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Periodical volume 2. April 1898, No. 14

Full text: Der Bär Issue 24.1898

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Die zweite zur Enthüllung gelangende Gruppe, in der 
chronologischen Reihe die dritte, ist aus der Werkstatt von 
Josef Uphues in Wilmersdorf hervorgegangen. Markgraf 
Otto II. (1184-1205), Ottos I. ältester Sohn, hat als 
eifriger Anhänger der ghibellinischen Sache mit Friedrich 
Barbarossa gegen Heinrich den Löwen, dessen sächsische Herzogs 
würde nach Vollstreckung der Rcichsacht damals auf den 
Askanier Bernhard, OttoS II. Oheim, überging, und dann für 
Philipp von Schwaben gegen den Welfen Ono gestritten, 
was ihm den Zorn des Papstes zugezogen hat. Jnnocenz III. 
hat ihm in einer Bulle von 1200 ein Sündenregister vor- 
gehalten und ihn ermahnt, daß er seine Gattin (Ada von 
Holland) mit ehelicher Zuneigung behandle, die Personen 
geistlichen Standes ehre, von den Turnieren fernbleibe und 
die vom Heidentum zum christlichen Glauben Bekehrten 
anhalte, den heidnischen Gebräuchen zu entsagen. Ein 
Zerwürfnis mit dem Erzbischof von Magdeburg brachte ihn 
gar in den Kirchenbann, und die Magdeburger Schöppen, 
chronik berichtet, daß der Markgraf übermütig der gemeinen 
Rede gedacht habe, wonach von einem Gebannten kein Hund 
ein Stück Fleisch annehme; als er dann seinem Hund einen 
Bissen aus der Schüssel zugeworfen habe, sei der Hund, nach- 
dem er das Fleisch berochen, davongeschlichen, habe es auch 
nicht berührt, als er drei Tage ohne andere Nahrung eingesperrt 
geblieben sei. Solches Zeichen habe den Markgrafen erschüttert, 
und er habe sich mit dem Erzbischof vertragen. Sicher ist, 
daß Otto II. sich 1196 zu dem auffallenden, in seinen 
Beweggründen nicht aufzuklärenden Schritt verstanden hat, 
seine auf dem linken Elbufer gelegenen Erbgüter dem Magde 
burger Erzstist zu Lehen aufzutragen. Otto den Frei 
gebigen nennt ihn ein Chronist. — Uphues hat diesen 
Fürsten als gereiften Mann dargestellt, in sinnender 
Haltung, wie in Zweifel versunken; in der Linken hält 
er das Schwert, auf dem Schwert ruht der rechte Arm, der 
das Haupt stützt. 
Bei den Nebenfiguren fehlt die unmittelbare persönliche 
Beziehung auf den Herrscher, die bei der anderen Gruppe 
vorliegt. Lediglich als Zeitgenossen sind sie, ein Kiiegsmann 
und ein Kleriker, neben Otto II. gestellt. Johann Gans 
erscheint als Vertreter des mörkischen Uradels. Das 
prignitzische Geschlecht der edlen Gänse zu Putlitz leitet nach 
einer alten Namenssage seinen Ursprung auf die Grafen von 
Mansfeld zurück, wird aber vielmehr den nicht eben zahlrnchen 
slavischen Adelsfamilien zuzuzählen sein, die nach der Besitz 
ergreifung der Askanier ihren alten Besitz von der neuen 
Landesherrschaft zu Lehen nahmen; werden doch die Mitglieder 
des Geschlechtes in lateinischen Urkunden bisweilen unter der 
slavischen Bezeichnung Auca aufgeführt, aus welcher der 
Name Gans erst übersetzt ist. Die Gänse nannten sich 
anfänglich bald nach dieser, bald nach jener ihrer Stamm 
burgen. Wittenberge, Perleberg u. s. w., später ausschließlich 
noch ihrem Schlosse Putlitz. Johann Gans, der erste seines 
Namens, der urkundlich nachweisbar ist, begegnet uns in der 
Umgebung OttoS II. im Jahre 1202; er hat den Markgrafen 
um 26 Jahre überlebt und 1230, ein Jahr vor seinem 
Tode, als einen „Weinberg des Herrn" das Nonnenkloster 
Stepnitz oder Marienfließ bei Pritzwalk gegründet, das er 
