Path:
Periodical volume 30. April 1898, No. 18

Full text: Der Bär Issue 24.1898

214 
So kronenwerter Thaten sahn! wir sterben 
Von Wonne trunken: Friederich 
Bleibt hinter uns; ihr stolzen Enkel sollt ihn erben. 
Triumph! so sag' auch ich, 
Wenn unter lauten, jubelvollen Zungen 
Ein süßer Ton auch mir geriet; 
Triumph! ich hab ein Lied dem Göttlichen gesungen. 
Und ihm gefällt mein Lied. 
Sympathisch berührt in diesen Gedichten Ramlers die 
herzliche und aufrichtige Verehrung, die der Dichter dem 
großen Könige entgegenbrachte, obgleich dieser von seinem 
begeisterten Verehrer und dessen Oden keine Notiz nahm. 
Ramler war stolz darauf, ein Preuße zu sein und Friedrich 
den Großen besingen zu dürfen. Ec fand mit seinen platten 
Gedichten, die uns heule völlig kalt lassen, überraschende 
Anerkennung bei seinen Zeiigenossen. In „Wahrheit und 
Dichtung" urteilt auch Goethe sehr anerkennend über die 
Ramlerschen Poesien: „Alle seine Gedichte sind gehaltvoll, 
beschäfiigen uns mit großen, herzerhebenden Gegenständen 
und behaupten schon dadurch einen unzerstörbaren Wert." 
Der Leser wird dem Goetheschen Urteile nicht beistimmen. 
Für einen modernen Menschen find die Ramlerschen Gedichte 
sehr schwer verdaulich; es wird niemand bei ihrer Lektüre 
einen wirklichen Genuß haben, sie haben für uns lediglich 
ein litterarhistorisches und kulturhistorisches Interesse. Der 
Ballast des mythologischen Beiwerks, die vielen Anspielungen 
auf geschichtlich fern liegende oder mythologische Begeben 
heiten, der große Aufwand griechischer und römischer Gott 
heiten, der Schwulst der römischen Odensprache, die Ramler 
in Form und Ausdruck genau nachzuahmen suchte, alles dies 
umgiebt seine Gedichte wie eine Dornenhecke, die den modernen 
Leser abschreckt; und hinter dieser Dornenhecke blüht nicht der 
Zaubergarten echter, begeisternder Poesie, die das Herz er 
quickt und das Gemüt erhebt. Die Dichtungen Ramlers ent 
behren vielmehr jeder inneren Wärme, jedes dichterischen Ge 
fühls, sie sind ausgeklügelte Verstandesarbeit, hochtönende 
Worte, die auf den Stelzen antiker Versmaße und antiker 
Vorstellungen einherschreiten. (Schluß folgt.) 
Srandenburgisch-preußische Erinnerungstafel 
30. April. 
1415 Vorläufige Belehnung des Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg 
mit Brandenburg. 
1732 Die ersten Salzburger Emigranten in Berlin. 
1760 Gottlob NatbuliuS, Großindustrieller, geb. 
1767 Joh Friedrich Ancillon, Staatsmann, geb. 
1788 Verbot des Pochens, Pfeifens und Zischens im Berliner Theater. 
1790 Wilh. von Willtsen, General, geb. 
1796 Aug. Wilh. Heffter, Jurist, geb. 
1803 Albr. Theod. Emil Graf von Roon, Kriegsminister, geb. 
1819 Herm. Settcgast, Landwirtschaftler, geb. 
V 1884 Wiedererrichtung des preußischen Staatsratcs. 
1889 Ausstellung für Unfalloerbütung in Berlins 
1890 Herm. von Dcchend, Präsident des Reichsbankdirektoriums, f. 
1. Mai. 
1691 Casimir W. von Bonin, General, geb. 
1747 Einweihung von Sans-Souci. 
1767 Errichtung einer Generaltabaksadministration. 
1772 Gottfr. Achenwall, Statistiker, -f. 
1780 Prinzessin Friederike Christine Auguste geb. > 
1809 Gottl. Konr. Pfeffel, Dichter, +. 
1810 Christoph Meiners, Altertumsforscher, -f. 
1818 Hermann von Tresckow, General, geb. 
1833 Theod. Krause, Musikschriftsteller, geb. 
1870 Einführung der Postkarten. 
1871 Demobilisierung des kaiserlichen Hauptquartiers. 
1872 Wiedereröffnung der Universität Straßburg. 
1896 Eröffnung der Berliner Gewerbeausstellung. 
— Fr. Heinr. Geffcken, Jurist, f. 
2. Mai. 
1764 Fr. von Gentz, Politiker, geb. 
1784 Einweihung des Seydlitz-Denkmals in Berlin. 
1802 Heinr. Gust. Magnus, Chemiker, geb. 
1803 Fr. Gerike, Pädagog, +. 
1814 Schlacht bei Gioßgörschen. — Prinz Ferdinand f. — Bülow 
stürmt Halle. 
