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Periodical volume 7. Mai 1898, No. 19

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Drandrnburgisch-preußische Erinnerungstafel. 
7. Mai. 
1701 Karl Heinr. Graun, Komponist, geb. 
1747 Joh. Seb. Bach bei Friedrich dem Großen. 
1793 Huldigung Danzigs. 
1832 Christ. Gottfr. Schütz, Philolog, ff. 
1866 Cohen-Blinds Attentat auf Bismarck. 
1867 (— 11.) Konferenz in London. 
1874 Deutsches Preßgesetz. 
1880 Gerh. Ad. Wilh. Leonhardt, Minister, f. 
8. Mai. 
1423 Die schwäbischen Reichsstädte zerstören die Hehenzollernburg. 
1763 Verbot des Getreidcwuchers. 
1837 Prinzregent Albrecht von Braunschweig geb. 
1846 Vollendung des Modells zum Denkmal Friedrichs des Großen 
in Berlin. 
1876 Christian Lassen, Orientalist, f. 
9. Mai. 
1688 Der Große Kurfürst f- 
1695 Friedrich III. schenkt seiner Gemahlin das Landhaus Ließen 
(Charlottenburg). 
1795 Das Pädagogium der Berliner Realschule erhält den Namen 
Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. 
1813 Gefecht bei Dannenberg. — Gust. Bläser, Bildhauer, geb. 
1834 Alexander Calandrelli, der Schöpfer des Denkmals Friedrich 
Wilhelms IV., geb. 
1843 Anton von Werner, Maler, geb. 
1844 Ludwig von Borstell, General, -f. 
1850 0— 16.) Deutscher Fürstenkongreß. 
1864 Seegefecht bei Helgoland. 
10. Mai. 
1754 Armus Jak. Carstens, Maler, geb. 
1799 Wilh. Ad. Lette, Staatsmann, geb. 
1811 Die Leiche des Prinzen Louis Ferdinand von Saalfeld nach 
Berlin gebracht. 
1820 Herm. Ebel, keltischer Sprachforscher, geb. 
1825 Reinh. Werner, Contreadmiral, geb. 
1858 Christ. Wilh. Spieker, Theolog und Jugendschriftsteller, f. 
1871 Friede von Frankfurt. 
1876 Dreikanzlerzusammenkuuft in Berlin. 
1886 Teilweise Aufhebung der Maigesetze. 
11. Mai. 
1749 Allgemeines Censuredikt. 
1757 Hcinr. Karl Ludw. von Herault, Ritter von Hautcharmoy, 
General, ff. 
1763 Warkotsch in cffigie auf dem Salzringe von Breslau verurteilt. 
1813 Gefecht bei Grabow. 
1840 Joh Christ. Biernatzki, Theolog und Schriftsteller, f. 
1841 Ernst Possart, Schauspieler, geb. 
1849 Otto Nicolai, Komponist, ff. 
1873 Maigesetze. 
1878 Attentat Hödels auf Wilhelm I. 
1879 Benda (Bernh.) Wolff, Begründer des Wölfischen Telegraphen- 
bureaus, f. 
1885 Ferd Hiller, Komponist, ff. 
12. Mai. 
1809 Ausspruch Schills: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein 
Schrecken ohne Ende." 
1845 Aug. Wilh. von Schlegel ff. 
1867 Ed. Gerhard, Archäolog, f. 
1871 Errichtung des Reichskanzleramts. 
1879 Kaiser Wilhelm wird zum ersten Male Urgroßvater. 
13. Mai. 
1775 Karl Gottl. Guichard (Quintus Jcilius), Vertrauter Friedrichs 
des Großen, f. 
1779 Friede von Teschen. 
1785 Hans Karl Fr. Graf von Diebitsch, russischer Feldmarschall, geb. 
1794 Abreise des Kronprinzen Friedrich Wilhelm in den polnischen 
Feldzug. 
1804 Besuch Schillers bei der Königin Luise. 
1831 Christ. Gottfr. Körner, Schillers Freund, ff. 
1845 Rud. Wagner, Physiolog, f. 
Kleine Mitteilungen 
Die Albrechtsburg zu Meißen. (Mit Abbildung auf Seite 221). 
