Path:
Periodical volume 30. April 1898, No. 18

Full text: Der Bär Issue 24.1898

- 209 - 
erhöht, das erneuerte Edikt vom 24. Januar 1728 bestimmte 
endlich für jedes Ende eines kleinen Gehörns 1 Pfennig, für 
das Ende eines großen Gehörns 2 Pfennige. In dem Hirsch- 
reichen Herzogtum Gotha erhalten jetzt die Waldläufer für 
1 Pfund Stangen 1 Mark. 
Selbstredend wurden nicht alle Stangen und Geweihe 
abgeliefert, ebensowenig wie es heute geschieht, wo Erwachsene 
und Kinder bei ihren Obliegenheiten im Walde ebenfalls 
danach suchen. Bei manchem Insassen der Heide ruhen wohl 
verborgen die Stangen eines starken Hirsches, nach denen der 
Förster umsonst sucht. Es wird dies durchaus nicht für ein 
Unrecht angesehen, gerade so wie der Thüringer sich über den 
Auch heute beherbergt die Heide noch eine Menge Wild. 
Die ganzen Forsten umschließen ungefähr 3000 Hirsche, die 
Schorfheide, der Wald im Südwesten des Werbelltn, in dem 
das Jagdschloß Hubertusstock liegt, auf beschränkterem Raum 
ca. 350 Stück Rotwild, darunter etwa 150 geweihte Hirsche. 
Ganz Europa hat kein Jagdrevier, das sich an Reichtum des 
Bestandes an Hirschen mit der Schorfheide meffen könnte. 
Unter den Hirschen find Prachtexemplare, wenn auch lange nicht 
mehr in dem Maße wie früher, wo im Jahre 1662 ein 38Ender 
erwähnt wird. Derselbe wurde, durch einen andern geforkelt, 
verendet aufgefunden. Den Ort. wo dies geschehen, bezeichnet 
ostwärts vom liefen Bugfin-See ein behauener Granitblock. 
Nöltrersitilartit-National-Denkrnal bei Leipzig. 
Der zur Ausführung angenommene Entwurf von Profeffor Bruno Schmitz. 
Holzdiebstahl wegtäuscht, indem er Holz mit Hol's erklärt. 
So wurden auch früher viele Hirschgeweihe und Stangen von 
Juden und anderen Kaufleuten aus dem Lande geführt 
unter der Vorspiegelung, dieselben seien auf der Frankfurter 
Meffe aus Polen oder von einem jagdberechtigten Adligen 
gekauft'.* Diesem Treiben wurde ein Riegel vorgeschoben, 
indem von den Händlern bei den Zöllen eine Bescheinigung 
vorgezeigt werden mußte, welche angab, wie viel Stangen 
jedesmal und von wem fie gekauft waren. Die Adligen da 
gegen wurden angewiesen, ihre Stangen den Forstbeamlen ab- 
zuliefern, wofür fie für den Zentner 4Thaler, auch wohl 4 Thaler 
12 Groschen erhielten, einen Preis, den fie sonst nicht erzielten. 
Diese Edikte mußten an geeigneten Orten bekannt gemacht, 
in gewissen Zeiträumen auch von den Kanzeln verkündigt werden. 
Heute stehen die stärksten Hirsche am Ostufer des Sees. 
Das Wild des Glambecker Forstes ist an Stärke dasselbe, 
doch ist dieses Revier, seitdem Grimnitz abgezäunt und damit 
der Wildwechsel abgeschnitten ist, ganz zurückgegangen. Das 
Schorfheidenwild kann man als eine besondere Familie be 
zeichnen. denn es ist um ein Drittel leichter als das der 
Umgegend, weil schwächer im Knochenbau. Dies bestätigt 
auch ein Vergleich dieses Wildes mit den Hirschen der Romintner 
Heide in Ostpreußen. Am 28. September 1896 erlegte Se. 
Majestät Kaiser Wilhelm II. daselbst einen kapitalen ungeraden 
20Ender mit 7 und 6 Enden in den Kronen und auffallend 
kurzen Eissprossen. Dieser Kapitalhirsch wog unaufgebrochen 
400 Pfund, aufgebrochen 330 Pfund, das Geweih 17% Pfund. 
Am 5. Oktober desselben Jahres brachte Se. Majestät den
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.