Path:
Periodical volume 26. März 1898, No. 13

Full text: Der Bär Issue 24.1898

der Mark Krmdenburg und der angrenzenden Gebiete. 
Unter Mitwirkung von 
Dp. Ernst G. Knrdeq, vp. N. K^ringnier. Professor vp. Krerstrr, vp. A. Kront-tcKe, Theodor Fontane, 
Stad,rat G. Friedet, Richard George, Ferd. Mener, vp. Gg. Schrnidt, Symnastaldirektor a. v. vp. W Krhn»arh 
und G. n. iW1tde,»t>r>rct> 
beraiisaegebcn von 
Friedrich Zillessrn und Paul Marrrcke. 
XXIV. ! Der „När" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede Postanstalt (Nr. 819) Buchhandlung und Zeitungs- 
Jahrgang. spedition sür 2 Mk. 50 Pf. vicrteljährl. zu beziehen. Auch die Geschäftsstelle —Berlin kt. 58,Schönh. Allee 14-1—nimmt 
M 13. j| Bestellungen entgegen. Inseraten-Anfträge sind an die letztere zu richten. Oie viergesp. Petitzeile kostet ^0 Pf. 
Nec soli cedit 
oder 
Kev Nevivieöenen ÄustuHi. 
26 März 
1898. 
Historischer loman guA der Leit deA großen Aurfürsten. 
Von M. Fren- 
(12. Fortsetzung.) 
Is Alfred in sein Zimmer zurückgekehrt war, entfernte 
er die Spuren der Bewirtung von seinem Schreibtisch 
und begab sich dann mit neuer Begeisterung an seine Arbeit. 
Die Stunden flössen dahin, die Kerzen seines Armleuchters 
brannten herab, der trübe anbrechende Tag sandte sein fahles 
Dämmerlicht in die Mansardenwohnung, und noch immer saß 
Alfred Cheronne mit überwachten, bleichen Zügen an seinem 
Schreibtisch. 
Endlich war der letzte Federstrich gethan. Erleichtert 
almete Alfred Cheronne auf, und dankbar blickte er, nachdem 
er die Handschrift zusammengelegt, nach oben, von wo ihm, 
wie er glaubte, so manche gute Eingebung gekommen war. 
Dann legte er sich auf sein Lager und verfiel in einen festen, 
lraumlosen Schlaf, aus dem er erst gegen Mittag erwachte. 
Eilig kleidete er sich an. um ohne Säumen nach Versailles zu 
fahren. 
Die Marquise von Maintenon nahm nur dem Namen 
nach die Stellung einer Oberhosmeisterin der jungen Dauphine 
seit deren Verheiratung ein. In Wahrheit besaß sie einen 
eigenen Hofstaat mit zahlreichen Edeldamen, der in einem 
Flügel des Versailler Schlaffes untergebracht war. Hier 
herrschte sie gleich einer wirklichen Königin und nahm auch 
von ihrer Umgebung die Huldigungen entgegen, die einer 
solchen gebühren. 
Nach der Frühmesse pflegte sich die Marquise fast täglich 
einige Stunden zu dem Monarchen, über den sie eine unbe 
schränkte Gewalt besaß, zu begeben. 
Dies wußte Alfred Cheronne; ebenso war es ihm bekannt, 
daß die einflußreiche Dame, welche meist in gehobener Siim. 
mung in ihre Gemächer zurückkehrte, während ihrer Abwesen 
heit ihren Fräuleins erlaubte, um Audienz nachsuchende Per 
sonen zu empfangen. 
Der junge Dichter war den Schweizer-Garden schon ge 
nügend bekannt, um alle Wachtposten unaufgehalten passieren 
zu können. 
So durchschritt er das mächtige Portal des Schlosses und 
stieg die breiten, weißen Marmortreppen, deren Stufen und 
mit Goldornamenten geschmückten Geländer mit rotem Samt 
bekleidet waren, empor. 
Eine auffallende, beinahe feierlich zu nennende Stille 
herrschte heute in dem weiten, hallenariig gebauten Vestibül, 
dessen unendlich hoher Plafond unter einer Ueberfülle barocken 
Stückwerkes, auf Goldgrund gemalt, die Freuden des Para- 
dieses herntederschimmern ließ. 
Ueberall. ans Säulenkapitälen wie zur Seite der prunk 
voll verzierten Treppenköpfe zeigten sich pausbackige Engels- 
gestalten, die in goldene Hörner bliesen, als wollten sie den 
Einzug der Seligen verkünden.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.