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Periodical volume 9. April 1898, No. 15

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Die erste geschichtliche Aufzeichnung (vom 21. August 
1446) beim Einzug des Erzbischofs zu Magdeburg, 
Friedrich von Beuglingen, rühmt, „daß von Urzeit- 
gedenken solches geschehen sey. und der Ertzbischoff saß vor oer 
Kirchen zu Sanct Mauricio abe. do drungen die Busen uß 
der Halle mit eynem großen Hausten und mit eynem Banner 
und werthen des Pferdes, und nahmen das. und fürten es 
in die Halle uff die Hollzwerlh und darnach vor den Bier- 
keller und vorsatzten es, das lohnte der Bischoff und gab yn 
vier Rheinische Gulden zu vertrinken." 
Hundert Jahre später (1546), bei der Huldigung des 
Erzbischofs Johann Albrecht, empfing denselben schon ein 
geordneter Zug an den Kleinschmieden und geleitete ihn bis 
zum Rathause. Die Chronik berichtet darüber: 
„Als nämlich der Erzbischof der Gassen von der Gar 
küchen herauff bey der Thurm uff den Markt kommen, haben 
unser Herrn 4 Stadtpfeiffer uffn Gange vom Rathhause herab 
geblasen. und find alle Würker in der Halle erstlich in einer, 
und darnach alle ihre Helffers-Knechte in der anderen Ordnung, 
deren irtzliche jhre Kriegsrüstung, als Schlachtschwert, Helle 
parten und kurtze Degen trugen, damitte fie vor und nach 
den beyden Fehnlein hergezogen, und sich mehrentheils von 
neuem dazu gekleidet, dir andern ihre tegliche Kleidung und 
Rock angehabt mit zween uffgerichteten Fehnlein, so die 
Würker aus mehr denn 160 Ellen roiher, geler, grüner und 
weißer Zindel machen lassen, und mit zwo Trummeln und 
Pfeiffen uffn Markt gestanden, alldar sie den Ertzbischoff ange 
nommen und S. F. Gnaden biß vor die Steinerne Treppe 
auff das Rathhaus begleitet. Und nachdem es vor Zeiten, 
wenn ein neuer Ertzbischoff allhier eingezogen und die Huldi 
gung hat nehmen wollen, ja auch allewig gebräuchlich gewest 
und dermaaßen gehalten worden, daß die Würker und andere 
aus dem Thal des Ertzbischoffs Leibhenzst oder Pferd, drauf 
S. F. Gnaden dazumal zu niten pflegte, wenn er vor das 
Rathhaus kommt und absteiget, alsbald zu sich nehmen, 
einen aus ihrer Mitte verordnen, uff dasselbe setzen, und 
darmit dreymal um den teutschen und andere Salzborne in 
der Halle reiten lassen; so haben die Würker, da S. F. Gnaden 
gefahren kamen, den braunen Hengst mit der schwartzen 
Decken, darauf ein junger Edelmann gesessen, anstatt des 
Ertzbischoffs genommen, einen Halloren, Namens Hanß Froer, 
draufgesetzet und denselben also altem Gebrauch nach mit vor- 
gemelten beiderseits Ordnungen und uffgerichteten Fehnlein 
von dem Markte bei dem Thalhause hinab in das Thal ge 
leitet, und daselbst dreymal lassen um die Salzborne herum 
reiten. Darnach find fie zurückgekehret und. nachdem S. F. G. 
die Huldigung empfangen und zurückgefahren nach dem 
Schloß uff der Moritzburg, find die Würker mit ihren Fehnlein 
uff den Bierkeller gangen, alldar ihre Verehrung, so ihnen der 
Eltzbischoff als nehmlich 20 fl an Müntz, als 16 Thaler und 
1 Centner Karone gethan, verzecht und verzehret und auch ihr 
Fehnlein oben auf dem Tanzboden zum Fenster herausgesteckt." 
