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Periodical volume 12. März 1898, No. 11

Full text: Der Bär Issue 24.1898

127 - 
befehl des Generallieutenants von Röder in die Gegend von 
Heilbronn zu schicken, wo sich, gegenüber der französischen 
Armee unter dem Marschall von Berwick, das Lager der 
Reichsarmee unter dem Prinzen Eugen befand. 
Das preußische Corps war Mitte Juni 1734 an seinem 
Bestimmungsort eingetroffen. 
Der König selbst beabsichtigte, sich auf den Kriegsschau 
platz zu begeben, nachdem er seinen ältesten Sohn und Thron 
erben. den Kronprinzen Friedrich, vorangeschickt hatte. 
Das Verhältnis des letzteren zu seinem Vater, welches, 
bei der Verschiedenheit ihrer Naturen, früher so wenig 
befriedigend gewesen war und nach jenem bekannten unglück 
lichen Fluchtversuch Friedrichs fast mit einer tragischen 
Katastrophe geendigt hätte, besserte sich beständig, namentlich 
seitdem Friedrich, mehr nach seines Vaters als nach seinem 
eigenen Wunsche, die Prinzessin von Braunschweig-Bevern 
geheiratet und in der Ausbildung seines Regimentes großen 
und erfolgreichen Eifer gezeigt hatte. Wenn früher der König 
geklagt hatte: „Fritz ist ein Ouerpfeifer und Poet und wird 
mir meine ganze Arbeit verderben", so äußerte er jetzt mit 
unter, „man könne gar nicht wissen, was in dem Fritz noch 
alles stecke." 
Der damals zweiundzwanzigjährige Friedrich war un 
endlich glücklich und brannte vor Begierde, den Krieg selbst, 
nicht, wie bisher, nur die Vorbereitung zu demselben — die Auf 
gabe des Soldaten im Frieden — sehen und an ihm teilnehmen 
zu dürfen. So voll Eifer war er, auf den Schauplatz der Er 
eignisse zu gelangen, daß er unmittelbar nach einem ihm zu 
Ehren gegebenen Abschiedsfest bei der Königin im Schlosse 
Monbijou, in der Nacht des dreißigsten Juni, aufbrach und 
nach acht Tagen unablässigen Reifens im preußischen Lager 
bei Wiesenihal, einen Kanonenschuß weit von dem französischen, 
eintraf, begleitet von dem Hauptmann von Boinstädt und 
seinem Freunde, dem damaligen Lieutenant, nachmaligen be 
rühmten General von Winterfeld. Ferner hatte ihm der König 
die Generale Graf von der Schulenburg von der Kavallerie 
und von Kleist von der Infanterie als Beirat zur Seite 
gestellt, während der Oberstlieutenant von Bredow den Reise 
marschall machte und der Oekonomie vorstand. 
Eine sehr bemerkenswerte, höchst ausführliche, das kleinste 
wie das größte — von den Schuhen der Soldaten bis zu 
den strategischen Plänen des Prinzen Eugen — berücksichtigende, 
ganz den praktischen, nichts außer acht lastenden Sinn des 
Königs zeigende Instruktion war dem Prinzen zu eigener 
Nachachtung mitgegeben worden, während den Truppen, welche 
sich in der Ausrüstung, Manneszucht und Tüchtigkeit höchst 
vorteilhaft von den kaiserlichen Kriegsvölkern abhoben, eben 
falls die genauesten Vorschriften erteilt worden waren. 
In dem Hauptquartier des Prinzen Eugen hatte sich 
bereits eine große Anzahl deutscher Fürsten versammelt, so 
die Herzöge von Müritemberg. von Braunschweig und von 
Braunschweig-Bevern. der Landgraf mit dem Erbprinzen von 
Hessen-Darmstadt, der Markgraf von Baden, die Prinzen von 
Oranten, Waldeck, Liechtenstein und andere, welche sämtlich 
