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Periodical volume 28. Mai 1898, No. 22

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Der Sold wird von Pfingsten zu Pfingsten aus den Ein 
nahmen der genannten Städte gezahlt. — Sofort nach seiner 
Ernennung zum Hauptmann in Garz legte er Hand an die 
Erbauung des Schlosses und die Befestigung der Stadt und 
zwang zur raschen Förderung des Werks Bürger und Um 
wohner zu den Befestigungsarbeiten. Zur Verpflegung und 
Besoldung der Besatzung schrieb er Lebensmittel und Steuern 
aus und unternahm mit seinen 200 Reitern täglich Streife 
reien in die Umgegend. Auch die Bürger von Garz schuf er 
großenteils zu Soldaten um und zwang fie, sein Heer zu 
vergrößern. Des Kurfürsten Bruder Albrecht Achill bestätigte 
ihn nicht allein als Hauptmann von Garz, sondern erweilerte 
noch seinen Wirkungskreis. Die Bürger in Garz empfanden 
die Trennung von ihren bisherigen Landsleuten schmerzlich 
und knüpften öfter zur Befreiung der Stadt Verbindungen 
mit den Pommern an. Werner, nicht unbekannt mit der 
Stimmung der Einwohner, wachte aufs sorgfältigste und 
entdeckte bald die zu ihrer Befreiung mit Stettin verabredeten 
Pläne. Im Falle des Gelingens derselben wäre Kur 
fürst Albrecht selbst in ihre Hände geraten. Dazu kam der 
böse Wille der mittelmärkischen Städte in Ab 
sendung der zur Besatzung von Garz bestimmten 
Mannschaft, weil fie mit dem Kurfürsten wegen 
eines neuen Zolles in Streit lagen. So wurde 
die Lage des Hauptmanns von Tage zu Tage 
mißlicher, aber trotz aller Gefahren und Schwierig 
keiten behauptete er sich. Endlich gelang es 
den Pommern durch eine List, Garz zu er 
obern. Am 20. April 1477 gab nämlich Werner 
einen Kindtaufsschmaus und hatte dazu von dem 
Adel der Umgegend eine Haferlieferung ausge 
schrieben. Hierauf gründete Bartholomäus Binß- 
hawer auf Binsenfeld elnen Plan zur Erobe 
rung der Stadt. Unter dem Vorgeben, daß er 
ein sehr notwendiges Geschäft zu Stettm habe, 
wirkte er sich die Erlaubnis aus, schon früh, 
noch vor Tagesanbruch, am 21. April seinen 
Hafer abliefern zu können. Er teilte seinen Plan so- 
fort dem Herzog Wratislav und den Räten der Städte 
Stettin und Slargard mit und forderte fie auf. eiligst mit 
hinreichender Macht gegen Garz aufzubrechen, damit fie sich 
in der Nacht vom 24. April in der Nähe der Stadt befänden. 
Er bepackte darauf 8 Wagen mit Soldaten, umfutterte fie 
gehöiig mit Stroh und legte Heckselsäcke darüber. Die Fuhr 
leute und die 'Begleitung des Wagentransports waren be- 
panzert. Nach Ueberwindung von mancherlei Schwierigkeiten 
gelang das kühne Wagestück vollkommen. Die Wagen kamen 
in die Stadt. Zu gleicher Zeit waren 10 Oderkähne, mit 
Stetlinern und Stargardern bepackt, angelangt. Diese stiegen 
sofort aus, drangen mit den Wagen in die Stadt und öffneten 
eiligst ein anderes Thor. in dcffen Nähe fich Herzog Bogislav 
bereits befand. Als Werner und seine Gäste aus dem 
Rausch vom vorigen Tage aufgeweckt wurden, war die Stadt 
und selbst das Schloß bereits in der Pommern Hände; kaum 
gewann er Zeit, mit wenig Knechten durch einen geheimen 
Gang, den er zuvor auf solche Gefahr hin hatte anlegen 
lassen, auf das Vierradische Thor zu flüchten. Hier ver 
teidigte er fich noch 4 Tage; am fünften aber wurde er durch 
den Hunger zur Uebergabe gezwungen. Die Pommern 
ließen darauf das Schloß schleifen, befestigten aber dafür die 
ganze Stadt. 