Joachim Friedrich, der am 8. Januar 1567 in Halle 
seinen Einzug hielt, stiftete auch ein Gnadengeschenk. Als dabei 
die Salzwürker nach altem Herkommen sein Pferd genommen, 
hat er das übel aufgenommen und gemeint, „es sei ihm ein 
Schimpf geschehen: da ihm aber dessen Ursach berichtet worden, 
hat er es geschehen lasten, und den Salzwürkern 50 Thaler 
geschenkt." 
Das Mißverständnis scheint übrigens dahin geführt zu 
haben, daß das Pferd zum stehenden Gnadengeschenk 
! nach der Huldigung wurde, und selbst im Jahre 1630, als 
Halle von den Kaiserlichen besetzt wurde und der Erzherzog 
Leopold Wilhelm durch die kaiserlichen Kommiffarien Huldigung 
entgegennahm, wurde dem Himmelwagen, in welchem der 
Administrator Johann Reinhardt von Metternich saß, ein Roß 
mit samtium Sattel nachgeführt, „welches der älteste Meister 
im Thal, Thomas Leinke, Meister bei Friedrich Knorren, alsobald 
bestiegen und nach altem Gebrauch über Salzbrunnen geritten." 
Die erste Urkunde von der Schenkung des Pferdes 
und der Fahne ist von Gustav Adolph und befindet sich 
in der Bruderschaftslade. Dieselbe datiert vom 14. Sep 
tember 1631, und beides ist den Halloren auf der Moritz 
burg persönlich übergeben worden. 
Als daher die Stadt am 27. Februar 1632 dem König 
huldigte, unterblieb der Aufzug und die Ausübung vor 
erwähnter alter Sitte. Die Fahne Gustav Adolfs ist das 
von der Schwedenkompagnie bei den Aufzügen getragene 
Banner. 
Von da ab ist das Pferd Eigentum der Halloren. 
— Bei der nächsten im Jahre 1638 stattgehabten Huldigung 
Herzog Augusts von Sachsen heißt es: 
„Hierbey ist zu bedenken, daß sobald S. F. G. vor dem 
Rathause von dem Rosse ist abgestiegen, die Brüder im Thale 
um das Pferd gebetenund da sie solches bekommen, 
dem Herkommen nach behalten und ihren Meister 
Namens Martin Stangen darauf gesetzt und damit über 
die Salzbrunnen gezogen." 
Im Jahre 1681 am 4. Juni hielt der Kurfürst 
Friedrich Wilhelm von Brandenburg (oer große 
Kurfürst) seinen Einzug in Halle. 
„Neben Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht Karosse ward 
dero Leibpferd, mit einer rotsammtnen schön bordierten Decke 
belegt, geführt, auf welchem nach altem Gebrauch, als Seine 
Kurfürstliche Durchlaucht vor dem Rathaus abgesessen, der 
älteste Hallore von einer Corporalschaft Halloren begleitet, 
über die vier Salzbrunnen geritten, und haben Se. Kur 
fürst!. Durchlaucht nachgehend der Thals-Brüderschaft vor 
das Pferd zween goldene Becher. 50 Thaler werth, darinnen 
noch 50 Thaler gelegen, gegeben." 
Damit hat der große Kurfürst das Pferd zurückgekauft. 
Ebenso geschah es bei Anwesenheit des Kurfürsten Friedrich III., 
des nachmaligen ersten Königs von Preußen, bei welcher Ge 
legenheit die Halloren am 2. Pfingstfeiertage ein Stechen 
auf der Saale abhielten und nachher das für das Pferd 
erhaltene Geld im Bierhause vertranken. 
Diese beiden Huldigungen, bei denen es so hoch 
herging, daß auf dem Markte 4 Brunnen aufgestellt waren, 
aus denen weißer und roter Wnn floß, find die letzten für 
Halle gewesen, bei denen der Landesherr persönlich ver- 
treten war. 
Die Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. 
haben Kommissarien gesandt, hinter deren Wagen, in denen 
fie zur Entgegennahme der Huldigung nach dem Rathause 
fuhren, ein Schimmel geführt wurde, welchen der 
älteste Salzwürker „nach geschehener Ansuchung" bestieg und 
um die Salzbrunnen ritt, „welches Pferd ihnen alsdann zum 
Geschenk gelaflen worden."
        
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