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Periodical volume 6. Februar 1897, No. 6

Full text: Der Bär Issue 23.1897

in Aussicht gestellt. Einen solchen Entwurf für eine Einrichtung 
mit der Höchstleistung an Gaslieferung für 5140 öffentliche und 
ca. 20000 Privatflammen lieferte der damit beauftragte 
Kommisfionsrat Blochmann aus Dresden. Da dieser Plan 
nach genauer Prüfung weder von seiten der Staatsbehörde 
noch des Polizeipräsidiums Einwendungen erfuhr, auch aber 
malige Unterhandlungen mit der Association keine Einigung 
herbeiführten, so wurde die höhere Genehmigung obigen Planes 
definitiv nachgesuch! und 1844 in dem Sinne erteilt, daß die 
Stadt vom 1. Januar 1847 ab die Beleuchtung mit Gas 
selbst übernehmen dürfe und von da ab auch zur Versorgung 
von Privalpersonen und öffentlichen Gebäuden mit Gas aus 
den durch die Straßen geführten Leitungsröhren berechtigt sein 
solle. Zugeficheri wurde dies Recht, von dem weder das im 
Vertrag der Association gewährleistete Recht, noch dasjenige 
Privater auf selbständige Besorgung ihrer Beleuchtung berührt 
wurde, bis zur völligen Amortisation der zur Beschaffung des 
nötigen Kapitals auszufertigenden Stadt-Obligationen von 
17 2 Millionen Thaler Courant, höchstens aber auf 50 Jahre. 
Aus Wunsch des Königs nochmals angeknüpfte Einigungs- 
Versuche mit der Affociation gab die Stadt wegen ihrer 
dauernden Erfolglosigkeit 1844 definitiv auf. 
Als die Angelegenheit soweit gediehen war. erhoben sich 
nun aber aus der Mitte der Bürgerschaft allerlei Bedenken 
gegen das geplante Unlecnehmen. Man machte u. a. geltend, 
daß, abgesehen von dem verwerflichen Grundsatz der Ueber 
nahme eines kaufmännischen Geschäfts seitens der Stadtver 
waltung, beide Teile durch ihre Konkurrenz sich gegenseitig 
ruinieren würden, daß Millionen ausgegeben und in die Erde 
gegraben würden, um da Gaswerke zu errichten, wo solche 
schon beständen, daß auch ein städtisches industrielles Unter 
nehmen nie so vorteilhaft betrieben werden könne wie ein 
Privatwerk und deshalb eigentlich gar nicht konkurrenzfähig 
sei. Durch alle diese Bedenken ließ sich die städlische Ver- 
waliung nicht abschrecken, und die glänzende Entwicklung des 
städtischen Beleuchtungswesens hat gezeigt, wie unbegründet 
all jene Bedenken waren. 
Rach Aufstellung und Genehmigung der Entwürfe wurde 
sofort mit dem Bau zweier Gasanstalten mit je einer Gas- 
behälterfiliale vorgegangen, und zwar mit einer Gasanstalt 
am Stralauer Platz mH der Gasbehälieifiliale am Koppen 
platz (für den Stadtteil nördlich der Spree) und einer Gas 
anstalt in der Gitschtnerstraße mit der Gasbehälieifiliale 
in der Georgenstraße (für den südlich der Spree gelegenen 
Stadtteil). Die Bauten wurden so gefördert, daß der Betrieb 
in beiden Anstalten vor nunmehr 50 Jahren, am 1. Januar 
1847, mit 2019 öffentlichen Gasflammen und 823 Prioal- 
flammen eröffnet werden konnte. Die rasche Zunahme des 
Gasveibrauchs nötigte bald zum Ausbau der vorhandenen 
Anstalten, zur Erweiterung des Rohrnetzes und schließlich zur 
Anlage einer dritten Gasanstalt auf einem Grundstücke der 
Müllerstraße, die im Dezember 1859 in Betrieb gesetzt 
wurde. Mit dem weiter zunehmenden Verbrauche folgte die 
