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Periodical volume 8. Januar 1898, No. 2

Full text: Der Bär Issue 24.1898

bringen, als gerade bas Erscheinen des Bruders des deutschen 
Kaisers. Fallen aber muß diese Mauer jetzt; die allen Zöpfe, die 
sich Jahrhunderte lang so fest behauptet haben, müssen endlich 
ins Wackeln gebracht werden. Ein kräftiger Anstoß ist hierzu 
auch jetzt noch erforderlich; der deutsche Kaiser hat sich entschlossen, 
diesen kräftigen Anstoß zu geben. 
Prinz Heinrich von Preußen, der mit der für Deutsch 
land so wichtigen Mission von seinem kaiserlichen Bruder betraut 
worden ist, befindet sich in dem schönsten und kräftigsten 
Mannesalter. Am 14. August 1861 geboren, zählt er jetzt 
35 Jahre. Schon vor seiner Geburt war er von seinen 
: Eltern, den hernachmaligen Kaiser Friedrich III. und seiner 
Gemahlin, für die Marine 
' bestimmt. Zu Anfang der 
: sechziger Jahre hatte nämlich 
; der Prinz von Wales, der 
Bruder der Kaiserin Frie 
drich, weile Reisen unter 
nommen, welche für das 
englische Reich von bedeut 
samen politischen Folgen 
gewesen waren. Dadurch 
war wohl der Wunsch in 
der hohen Frau rege ge 
worden. daß, wenn ihr noch 
ein Sohn beschert würde, 
dieser der Flotte angehören 
möge. Als Prinz Heinrich 
seinen zehnten Geburtstag 
feierte, durfte er zum ersten 
Male die Seemanns-Uniform 
anlegen: Kaiser Wilhelm 
hatte ihn an jenem Tage 
zum Unterltentenant zur 
See ernannt, der erste 
Hohenzoller, der von vorn 
herein sein Leben dem 
Dienste des Neptun weihte. 
Auf diesen Dienst wurde 
auch in der Erziehung ter 
Prinzen Rücksicht genommen. 
Er besuchte das Rcalgyin- 
nasium in Kassel bis zur 
ccunda und wurde 18,7 
Kiel, wohin ihn seine Ei 
ern begleitet hatten, in die 
Marine eingeführt. „Prinz Heinrich von Preußen", so sagte 
amals der Chef der Admiralität. Staatsminister von Stosch, 
,lst das erste Glied unseres hohen Herrscherhauses, welches 
eine militärische Laufbahn in der Marine beginnt. Es ge 
iährt dies das lebendige Zeugnis, daß unser hoher Kciegs- 
err die Marine der fieggekrönten und bewährten Armee 
benbürtig an die Seite zu setzen wünscht, und daß auch wir 
ine starke Waffe für den großen Lauf des Hauses Hohen- 
ollern werden sollen." Der Kronprinz erwiderte bewegt, 
»aß er seinen Sohn mit dem vollen Vertrauen der Marine 
hergebe, daß er zu ihrer Förderung beitragen und den 
uhm, den die Armee stets erworben, im Falle der Gefahr 
uch auf die deutsche Marine überpflanzen helfen werde! — 
Prinz Heinrich von Preußen. 
Im Oktober 1878 verließ Prinz Heinrich auf der Corvette 
„Adalbert" den Kieler Hafen und trat eine zweijährige Reise 
um die Welt an, von der er eist am 19. September 1880 
heimkehrte. Am Tage darauf bestand er die erste See-Offiziers- 
prüfung, besuchte ein Jahr hindurch den wissenschaftlichen 
Kursus der Marineschule und unternahm sodann eine zweite 
große Reise von 1882 bis 1884. Am 22. März 1887, dem 
90. Geburtstage Kaiser Wilhelms I.. verlobte er sich mit seiner 
Koufine, der ebenso anmutigen und liebenswürdigen wie geistig 
hochbegabten Piinzesfin Irene von Hessen und bei Rhein, 
und am 24. Mai 1888 fand die Vermählung statt. Wurde 
bei ihr auch große Pracht entfallet, so lagerte doch auf allen 
Gemütern ein wehmütiges 
Gefühl, weil der kaiserliche 
Vater, der dem jungen Paare 
noch seinen väterlichen Segen 
erteilen wollte, dem Abschluß 
seiner irdischen Laufbahn 
nahe war. Schon am 
15. Juni 1888 schied er 
aus diesem Leben. 
Nach dem Tode Kaiser 
Friedrichs schlug das prinz- 
liche Paar, das sich zunächst 
in Erdmannsdorf nieder 
gelassen hatte, in Kiel seine 
Residenz auf. Das eheliche 
Glück desselben ist durch die 
Geburt zweier Söhne, im 
März 1889 und im No 
vember 1896, vollkommen 
geworden. 
Prinz Heinrich, der im 
Herbst 1895 zum Kontre- 
Admiral ernannt wurde, ist 
mit voller Hingebung See- 
mann. Er gilt als äußerst 
tüchtig in seinem Beruf und 
genießt in den Kreisen der 
Marine-Offiziere wegen 
seines schlichten, biederen 
Wesens die herzlichste Liebe 
und Verehrung. Mit Stolz 
und Vertrauen blickt die 
Marine und nicht minder das 
ganze deutsche Volk auf 
ihn. Möchte ihm auch jetzt glückliche Fahrt beschieden sein, 
und möchte es ihm gelingen, die deutsche Flagge zur Sicherung 
der heimatlichen Interessen an den fernen Küsten Ostasiens 
zur Ehre zu bringen! 
Dem Prinzen Heinrich. 
Dich schickt in ferne Meere 
Des Kaisers Machtgebot. 
Weil seines Volkes Ehre 
Von frevler Hand bedroht. 
Fürwahr, sie ward wohl nimmer 
So fest und treu bewahrt —
        
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