Unter den Stammburgen des sächsischen Königshauses nimmt die 
Albrechtsburg in Meißen eine hervorragende Stelle ein. Sie ist 
eines der edelsten und großartigsten Profanbauwerke spätgotischen Stils, 
die wir in Deutschland besitzen. Hoch ragt ste «ms steilem Fels über 
die Elbe empor, in drei Thäler schauen ihre Fenster, und vereint mit 
dem benachbarten Dome und den unten am Strome gelegenen Häusern 
ergiebt sie ein Stadtbild von solcher Schönheit, wie man cs in deutschen 
Landen nicht leicht wieder antrifft. Errichtet wurde dieser großartige 
Burgbau von 1471—83 durch den Baumeister Arnold von Westfalen, 
und zwar im Aufträge der Brüder Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht 
von Sachsen (den Begründern der ernestinischen und der albrechlinischen 
Linie). Als nach der Erkaltung der brüderlichen Beziehungen zufolge 
des Teilungsvertrages von Leipzig Albrecht allein Besitzer von Meißen 
wurde, blieb der innere Ausbau des Schlosses liegen. Später verfiel 
das Schloß mehr und mehr, bis es im 17. Jahrhundert von Johann 
Georg II. restauriert wurde und nun den Namen Albrechtsburg 
erhielt. Im Jahre 1710 wurde es der Porzellanmanufaktur eingeräumt; 
anderthalb Jahrhunderte lang hat es dieselbe beherbergt, bis sie im 
Jahre 1860 in das Triebischthal verlegt wurde. Unter dem Könige 
Johann von Sachsen, der ein so warmer Freund und Kenner der Alter 
tümer war, wurde das Schloß dann nicht bloß in allen seinen Teilen 
architektonisch prachtvoll erneuert, sondern es erhielt auch im Innern 
einen reichen Schmuck an Wandbildern, der die Geschichte der Wettiner 
in färben- und gestaltenreichen Schilderungen dem Besucher vor Augen 
führt. Manches an der inneren Ausschmückung — vor allem die Decken 
malereien und die farbigen Standbilder im großen Bankettsaal — 
entspricht nicht dem Ideal geläuterter Kunh; die Albrechtsburg als 
Ganzes aber ist ein Juwel im Kranze der Schlösser König Alberis, ein 
wahrhaft majestätischer Burgbau, den zu sehen wohl eine Reise nach 
Meißen sich verlohnt. — Am 3. September 1896 weilte auch Kaiser 
Wilhelm II. dort, indem »ach der Kaiserparade des 12. Armeekorps die 
übliche Tafel auf der Albrcchtsburg stattfand. Bei dieser Gelegenheit gab 
König Albert seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Kaiser auf der 
alten Sachsenburg erschienen sei. Von ihr aus, sagte er weiter, seien 
seine Vorfahren, so oft dem Reiche Gefahr gedroht und sie gerufen 
worden, stets willig dem Rufe gefolgt, und so werde es auch fürder 
sein. Sachsen werde dem Reiche immer Treue halten und dem Rufe des 
Kaisers stets bereitwillig Folge leisten. 
Die Königsftandbilder im Weißen Saale. (Mit zwei Abbildungen.) 
Bei der Umgestaltung des Weißen Saales im Königlichen Schlosse hat 
man sich an den früheren Schmuck der 12 Fürstengestalten angelehnt, 
L:c nach der Ausführung durch Barth. Eggers auch vorher diesen vor 
nehmen Raum schmückten, nachdem sie bereits im 17. Jahrhundert in 
dem Alabastersaal des Lynarschen Flügels ihren Platz gefunden 
hatten. Doch ist man jetzt von der Kurfürstenzeit zur Königszeit 
vorgeschritten und hat die Herrscher auf dem brandenbnrgisch-preußischen 
Throne von dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm und seinem Sohne, dem 
ersten König, an bis zu Kaiser Friedrich für die Ausführung in Marmor 
bestimmt. Um den Eindruck des Weißen Saales in seiner neuen Ge 
staltung nicht allzusehr zu beeinträchtigen, hat man die Standbilder 
vorläufig nach den überlebensgroßen Modellen der durch den Kaiser 
persönlich berufenen Künstler in den Nischen der Saalwände aufgestellt. 
In dieser Herrschergallerie, die. wie wohl anzunehmen, den Anstoß zu 
der Ausschmückung der Siegesallec mit den Standbildern der sämtlichen 
brandenburgisch - preußischen Regenten gegeben hat, rühren u. a. die 
Figuren Friedrichs I. und Friedrich Wilhelms HI. von Professor Joh. 
Böse und Eberlein her, die hier abgebildeten Figuren Friedrich 
Wilhelmsl. und Friedrich Wilhems II. von Walther Schott 
und Prof. Calandrelli. Auf den persönlichen Wunsch des Kaisers 
zeigen uns diese Standbilder die preußischen Könige nicht, wie cs ge 
wöhnlich der Fall ist, in schon vorgerückterem Lebensalter, sondern in noch 
jugendlicher Kraft und Frische, im besten und schönsten Manncsalter. 
Kaiser Wilhelm I. in Rußland. Einem Vortrage des Konsistorial- 
rats D. Dalton, der lange Jahre in Petersburg lebte, über „per 
sönliche Erinnerungen an Kotier Wilhelm I. in Rußland" 
entnehmen wir folgendes: Als 1873 Kaiser Wilhelm nach Petersburg 
kam, in Begleitung seiner Mitarbeiter Moltke und Bismarck, um' dem 
Kaiser Alexander II. für die entschiedene Neutralität im deutsch-franzö 
sischen Kriege zu danken, war cs ungemein rührend, das schöne Verhältnis 
und den liebenswürdigen Verkehr der beiden Monarchen anzusehen. 
Kaiser Alexander wußte gar nicht genug zu thun, seinen Oheim zu 
feiern und ihm Liebes zu erweisen. Er kam dabei auf den schönen Ge 
danken, dem Kaiser Wilhelm im Winterpalast zu Petersburg die Ge 
mächer gerade so einrichten zu lassen, wie sie im Berliner Palast waren. 
Schon Monate vorher war im Aufträge des russischen Kaisers ein 
Künstler mit der getreuen Aufnahme der ganzen Einrichtung in den 
Kaifirzimmern des Berliner Palastes beschäftigt gewesen, die dann natur 
getreu in Petersburg kopiert wurden, nicht nur in Farben und Tapeten, 
sondern auch in Möbeln und Gebrauchsgegenständen, in Bildern und Kunst 
sachen. Alles, was unserem Kaiser lieb und wert war in seinen Zimmern, 
sollte er wiederfinden. Als er nun kam und vie Petersburger Zimmer 
betrat, stutzte er. Dann war's, als ob ihm Thränen in die Augen 
traten, und er fragte verwundert: „Pin ich denn in Berlin in meinem 
Palast?" Die größte Ueberraschung war aber, als ihm sein alter 
Kammerdiener entgegentrat, der in Berlin für die Tage der Reise um
        
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