Erweiterung und der Ausbau der drei vorhandenen Anstalten. 
Beträchtliche Umbauten mußten namentlich in den An 
stalten Gilschiner- und Müllerstraße vorgenommen werden. 
Die Anstalt Gitschtnerstraße erhielt aus einem in der Fichte 
straße an der Hasenhaide belegenen Grundstücke eine Gas 
behälter-Anstalt. welche seit 1876 in Betrieb ist, und für die 
Anstalt Müllerstraße wurden in der Sellerstraße zwei Gas 
behälter erbaut. Der Bau des Stadtbahnhofs Friedrichstraße 
nötigte 1880 zum Abbruch der alten Gasbehälter-Anstalt in 
der Georgenstraße. Im Jahre 1871 wurde der Bau einer 
vierten Gasanstalt in der Danzigerstraße begonnen und 
1874 vollendet. Endlich wurde im Jahre 1889 ein Grund 
stück in Schmargendorf zur Erbauung einer fünften Gas- 
anstalt erworben. Der erste Teil dieser umfangreichen Bauten 
konnte bereits im Oktober 1893 eröffnet werden; die zu dieser 
Anstalt gehörende Gasbehälteranstalt in der Augsburger 
straße wurde im Herbst 1895 dem Betriebe übergeben. Die 
Anstalt in der Danzigerstraße liefert einen Teil des von ihr 
erzeugten Gases mit Kolbenpumpen an die Anstalt Stralauer 
Platz; die Anstalt Schmargendorf giebt durch ähnliche Pumpen 
anlagen die Menge des von ihr erzeugten Gases an die Gas 
behälter in der Augsburgerstraße, von wo es in das Berliner 
Weichbild geleitet wird. 
Die öffentliche Beleuchtung, welche vor 50 Jahren mit 
2000 Gaslaternen und 2000 Brennstunden im Jahre be» 
gonrien hatte, umfaßt jetzt 22 000 Laternenflammen; dazu 
treten noch 934 000 Flammen für die private Beleuchtung. 
Im Jahre 1895/96 wurden von den städtischen Gasanstalten 
im ganzen 110 029 000 cbm Gas abgegeben. Die größte 
tägliche Leistung, zu welcher die drei älteren Anstalten fertig 
ausgebaut sind und welche in der vierten und fünften Anstalt 
ourch ferneren Ausbau erreicht werden soll, beträgt für 
Stralauer Platz 33 000 cbm 
Gitschinerstraße 165 0 0 „ 
Müllerstraße 165 000 ,. 
Danzigerstraße 300 000 „ 
Schmargendorf 350 000 .. 
für 24 Stunden zusammen 1013 000 cbm. 
Außerhalb der Weichbildgrenze werden die Vororte Treptow. 
Stralau, Runimelsburg-Boxhagen. Pankow und Reinickendorf 
und die Irrenanstalt bei Dalldorf von den städtischen Gas 
anstalten mit Gas versorgt. 
Das Zentralmagazin und das Röhrenlager befinden sich 
in der Anstalt am Stralauer Platz. 
Die Länge des Röhreiisystems ist von 182 570 m im 
Jahre 1850 auf 895 182 m im Jahre 1896 angewachsen, 
wobei die Zuleitungen zu den Häusern und Laternen nicht 
mit eingerechnet find. 
Die städtischen Gasanstalten standen bei Beginn des 
lausenden Etatsjahres (einschließlich der Materialien- und 
Kassenbestände) mit 70224014 Mk. zu Buche; hierauf hafieten 
an fremden Kapitalien. Ausgabenresten u. s. w. 24445675 Mk., 
so daß die Gaswerke für die Stadtgemeinde ein Activum von 
45776339 Mk. darstellen. 
Der Reinertrag, welchen die Gaswerke nach Abzug aller 
Zinsen, Amortisationen und Abschreibungen seit dem Jahre 
1868 an die Stadt-Hauptkaffe jährlich ablieferten, betrug 
für das Jahr 1869/70 — 1 138 791 Mk. 
„ „ „ 1874/75 = 1 262 080 
„ „ „ 1879/80 — 3 333 333 .. 
„ „ „ 1884/85 — 4 639 623 „ 
„ „ „ 1889/90 — 6 330 736 „ 
.. „ .. 1894/95 — 3 335 676 .. 
„ „ „ 1895/96 — 3 555 842 „
        
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