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Periodical volume 16. April 1898, No. 16

Full text: Der Bär Issue 24.1898

der Mark Brandenburg und der angrenzenden Gebiete. 
Unter Mitwirkung von 
Dr. ®rn|l G Davdori, Dr. U. $6rii«tutier. Professor Dr. Kroch vv, Dr. H. Krorrt-trke, ®ljeoi>or 
Stadirai ®. F«trk>ol, Rictrard George, Fort». Morsrr. vr. Wg. Schrnidt, Gymnafialdirektor a. v. Dr. M. Sct>»oort! 
und G. v. Milde»«kwcti 
herausgegeben von 
Friedrich Miessen und Paul Marncke. 
XXIV. Der „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede Postanstalt (Nr. 819) Buchhandlung und Zcitungs- | 
Jahrgang. ! spedition für 2 INI. 50 Pf. vierteljährl. zu beziehen. Auch die Geschäftsstelle — Berlin N. 58,Schönst. Allee 141 —nimmt i 
M 16. j| Bestellungen entgegen. Jnferaten-Aufträge sind an die letztere zu richten. Die vicrgefp. Petitzeile kostet -10 Pf. | 
16. April 
1898. 
Nec soli cedit 
ober 
Wer Vertriebenen Justucht. 
Historischer Nomsn an£ der Leir deA großen Kurfürsten. 
Von M Fre«7. 
(15. Fortsetzung.) 
die sonst so gefeierte Hofdame wie vernichtet 
die Wanv taumelle, auf einen dort befindlichen 
Sessel niedersank und voll Zorn und Scham die so eben 
vernommenen Vorwürfe bei sich erwog, dachte der von ihr 
Hintergangene junge Dichter voll heißen Verlangens an sie. 
Seil dem Tage, da er ihr das Manuskript anvertraut, hatte 
er die Geliebte Nicht wiedergesehen. 
Es mußte ihn schließlich stutzig machen, immer und 
immer wieder von dem Versailler Schloßihore fortgewiesen 
zu werden. Ein Voiwand trägt steis ein durchfichiiges 
Gewand, mag es aus noch so dichtem Stoffe gewebt sein. 
Immer konnte die Hofdame doch nicht zum Dienst bei der 
Dauphine befohlen oder mit derselben ausgefahren sein. 
Auch von der Marquise von Maintenon erhielt er keine 
Aufforderung mehr, seine Gedichte vorzulesen. Einen Brief nach 
dem andern schrieb er an Luison; alle blieben unbeantwortet. 
Trotzdem wurden leise auftauchende Zweifel an der 
Geliebten noch mit Emschiedenheit zurückgewiesen; aber 
bange Ahnungen beschlicken sein Herz. Mit schweren Sorgen 
dachte Alfred an sein Drama. Sollte er auch von ihm nie 
wieder etwas sehen und hören? — 
der Die fortwährende innere Erregung ließ ihn kaum mehr 
von Arbeit kommen. Rastlos eilte er umher. Die träge 
dahinschleichenden Stunden, deren keine ihm eine erfreuliche 
Nachricht brachte, quälten ihn. Und doch reihten fie fich endlos 
aneinander und bildeten Tage, Wochen — Monate. 
Als der Hof nach Fontainebleau übersiedelte, ohne 
daß von der Geliebten ein Lebenszeichen an ihn gelangt war. 
wollte ihm jede Hoffnung entschwinden. An eine Treulosig 
keit Louisons dachte er immer noch nicht; aber die Furcht 
plagte ihn. ihre Gönnerin könne und wolle fie für immer 
von ihm trennen. 
Um dieselbe Zeit schwirrten allerlei böse Gerüchte durch 
die Luft, welche bewirkten, daß fich das in Paris befindliche 
Haustein der Reformierten, gleich einer vom Wolf bedrängten 
Herde, immer enger in seiner Umhegung zusammenschloß. 
Alfred besaß nicht genug Fühlung mit seinen in Paris 
lebenden Glaubensgenossen', um von deren Befürchtungen 
in Mitleidenschaft gezogen zu werken. 8t. Evremont, der 
ihm vielleicht Kunde zugetragen hätte, befand fich wiederum 
auf Reisen. Bei der Wahl seines Umganges hatte er bis 
dahin nur auf den Menschen, nicht auf deffen Glauben 
gesehen. Wer ihm sympathisch war, fand als Gast und 
Freund Aufnahme, gleichviel, welcher Religion oder ob er über 
haupt einer solchen angehörte. Wie so viele hochgebildete 
Menschen, ermangelte Alfred des Segens christlicher Gemeinschaft.
        
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