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Periodical volume 7. Mai 1898, No. 19

Full text: Der Bär Issue 24.1898

vierte seinem bedrängten Genoffen 'zu Hilfe und schießt dem 
Feldjäger meuchlings von hinten eine Kugel in den Rücken, 
infolgedessen bald nachher der Tod eintrat. Da, wo dies ge 
schah, steht jetzt das einfache Schulze-Denkmal. Der Mörder, 
ein Garnweber, später Rentier Schüler aus Joachimsthal wurde 
mit 25 Jahren Zuchthaus bestraft, da seine Behauptung, das 
Gewehr habe fich gegen seinen Willen entladen, nicht wider 
legt werden konnte, 1870 wurden ihm die bürgerlichen Ehren 
rechte wieder zuerkannt. Ein zerbrochenes Eisenkreuz auf dem 
schlichten Kirchhof zu Grimnitz kündet die Ruhestätte des in der 
Blüte dev Jahre gebrochenen Jünglings. 
Um diese Zeit nahm die Wilddieberei so überhand, daß 
Banden bis zu 12 Mann fich das Wild gegenseitig zutrieben 
und an einem Tage elfmal schossen, ohne daß die Forstbe 
amten mit Erfolg dagegen einschreiten konnten, da fie meist 
schon invalide waren. Um den Jagdschutz zu erhöhen, wurde 
das Personal durch 3 Jagdaufseher vermehrt, auch wurden die 
Försterstellen mit jüngeren Kräften besetzt. Die Wilddieberei 
wurde dadurch in den vierziger Jahren ziemlich in Schranken ge 
halten; abschreckend wirkten auch die Beispiele, denen zwei 
Menschenleben zum Opfer fielen. Ein sich zur Wehr setzender 
Wilddieb von der Holländischen Papiermühle wurde 1844 im 
Jagen 38 vom Hilfsjäger Dau erschossen, ein zweiter 1848 
unweit der Schorfheide im Groß-Schönebecker Revier. Trotzdem 
verschwand der Hang zum verbotenen Jagen nicht völlig. In 
den fünfziger Jahren that fich wieder eine größere Bande zu 
sammen. an deren Spitze ein Schiffer John aus Marienwerder 
stand, welcher abwechselnd sämtliche Reviere der Umgegend 
heimsuchte. Es ist constatiert, daß diese Bande in zwei Fällen 
an einem Tage 6 und 7 Stück Wild geschossen hat. Im 
sogenannten Suppenbruch hatte dieselbe eine förmliche Wild 
niederlage, trotzdem gelang es den Forstbeamten nicht, sie 
unschädlich zu machen. So trieben es diese Wilddiebe mehrere 
Jahre, bis endlich Ausgang der fünfziger Jahre das Haupt 
derselben bei einem Rencontre im Liesenthaler Revier unschäd 
lich gemacht wurde. John wurde verwundet zum Arrest ge 
bracht, wo er nach einiger Zeit verstarb. Noch 1864 bege- 
gnete man den Wilddiebereien der Ortschaften Dölln, Kappe. 
Kurtschlag durch Stationierung mehrerer Hilfsjäger auf dem 
Döllnkruge, welche täglich Wilddiebspatrouillen in den Re 
vieren Grimnitz und Groß-Schönebeck unternehmen mußten. 
Der Forstschutz ist ja ein strengerer geworden und damit 
die Wilddieberei bedeutend eingeschränkt, aber verschwunden 
ist fie nicht. Berüchtigt find noch heute in dieser Beziehung 
bei den Forstbeamten besonders die Dörfer Marienwerder. 
Ruhlsdorf und Zerpenschleuse am oder ganz in der Nähe 
des Ftnowkanalö. 
(Fortsetzung folgt.) 
Karl Wilhelm Kamler. 
Zur Erinnerung an die 100. Wiederkehr seines Todestages. 
(11. April 1798.) 
Von Richard George. 
(Schluß.) 
Horaz war das große Vorbild, dem Ramler nach 
