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Periodical volume 14. Mai 1898, No. 20

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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bau denken mußte. Am 7. März 1779, Sonytag Oculi, 
wurde der letzte Gottesdienst in ihr gehalten. Dann wurde 
fie bis auf den Turm abgebrochen, und in der Zeit von 
19 Monaten — der Gottesdienst wurde so lange in der 
Klosterkirche abgehalten — entstand ein den damaligen Be 
dürfnissen entsprechender Neubau. Ein Grundstein wurde von 
der alten Kirche beim Ausgraben der Fundamente nicht ge 
funden; aber auch bei diesem Neubau scheint kein Grundstein 
gelegt worden zu sein. Im Jahre 1826 fand abermals eine Ver 
änderung und teilweise Erneuerung des Kirchengebäudes, nament 
lich des Daches, statt. Der Gottesdienst wurde solange in der 
Parochialkirche abgehalten. Am 1. Januar 1827 konnte die 
neu eingedeckte, wesentlich umgestaltete Kirche wieder in Ge- 
brauch genommen 
werden. Das 
Aeußere der Kirche 
nach dieser Reno 
vierung zeigt uns 
das Bild auf 
Seite 233. 
Das Wachstum 
der zur Kirche ge 
hörigen Gemeinde 
erwies sich übrigens 
auch in der Folge 
zeit als ein so 
starkes, daß im 
Jahre 1854 nicht 
weniger als drei 
neue Gemeinden 
— St. Markus, 
St. Andreas und 
St. Bartholomäus 
— aus ihr ausge 
schieden werden 
mußten. Trotzdem 
blieb die St. Geor 
gengemeinde noch 
immer eine statt 
liche Gemeinde von 
22 000 Seelen. 
In der Umge 
bung der St. Geor 
genkirche hatte sich 
zu dem alten domus leprosorum schon im Jahre 1672 eine 
zweite wohlthätige Stiftung gesellt, nämlich das von der Ge 
mahlin des Großen Kurfürsten. Dorothea, zur Aufnahme für 
erkrankte Fremde gestiftete Hospital, das später in eine An- 
stalt zur Versorgung armer Witwen bürgerlichen Standes um 
gestaltet wurde. Beim Durchbruch der Georgenkirchstraße find 
beide Spitäler verschwunden, um einem Neubau an der ge 
nannten Straße zu weichen. 
Der Platz um die Kirche gewährte bis zum Schluß des 
17. Jahrhunderts einen düstern Anblick. Es wurden auf ihm die 
in dem zuletzt erwähnten Hospital und dem domn8 lepro- 
sorum verstorbenen Personen, ferner die Armenleichen und 
die auf dem Schaffst an der Weber- und Großen Frank- 
furterstraße Hingerichteten begraben. Erst mit dem Jahre 1704 
gestaltete sich das Ganze freundlicher; das alte Pesthaus 
wurde niedergerissen und an seiner Stelle das Georgen- 
Hospital errichtet. Ja ihm fanden 50—60 Hospiialiten 
beiderlei Geschlechts Aufnahme, und es diente so lange diesem 
seinem Zwecke, bis auf Beschluß des Stadtrats die Ver 
einigung der beiden Hospitäler zu St. Georgen und zum 
h. Geist in einem Neubau stattfand. 
Von der ursprünglich völlig mittellosen, im Laufe der 
Jahrhunderte aber überaus wohlhabend gewordenen St. Georgen 
gemeinde ist nun neuerdings — dicht neben der alten Kirche 
— der herrliche Prachtbau ausgeführt worden, über den der 
„Bär" schon in Nr. 9, Seite 106, berichtet hat, und dessen Abbil 
dung auch dort schon den Lesern vorgeführt wurde. Tie auf der 
gegenwärtigen S eite (gleich hier unten) folgende Abbildung gewährt 
uns einen Einblick 
in das Innere der 
neuen Kirche. Das 
selbe ist im ganzen 
recht einfach gehal 
ten, verrät aber doch 
einen feinen künst 
lerischen Geschmack. 
Die Kirche hat nur 
ein sehr breites, von 
einer Empore be 
decktes Seitenschiff, 
wodurch es ermög 
licht wird, daß der 
Geistliche auf der 
Kanzel von allen 
Plätzen aus gesehen 
wird. Im Gegensatz 
zu der sonstigen 
Einfachheit ist der 
Altarraum überaus 
prächtig ausge 
stattet. Der Tri 
umphbogen und 
die Apfis find mit 
Glasmosaiken in 
Hellen Farben, 
unter denen Matt 
blau und Gold vor 
herrschen, bekleidet, 
der Altar, die Kan 
zel und das Taufbecken find weiß mit Mosaik-Ornamenten. Der 
Altar selbst verfinnbildlicht in seinem ornamentalen Schmuck 
den Opfertod Christi. In der Mitte steht man die Einsetzung 
des Abendmahles; zu Füßen des Gekreuzigten fitzen zwei 
symbolische Engelsgestalten, die trauernde und die erhoben auf 
schauende Christenheit. Den Mittelpunkt der Hinteren Chor 
wand nimmt die Statue des auferstandenen Christus ein, ihm 
zu Seiten stehen die Statuen der vier Evangelisten, während 
die Flächen des Altarraumes die Mosaikbilder der Apostel 
zeigen. Nach vorn zu stehen in halber Höhe rechts und links 
Moses und Johannes, der erste und der letzte Prophet. Den 
Triumphbogen des Altarraumes schmücken zwei Gemälde, 
„Liebe" und „Glaube", die Liebe dargestellt durch den barm 
herzigen Samariter, der Glaube durch das kananäische Weib. 
Die Kanzel, die an die rechte Seite des Triumphbogens ge- 
Unnere der neuen St. Georgen-Airche zu Verlin. 
Nach einer Aufnahme von Z a n d e r u. L a b i s ch in Berlin.
        
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