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Periodical volume 6. Februar 1897, No. 6

Full text: Der Bär Issue 23.1897

Im ganzen find an Reinerträgen seit dem Jahre 1869 
an die Stadlhauptkaffe abgeliefert worden 94657392,22 Mk. 
Durch die Konkurrenz, welche der Jmperial-Kontinental- 
Gas-Assoziation im Jahre 1847 infolge der Anlage der 
städtischen Gaswerke gemacht wurde, sank damals der Preis 
des Gases für die Privatabnehmer sofort auf die Hälfte des 
bisherigen Preises. Er wurde auf 17,7 Pf. für 1 cbm. fest 
gesetzt. Im Jahre 1875 wurde er auf 16 Pf. für 1 cbm. 
erniedrigt. Um einen größeren Absatz an Gas zum Kochen 
und Heizen und für gewerbliche Zwecke zu erzielen, wurde 
vom 1. November 1887 ab für dieses Gas der Preis von 
12,8 Pf. für 1 cbm. festgesetzt. Durch Beschluß der Sladt- 
verordneten-Versammlung wurde vom 1. Juli 1895 ab dieser 
Preis auf 10 Pf. erniedrigt, während es bei dem Gas für 
Leuchtzwecke bet dem Preise von 16 Pf. für 1 cbm verblieb. 
An der Spitze der Deputation der städtischen Gaswerke 
steht gegenwärtig der StadtratNams- 
lau. Außer ihm gehören 11 
Stadträte, Stadtverordnete u. s. w. 
zur Deputation. Von den bei der 
Verwaltung beamtlich thätigen Per 
sonen sind 147 mit Pensions 
berechtigung angestellt. In den 
Gasanstalten werden im Som 
mer ca. 900. im Winter ca. 
1500 Arbeiter beschäftigt; die 
Arbeiter-Kolonnen für das Röhren 
system zählen im Sommer ca. 250, 
im Winter ca. 100 Arbeiter; für 
die öffentliche Beleuchtung find 23 
Schlosser und Arbeiter und 385 
Laternenanzünder, für die Privat- 
beleuchtung 80 Rohrleger und 
Schlosser und 220 Arbeiter thätig. 
Alle diese Zahlen beweisen, was 
für ein großartiges Werk, trotz aller 
Schwierigkeiten, die zu überwäl 
tigen waren, im Lauf von fünfzig 
Jahren aus bescheidenen Anfängen 
hervorgegangen ist. Sie sind ein 
glänzendes Zeugnis für die Tüch 
tigkeit unserer kommunalen Verwal 
tung und verpflichten uns vor allem zu lebhaftem Dank gegen 
die Männer, welche die Einführung der Gasfabrikation als 
städtischen Betriebes mit unbeugsamer Energie vor fünfzig 
Jahren durchgesetzt haben. 
Am 
Von Georg Siegerist. 
Am 1. Januar dieses Jahres haben die Berliner städtischen 
Gas-Anstalten ihr fünfzigjähriges Bestehen gefeiert. Die groß 
artigen Leistungen der städtischen Verwaltung auf diesem Gebiet 
fordern zu einem Vergleich auf. wie es vor 1847 zu nächtlicher 
Stunde in Berlins Straßen ausgesehen hat; allzuviel Licht 
volles wird dabei allerdings nicht herauskommen. 
Während des ganzen Mittelalters und bis tief ins 17. 
Jahrhundert hinein überließ man die Straßenbeleuchtung 
Berlins zur Nachtzeit dem Himmel, d. h. dem Monde; schien 
er. so war es gut, schien er nicht, so mußte es auch gut sein. 
Eine allerdings sehr ursprüngliche künstliche Straßenbeleuchtung 
kannte man nur bei nächtlichem Feuerlärm oder Alarm, wenn 
Feinde die Stadt bedrohten; dann flammten in eisernen Pfannen, 
die zu diesem Zwecke an den Rathäusern Berlins und Köllns 
sowie an den Straßenecken angebracht waren, Kienbündel auf. 
bei deren Schein die Bürger zum Löschen und Reiten zur 
Brandställe eilten oder sich in ihren Quartieren sammelten, 
um den Feind von den Mauern zu weisen, wie z. B. im 
September 1435, als die Johanniter vom Tempelhof die Stadt 
Kölln überfallen wollten und mit blutigen Köpfen abzrehen 
mußten. 
Das Verdienst, eine regelmäßige Straßenbeleuchtung mittelst 
Laternen eingeführt zu haben, gebührt wie so manches andere — 
Anfang der Straßenpflasterung, Entfernung der Kehrichthaufen 
vor den Thüren, Verbot. Schweine in den Straßen umher- 
laufen zu laffen — dem großen Kur 
fürsten. Im Jahre 1679 befahl er. 
daß aus jedem dritten Hause eine 
Laterne mit brennendem Licht heraus 
gehängt werden sollte, und zwar sollten 
die Nachbarn darin abwechseln; 1682 
kamen die ersten Laternen auf Pfählen 
zustande, deren Behandlung in der 
..Ordnung vom Anstecken und Brennen 
derer Lampen in denen dreyen Re 
sidenz^ Städten. als Berlin, Cölln und 
Werder, verfertiget durch Mattheis 
Hasse, Inspektor der Stadlleuchten" 
vorgeschrieben wurde. Die „Stadt- 
leuchten" erfreuten sich des Luxus, von 
zwei Beamten bedient zu werden, 
dem Versorger, der sie mit Docht 
und Oel zu versehen und zu rei 
nigen hatte, und dem Anstecker, der 
ihr Licht leuchten ließ. Für beide 
enthält die Ordnung eine scharfe 
Instruktion; es werden ihnen ge 
naue Anweisungen über ihre Ob 
liegenheiten erteilt und Versäum- 
niffe mit Geldstrafen bedroht. Na 
türlich traten die Laternen nur in 
Thätigkeit, wenn nicht Mondschein im Kalender stand; 
während der Monate Mai, Juni und Juli gab es überhaupt 
keine Beleuchtung. Für jedes Jahr wurde eine „Tabelle der 
Stunden, zu welchen die Lampen in den kurfürstlichen dreien 
Residenzstädten Berlin, Cölln und Werder leuchten, angesteckt 
und ausgelöschet werden solleu" aufgestellt. Zuweilen wurden 
sie erst mitten in der Nacht, sobald der Mond untergegangen 
war, angesteckt, manchmal nach kaum zwei- bis dreistündigem 
Brennen, sobald der Mond aufging oder aufgehen sollte, aus 
gelöscht. Diese Einrichtung begegnete zuerst heftigem Widerspruch 
der Residenzler, sie ließen einen Supplikensturm los und erklärten, 
die Laternen seien viel zu teuer; ihre Anschaffung habe 6000 
Thaler gekostet, die Unterhaltung belaufe sich auf jährlich 
3000 Thaler. Nicolai findet in seiner Beschreibung Berlins 
diese Angaben sehr übertrieben; er führt an, daß 1684 die 
Reinhaltung der Gassen, Feuergerätschaften. Brunnen, Laternen 
rc. zusammen nur 3271 Thaler gekostet habe.
        
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