihn mitunter sein 
heißes Blut in Zorn geraten. Ein glücklich angebrachtes Wort oder 
eine feine liebenswürdige Wendung vermochte jedoch den König ebenso 
leicht wieder zu versöhnen. Kurz vor Antritt seiner Regierung fragte 
bei einem derartigen An.aß die sanfte Kronprinzessin, ob ihr Gemahl 
nicht von seiner Heftigkeit lassen wolle. 
„Sei unbesorgt! Bin ich einmal König, so werde ich Dir niemals 
mehr Gelegenheit zu dieser Klage geben!" lautete des Kronprinzen 
scherzhafte Entgegnung. 
Die nochmalige Königin Elisabeth hatte nicht vergessen, was ihr 
Gemahl der Kronprinzessin versprochen, und als eines Tages der König 
gegen einen seiner Rate aufbrauste, daß seine Stimme bis ins Neben 
zimmer drang, in welchem Königin Elisabeth zufällig weilte, öffnete die 
geistreiche Frau hastig die Thür, blieb jedoch wie zögernd auf der 
Schwelle stehen, indem sie sagte: 
„Verzeihung für meinen Irrtum! Ich glaubte, den König zu treffen, 
doch gewahre ich soeben, daß nur der Kronprinz anwesend ist." 
Einen Moment stutzte der Monarch, dann schritt er mit liebens 
würdigem Lächeln seiner Gemahlin entgegen, und indem er die Königin 
tiefer in das Zimmer führte, hörte der erstaunte Rat. wie der König 
wieder ganz heiter gelaunt sagte: 
„Du hast ein besseres Gedächtnis als ich, aber der König hat 
Dich veistanden, und er dankt für den zarten Wink!" 
Hierauf wandte sich der Monarch völlig versöhnt zu dem Rat 
und erzählte diesem mit freimütigem Humor, an welche kleine Episode 
Königin Elisabeth soeben ihren Gemahl erinnert habe. —äv— 
Unverheiratete Offiziere. — Unter dem großen Kurfürsten war 
jedem brandenburgischen Offizier und Soldaten die Verheiratung srei- 
llestmt. Friedrich I. beschränkte durch Matrimouialedikte die Ehe 
schließungen der Gemeinen, Unteroffiziere, Fähnriche, Lieutenants und 
Hauptleute. Friedlich der Große verbot den Gemeinen, den Unter- 
ofstzieren und den Subalternosfizicren die Ehe ganz; die Eskadrons 
und Kompagniechcfs sowie die Stabsoffiziere mußten ihn, che sie sich 
.verheirateten, um Erlaubnis angehen, und „Se. Königliche Majestät 
wollten, wann die Parthey ihrem Charakter convenabel und der Offizier 
durch solche Heirat sich helfen könnte, solches zwar nickt abschlagen: 
fedennoch es „Se. Majestät lieber sehen werde, wenn ein Offizier unver- 
heiratet bleiben will." Als das Dragoncrregiment Baireulh 1778 aus 
seiner Garnison Pasewalk ins Feld rückte, waren sämtliche 74 Offiziere, vom 
Generallieutenant von Bülow an bis zum jüngsten Fähnrich, unverheiratet. 
Ebemo waren unvermählt die Feldmarschälle von Möllendorf und Keith, 
die Generallieutenants von Hüben, Ramin, Steinkeller, Wartenberg, die 
„EeralmajorS von Scheelen, Düringshofen. General Rohdig heiratete 
erst 1787 in höherem Alter die verwitwete Frau von Oelsfeld. Dem 
Könige war es gar nicht recht, daß ihm nahestehende Offiziere, wie 
Quintus Jcilius und Seydlitz, sich vermählten Doch trat Friedrich der 
Große zuweilen auch als Ehestiftcr auf. Seinen Flügeladjutanten, Major 
vvu Lentulus, verheiratete er am 17. Januar 1748 mit einer Hofdame 
seiner Gemahlin, der Tochter des verstorbei.cn Ministers und Oberstall- 
mcisters von Schwei in, ebenso den unbemittelten Obersten Friedrich 
Ludwig Fürsten von Hohcnlohe-Jngelfingen mit der reichen Stieftochter 
des Grafen von der Osten, genannt Sacken, der rechten Tochter des 
verstorbenen Grafen Julius Gebhard von Hoym. D. 