Der Herzog von Stettin Wratislav starb bald darauf 
(1478) erblos, und sein Land ging an Bogislav, den Herzog 
von Wolgast, über. Zwischen ihm und Kurfürst Albrecht von 
Brandenburg kam am 2. Juli 1479 ein Vergleich zu Prenzlau zu 
stände, nach welchem der Kurfürst Löcknitz, Vierraden und 
Bernstein behielt, Garz und Satzig aber dem Herzoge von 
Stettin überließ. Zugleich nahm Bogislav Pommern als Lehn 
von Brandenburg. Endlich wurde die Erbfolge festgestellt. 
Der Vertrag wurde durch ein Ehebündnis zwischen Bogislav 
und des Kurfürsten Friedrichs II. Tochter bestegelt. Durch 
diesen Vergleich, bei welchem Werner als Vermittler beider 
Parteien schon wesentlich mitwirkte, wurden die langen Streitig 
keiten zwischen Pommern und Brandenburg beigelegt. Während 
seiner Gefangenschaft nach dem Ueberfall von Garz hatte er 
fich das unbedingte Vertrauen des Herzogs erworben, so daß 
er von ihm zum ersten Rat angenommen wurde, ohne jedoch 
die Brandenburgischen Dienste verlassen zu müssen. 
Er trat damit in ein sehr schwieriges Verhältnis, und es 
gehörte eine seltene Gewandtheit des Geistes 
und ein hoher Grad von Unparteilichkeit dazu, 
der Vertraute zweier stets in Hader und Zwie 
tracht lebender Fürstenhäuser zu sein. Schon 
daß er fich zur Uebernahme solch mißlicher 
Stellung verstand, beweist sein Bewußtsein der 
dazu erforderlichen Kraft. Die schwierige Auf 
gabe hat er zum Heil und Segen beider Länder 
mit Glück gelöst. 
Gleich nach dem Prenzlauer Vertrage ernannte 
ihn Bogislav 1478 zum Hauptmann im Lande zu 
Stettin, wodurch er nach dem Herzoge die höchste 
Gewalt erhielt; am 26. April 1480 schenkte ihm 
der Herzog Stadt und Schloß Penkun mit dem 
Dorfe Bagmühl, sowie das Dorf Reinickendorf 
bet Stettin; Markgraf Albrecht dagegen er 
nannte ihn zum Hofmeister und schenkte ihm die 
herrliche Besitzung Löcknitz. Auf Werners Veranlassung 
wurde ihm vom Herzog der ihm befreundete Jürgen von 
Kleist als Kanzler znr Seite gestellt. 
Beide Männer entwickelten eine seltene Energie und große 
Thäiigkeit, um nicht bloß den so oft gestörten Frieden zwischen 
Brandenburg und Pommern, ungeachtet der vielfachen Ver 
anlassungen zum Bruche, zum Heil beider Länder zu erhalten, 
sondern auch um die unglaublich zerrüttete» Finanzen Pommerns 
in Ordnung zu bringen und das Land aus der mißlichsten 
Lage zu befreien. Auch bedurfte der Herzog in jeder Hinsicht 
so treuer Freunde, um bei all seinen natürlichen Talenten 
erst zum Herrscher herangebildet zu werden. Er hatte von 
seiner Mutter, die mit ihrem Gemahl Herzog Erich in großem 
Unfrieden gelebt und fich von ihm getrennt hatte, jetzt aber 
zu Rügenwalde wohnte, eine höchst unwürdige Erziehung 
genossen. Sie bekümmerte fich um ihre Kinder gar nicht, 
ließ die Söhne als gemeine Schulknaben in zerrisienen 
Kleidern mit Straßenbuben verkehren und gab ihnen selten 
die nötige Nahrung, so daß die Prinzen bald bei diesrm, 
bald bei jenem ihrer Kameraden den Hunger stillten und in 
der Regel auch des Nachts bei ihnen schliefen. E,m Bauer, 
Hans Lange in Lantzke bei Rügenwalde, sah d«>a in Lumpen 
Wappen des 
Werner von der Klhiilenburg.
        
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