strebte, Horaz, auf den Gleim den Jüngling bereits verwiesen, 
auf den Leffing den reifen Mann aufs neue geführt; ihm 
eiferte der Dichter in seinen Poesien nach, seine Oden suchte 
er in formvollendeter Uebersetzung zu verdeutschen, ihm blieb 
er bis zum letzten Atemzuge treu. Der große römische Lyriker 
war ihm in der Form der Leitstern; mir peinlicher Genauig 
keit und pedantischem Eifer bildete er seine Versmaße nach 
und feilte wieder und wieder an diesen künstlichen Gebilden, 
so daß ein und dasselbe Gedicht in den verschiedenen Aus 
gaben in den verschiedensten Lesarten auftritt. 
Dem Inhalt nach find die Ramlerschen Oden in ihrer Mehr 
zahl, wie die oben mitgeteilten, preußisch - patriotisch. Der 
Dichter besingt nicht allein den großen König, sondern auch 
die übrigen Mitglieder der königlichen Familie. Neben den 
großen Weltbegebenheiten gaben ihm auch unbedeutende Er- 
eigniffe in Berlin die Anregung zu seinen Gedichten, und 
neben dem Granatapfel, der 1749 in Berlin zur Reife ge 
langte und Urania zu so überschwänglichem Lobe begeisterte, 
finden wir die seltsamsten Motive. AIs die Ruffen am 
3. Oktober 1760 „eine Kugel aus einer ungewöhnlichen Ferne" 
bis mitten in Berlin schossen, gab dies Veranlassung zur 
„Ode auf ein Geschütz", in welcher er in dreißig Vers- 
zei en in der Vorstellung schwelgt, „das glühende Eisen und 
das donnernde Feuer" habe ihn in das geheime, von „stygischen 
Gewässern umwundene" Feld Elyfiens befördert, wo Alcäus 
sein Lied beneidet, wo Cäsar. Antonin und Julian fich ihm 
nahen, bis er inne wird. daß Merkur „durch seinen wunder 
vollen Stab den Ball von seinen Schläfen abwandte, der 
ihn ins Reich der Nacht zu schleudern brannte;" 
„Denn stärker soll ich noch die Laute schlagen, 
Wann er durch Weihrauchwolken zeucht. 
Die Kciegesfurie gefesselt an dem Wagen 
Des Ueberwinders keucht; 
Wann er auf einem Throne von Trophäen, 
Rund um fich her der Künste Kranz, 
Und wir im Musentempel seine Siege sehen, 
Versteckt in Spiel und Tanz; 
Wenn er, ein Gott Osic! durch unsere Fluren 
Im seligsten Triumphe fährt. 
Indes der Ueberfluß auf jede seiner Spuren 
Ein ganzes Füllhorn leert." 
So war Ramler der Form nach Horaz, dem Herzen 
nach ein guter Preuße. Neben seinen patriotischen Oden 
finden fich viele, die er als Gelegenheitsgedichte an Freunde 
richtete, daneben auch rein antike Motive, wie das nachstehende 
anakreontische vom Jahre 1767: 
Amynt und Chloe. 
Ich, ich bin's, Chloe! flieh' nicht mit nacketem Fuße. 
Dich stechen Dornen! Flieh' nicht den frommen Amynt! 
Hier ist dein Kranz, dein Gürtel; bade 
Dich ohne Furcht, ich belausche dich nicht. 
Sieh her! ich eise zurück, und hänge den Raub 
An diesen Weidenbaum auf. — Ach! stürze doch nicht! 
Es folgt dir ja kein wilder Satyr, 
- Ä. tn ungezähmter Cyklope dir nach. 
Dich, schlankes, flüchtiges Reh, dich hab' ich erhascht. 
Nun widerstrebe nicht mehr; nimm Gürtel und Kranz, 
Und weihe fie der strengen Göttin, 
An deren ödem Altar du dienst!
        
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