„außer den Gütern zum zeitlichen Unterhalt" auch mit einer 
Traube des wahrhaftesten Weinstockes beschenkte, d. h. mit 
dem Blut des Erlösers, das Kaiser Otto IV. aus dem heiligen 
Lande mitgebracht hatte und das nach des Kaisers Tode in 
den Besitz unseres Ritters gekommen war. Das Modell des 
Klosters hat der Künstler nach mittelalterlichem Vorgänge 
dem Stifter in den Arm gelegt. 
Heinrich von Antwerpen, die zweite Nebenfigur zu 
dem Standbild. Ottos II., der Prior des Brandenburger 
Domkapitels, istder erste Vertreter märkischer Geschichtsschreibung. 
Unsere älteren Landeschroniken — eine Fürstenchronik uud eine 
Bischofschronik — find in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht auf 
uns gekommen, sondern nur in Ueberarbeitungen oder in 
Auszügen. Im echten Wortlaut erhallen ist nur die aus 
führliche, annähernd gleichzemge Schilderung eines einzelnen 
Ereigniffes, der Wiedereroberung der durch den Slavenfürsten 
Jaczko eingenommenen Veste Brandenburg durch Albrecht den 
Bären im Jahre 1157, und für dieses älteste Denkmal 
brandenburgischer Geschichtsschreibung ist jener Heinrich von 
Antwerpen als Verfasser beglaubigt. Er hat seinen Traktat 
als junger Mann, wahrscheinlich zu Ende des Jahres 1165, 
verfaßt; er tritt in den Urkunden dreißig Jahre später als 
Domherr und wieder nach zwanzig Jahren als Prior des 
Brandenburger Kapitels auf; als solcher wird er noch 1227 
genannt und hat somit unter der Regierung von sechs Mark 
grafen ein sehr hohes Alter erreicht. 
Die Mittelfigur der dritten Gruppe ist Markgraf 
Albrecht II. (1205—1220), der jüngere Stiefbruder Ottos II. 
Unter seiner Regierung ward die alle Richtung der auswärtigen 
Polilik des askanischen Hauses zeitweise verlassen. Nach der 
Ermordung König Philipps durch Otto v. Wittelsbach kam 
es zur Aussöhnung zwischen den alten Gegnern, den As- 
kaniern und Welfen. Der brandenburgische Markgraf und 
sein Oheim, Herzog Bernhard von Sachsen, erkannten das 
Königtum Ottos IV. an und erschienen als seine Gäste in 
Braunschweig zu des Königs Hochzeit mit der Tochter des 
ermordeten Gegenkönigs. Da soll Herzog Bernhard dem 
ehernen Löwen vor der Burg Dankwarderode zugerufen haben: 
„Wie lange steht Dein Rachen gegen Osten aufgesperrt? Dein 
Wunsch ist ja erfüllt, von nun an müsse Dein Gesicht den 
Norden schrecken!" Schon lastete die wachsende Macht des 
Dänenkönigs Waloemar auf den Fürsten des deutschen 
Nordens und ließ sie ihren häuslichen Hader vergessen. 
Albrecht II hat gegen den Dänenkönig und die ihm ver 
bündeten pommerschen Fürsten mit Erfolg Krieg geführt und 
hat vorübergehend Stettin in seiner Hand gehabt; als Grenz- 
feste gegen diese Feinde hat er Oderberg angelegt. Als ein 
rechter Markgraf, ein wachsamer und kampfbereiter Grenzhüter 
tritt er uns in dem Standbild von Johannes Böse entgegen, 
das Schwert in der Hand, wie ausschauend auf den nahenden 
Feind. (Siehe Abbildung auf Seite 161). Die zwei Zeit 
genossen, die neben die Hauptfigur gestellt find, haben einen 
klangvolleren Namen als der Markgraf selbst; sie gehören 
beide, jeder auf seinem Gebiet, zu den bedeutendsten Gestalten 
der damaligen deutschen Geschichte. 
Eike von Repgow, nach dem anhaltischen Dorfe 
Reppichau, dem Sitze seines altadeligen Geschlechtes genannt, 
ist der Verfasser des berühmten Rechtsbuches, das auch in der 
Mark Brandenburg schnell Geltung gewann, des „Sachsen 
spiegels".
        
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