1848 Wrangel überschreitet die jütische Grenze. 
1849 Prinz Friedrich Wilhelm tritt in die Leibkompanie des 1. Garde- 
Regiments zu Fuß. 
1854 Sulpiz Boisserse, Kunstsammler, f. 
1858 Albr. Graf von Alvensleben, Minister, -f. 
1869 Prinz Wilhelm tritt in oen aktiven Militärdienst. 
1874 Reichsmilitärgesetz. 
3. Mai. 
1631 Zusammenkunst Gustav Adolfs von Schweden mit dem Kurfürsten 
Georg Wilhelm. 
1660 Friede zu Oliva. 
1725 Friedrich der Große wird Hauptmann. 
1774 Heinr. Aug. Freiherr de la Motte-Fouqus, General, +. 
1792 Kronprinz Friedrich Wilhelm erstürmt das Dorf Kostheim. 
1849 Mqx Schneckenburger, Dichter der „Wacht am Rhein", -f. 
4. Mai. 
1741 Einnahme von Brieg. 
1765 Einrichtung des Tabakmonovols. 
1810 Rud. Jordan, Maler, geb. 
1829 Joh Gust. Gottl. Büschmg, Germanist, 's. 
5. Mai. 
1711 Befehl, den Deserteuren Nase und Ohren abzuschneiden. 
1768 Karl Fr. Freiherr von dem Knesebeck, General, geb. 
1777 Joh. Fr. Benzenberg, Astronom, geb. 
1802 Aufhebung der Frondienste in den Domänen. 
1809 Schill von den Franzosen für vogelfrei erklärt. 
1839 Eduard Gans, Jurist, -f. 
1881 Adalb. Kuhn, Sprachforscher, -f. 
6. Mai. 
1631 (—1634) Spandau in den Händen der Schweden. 
1757 Schlacht bei Prag. — Schwerin fällt. 
1781 General von Wolffersdorf f. 
1802 Aug. Wilh. Schirmer, Maler, geb. 
1810 Fr. Aug. Eckstein, Philolog, geb. 
1814 Die Franzosen räumen Wesel. 
1823 Wilh. Benj. Eschke, Maler, geb. 
1859 Alexander von Humboldt f. 
1867 Fr. Ant. Herm. Schlevelbein, Bildhauer, ch. 
1882 Kronprinz Wilhelm geb. 
Kleine Mitteilungen. 
Zum Bölkerschlacht-National-Denkmal bei Leipzig. sMit drei 
Abbildungen). Die Errichtung eines Völkerschlacht-National- 
Denkmals bei Leipzig ist bekanntlich von dem Deutschen Patrioten- 
bund in Leipzig in die Hand genommen. Von dem Vorstand desselben 
wurde im Herbst 1895 ein Wettbewerb zu Entwürfen für dasselbe aus 
geschrieben. Hierbei wurde verlangt: Es soll fein 1. ein christliches 
Denkmal, ein Dankcszeichen für den Allmächtigen; 2. ein un 
vergängliches Ruhmeszeichen für die Helden der Befreiungskriege; 
3. ein Wahrzeichen für die gewaltige Erhebung des Volkes; 
4. die Ausführung soll die Kostensumme von 800 000 Mk. nicht über 
steigen; 5. das Denkmal soll sich auf einem Ehrenhügel von 30 m 
Höhe in wuchtigen Formen, die Umgebung beherrschend, erheben und 
in möglichst eigenartiger Weise den ihm zu Grunde gelegten 
Gedanken zum Ausdruck bringen. Von den zahlreich eingegangenen 
Entwürfen wurden fünf mit den dafür ausgesetzten Preisen gekrönt, 
darunter der des Professors Bruno Schmitz und der des Architekten 
Arnold Hartmann. (Manvergleiche „Bär", Jahrgang 23, Nr. 26. 
Seite 304 und 305, woselbst auch die mit dem ersten und zweiten 
Preise gekrönten Entwürfe im Bilde vorgeführt sind). Gleichwohl 
konnte der Vorstand des Deutschen Patriotenbundes sich nicht entschließen, 
eine der prämiierten Arbeiten zur Ausführung zu bringen. Er hielt 
vielmehr unter den preisgekrönten Künstlern, sowie unter den Verfassern 
der zur engeren Wahl gelangten Entwürfe Umfrage, ob sie bereit seien 
an einem unentgeltlichen engeren Wettbewerb e unter Berücksichtigung 
weiter mitgeteilter Wünsche teilzunehmen. Nachdem fast alle sich hierzu 
bereit erklärt und mehrere der Künstler schon mit der Umarbeitung ihres 
Projektes begonnen hatten, erfolgte unvermutet die Mitteilung von 
seiten des D. P. B„ daß auf die zugesagte Umarbeitung der Entwürfe
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.