große Dinge erwarteten. 
Schon am Tage seiner Ankunft im preußischen Lager, 
am 7. Juli, stellte sich Friedrich dem Prinzen Eugen vor, 
welchem er eine hohe Verehrung entgegenbrachte, übergab ihm 
einen Brief des Königs, seines Vaters, und bat ihn um die 
Erlaubnis, „zusehen zu dürfen, wie ein Held Lorbeeren ein 
sammle." 
Natürlich ließ es der greise Feldherr, den Friedrich sehr 
für sich eingenommen hatte, an einer schmeichelhaften Antwort 
und liebenswürdigen Aufnahme nicht fehlen. 'Er schenkte dem 
Kronprinzen vier Rekruten für das erste Glied und lud ihn 
zur Tafel, wo Friedrichs Toast auf ihn von dem Kanonen 
donner der feindlichen Batterien begleitet wurde. 
(Schluß folgt.) 
Aus dem Grundstein des alten Mehlhauses. 
Von E. Kolbe. 
(Schluß.) 
Die vorgefundenen Münzen und Medaillen waren zum 
größten Teil so dick mit Grünspan überzogen, daß nur das 
folgende festgestellt werden konnte: 
1. Das in der Urkunde unter 1 genannte Thalerstück 
ist 1824 geprägt und noch durchaus kursfähiq. 
2. Das „Drittelstück", „Drei einen R.-Thaler“, zeigt 
den König uach links gewendet, hat auf der Rückseite das 
sogenannte kleine preußische Wappen, darunter Oelzweige, 
und trägt die Jahreszahl 1802. 
3. Das „Sechstelstück" zeigt den König wieder nach 
rechts, ist 1823 geprägt. Umschrift „VI Linen Thäler". . . 
. . . Eine feine Mark" In der Mitte zeigt es das von der 
Kette des Schwarzen Adlerordens umgebene kleinere könig 
liche Wappen. 
Von 4—14 ist wegen der dicken Lage Grünspan nur 
noch wenig zu erkennen. — 
Bester find die 9 Medaillen bezw. Denkmünzen erhalten. 
Die in der Urkunde mit a bezeichneten beiden silbernen 
Medaillen find sogar als sehr schön zu bezeichnen; merkwürdiger 
weise ist die eine vollständig blank geblieben, während die andere 
stark Silberoxyd angesetzt hat; die erstgenannte zeigt auf der einen 
Seite das nach rechts gewandte, mit einem Lorbeerkranz um 
wundene Haupt des Königs Ludwig XVI. von Frankreich; Um 
schrift: „Louis XVI. Roi de Fr. immole par les fac- 
tieux“. Die Rückseite zeigt die trauernde Schutzgöllln Frank 
reichs, welche ihr Haupt auf eine mit „Louis XVI." be- 
zeichnete Urne stützt; ein aus den Wolken herniederfahrender 
Blitz enzündet die auf der Urne ruhende Rolle der Ver 
fassung; Schwert und Jakobinermütze sowie die zu Füßen 
der Urne liegende Krone und das Beil des Henkers deuten 
auf die gewaltsamen Vorgänge des Jahres 1793 hin, 
was auch die Unterschrift bestätigt: „Le XXI. Janvier 
MDCCXCIII." Oberhalb der bildlichen Darstellung stehen 
die bedeutsamen Worte: „Pleurez et vengez le!“ Die 
Medaille, welche die unglückliche Königin Maria Antoinette 
darstellen soll, ist unkenntlich. 
b) Die auf die Huldigung des Königs Friedrich 
Wilhelm III. geprägte Medaille zeigt auf der Bildseite das 
sehr schöne, jugendlich gehaltene Porträt des Königs mit der 
bekannten Umschrift; die Rückseite zeigt auf einem Altar die 
aufgeschlagene Bibel; darüber steht: „Treue, Schutz und 
Liebe!" — Darunter: „Huldigung 1798." 
o) Die von der Stadt Berlin zur Erinnerung an die 
Jahre 1813 -15 und an den Fürsten Blücher geprägte große 
bronzene Denkmünze von etwa 7 cm Durchmesser ist leider
        
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