Napolon I. und die Bischöfe. Aus der im „Bär" schon erwähnten 
Lecestreschen Sammlung von bisher nicht veröffentlichten Briefen 
Napoleons I. teilen wir hier noch einige Beispiele für das rigorose 
Auftreten desselben gegen die höhere Geistlichkeit mit. Als eine Anzahl 
Kardinäle seiner Hochzeit mit Marie Luise fern blieben, geriet der Despot 
in einen furchtbaren Zorn, und er schrieb gleich am folgenden Tage, 
am 3. April 18:0, au den Kultusminister de Prsamenau: „Mehrere 
Kardinäle haben sich gestern, obgleich sie geladen waren, nicht zu der 
Zeremonie meiner Hochzeit eingefundcn, sie haben sich damit gegen mich 
schwer vergangen. Ich wünsche die Namen dieser Kardinäle zu w sie», 
und wer von ihnen Bistümer in Frankreich, Italien und im Königreich 
Neapel inne hat. Meine Absicht gehl dahin, sie zur Einreichung ihrer 
Entlassung zu bewegen und die Zahlung ihrer Pension zu suspendieren, 
da ich sie nicht mehr als Kardinäle betrachte." Der Vizekönig von 
Italien, Eugene Beauharnais, erhielt zugleich Befehl, den Kardinal 
Oppizoni, der dieser Majestätsbcleidigung gleichfalls schuldig war, vor 
sich zu bescheiden, ihn zum Einreichen seiner Demission als Erzbischof 
von Bologna zu zwingen und ihm „ein so ehrloses Verhalten seinem 
Wohlthäter gegenüber" in schärfster Weise vorzuwerfen. In einem 
Schreiben an de Preamenau vom 5. April 1806 findet sich folgende be 
zeichnende Stelle: „Halten Sie den pflichtvergessenen Kardinalen vor, 
daß sie mit ihrem Verhalten und mit ihren Reden die Absicht bekundet 
haben, so weit cs an ihnen liegt, die Ruhe des Reiche« zu stören, die 
Keime des Bürgerkrieges zu säen und Zwietracht unter den Menschen 
zu erregen, daß es sür sie Zeit ist, sich zu erinnern, daß Se. Majestät 
das Schwert in der Hand hält, um die schlechten Priester und die Staats- 
verräier zu züchtigen, daß Se Majestät sich das Recht vorbehält, über 
ihre Personen zu richten, und daß sie es thun wird, da die Eigenschaft 
als Priester uno Kardinal für hinfällig bei Personen anzusehen ist, die 
von dem Schwert des Gesetzes getroffen wurden." 
Kaufmanns-Examen. In früherer Zeit war es nicht so leicht, Kauf 
mann zu werden wie jetzt. Kaufmann zu sein, ist allerdings jetzt 
schwerer als damals. Wer vor 50 Jahren Kaufmann werden resp. sich 
selbständig machen wollte, mußte die obrigkeitliche Genehmigung nach 
suchen und einen Befähigungsnachweis liefern. Wenn diesen An 
forderungen genügt war, wuroe ihm der Charakter als Kaufmann zu 
gesprochen und ihm eine Bescheinigung ausgestellt, von der wir nach 
folgend eine Kopie veröffentlichen: 
Nachdem der Hanblungsgehülfe Louis Steinfeld, geboren zu 
Rinteln in der Grafschaft Kchaumburg am 21. Mai 1816, die zur 
glaubhaften Buchführung nötigen Kenntnisse und den Besitz des er 
forderlichen Vermögens nachgewiesen hat, auch sonst seiner Aufnahme 
in die hiesige Kaufmannschaft nichts im Wege stehet, so ist diese Auf 
nahme am heutigen Tage geschehen, und wird darüber dem gnannten 
Louis steinfelv gegenwärtige Bescheinigung erteilt, welche von uns, 
den Vorstehern der hiesigen Kaufmannschaft und dem obrigkeitlichen 
Deputierten, ausgefertigt, auch vom kurfürstlichen Ober-Zunft-Amte 
beglaubigt worden ist. 
Geschehen zu Rinteln in Kurhessen 
am 20 Oktober 1847. 
Der obrigkeitliche Deputierte der Kaufmannkchaftr 
Dunker. 
Die Vorsteher der Kaufmannschaft: 
C. Lohmeier. I. H. Kurtz. 
Kurfürstliche» Gber - Zunft - Amt. 
Stirnberg. Schwabe. 
Gebühren: 
Für dieses Formular 
1 Thaler 
— 
Silbergr. — 
Schreibgebühr 
— 
5 
— 
Beglaubigung 
— 
5 
— 
Dem obrigkeitlichen Deputierten. . 
— 
16 
— 
Den Vorstehern 
2 
— 
Zur Rcnterei 
4 
— 
— 
Zur Kasse der Kaufmannschaft . . 
10 
„ 
— 
— 
Zum Kirchcnkasten 
Dem Bürgermeister für die Unter- 
2 
• 
— 
suchung vor der Aufnahme . . 
— 
5 
Dem Jüngsten 
— 
„ 
10 
„ — 
überhaupt 20 Thaler 10 Stlbergr. — Heller
        
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