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Periodical volume 18. Dezember 1897, No. 51

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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1414 ausstellte. Nach derselben sollte eine Zahlung geleistet 
werden „in der czweyer stete eyn Nuenstad und Eberswalde". 
Das Wappen der Stadt enthält eine Eiche, an deren 
Stamm zwei Eber aufgerichtet stehen, und in deren Krone der 
rote märkische Adler schwebt. __ 
(Mit Abbildung auf Seite 609.) 
Kürzlich besuchte mich ein Thüringer Freund. Er kannte 
die Mark nicht und war, wie die meisten in unserm deutschen 
Vaterland, von der Vorstellung befangen, daß es in der 
Streusandbüchse des heiligen römischen Reichs nichts als Sand 
und Kiefern gebe. Als er nun aber das herrliche Waldidyll 
der Milower Gegend kennen lernte, rief er verwundert und 
entzückt aus: „Ein Stück Thüringen!" 
Ja — ein Stück Thüringen! Nur ohne Thüringens 
mächtige Berge! Aber sonst doch so anziehend, so voll der 
schönsten Reize, so Aug' und Herz erquickend, so labend und 
erfrischend, daß man es in der That nicht begreifen kann, wie 
von den Sommerfrischlern der Reichshauptstadt nicht mehr der 
Göthesche Rat befolgt wird: 
„Warum schweifst Du in die Weite, 
Sieh. das Gme liegt so nah!" 
Der kleine, in so lieblicher Gegend gelegene, jetzt als 
Alt- und Neu-Milow nur ca. 1200 Einwohner zählende Ort 
Milow hat eine Jahrhunderte alte, bewegte und denkwürdige 
Geschichte hinter sich die, wie schon der Name besagt, bis in 
die Wendenzeit zurückreichte. Schon damals war Milow eine 
vielumworbene Grenzveste zwischen Wenden und Sachsen, 
wozu es durch seine natürliche Lage an dem Zusammenfluß 
zweier Flüffe, der Stremme und der Havel, wie geschaffen war. 
Auf zwei Seiten von Wasser, auf den beiden anderen von 
Berg und Wald und sumpfigen Wiesen umgeben, mußte es 
jeder der streitenden Parteien diesseit und jenseit der Havel 
als begehrenswerter Besitz erscheinen. Auch in späterer Zeit 
bildete es demzufolge den beständigen Zankapfel zwischen den 
Märkern einer- und den Magdeburgern andrerseits. Und dies 
umsomehr, als es in jenen Tagen nicht nur eine stark befestigte, 
sondern auch eine gut bevölkerte Stadt war. 
Hat so der Ort selbst eine wechselvolle Geschichte hinter 
sich, so hat auch der Name mancherlei Wandelung durchgemacht. 
Noch in späteren Urkunden wird verschieden geschrieben: 
Myla, Mylow, Mika, Milaw, Milauw. Milow. Die erste 
sichere Urkunde datiert vom Jahre 1144; sie besagt, daß 
Milow damals im Besitz der brandenburgischen Markgrafen 
war. Dagegen bezeugt eine Urkunde vom 31. Dezember 1145, 
daß Kaiser Conrad III. das Befitzrecht über Milow dem Erz. 
bistum Magdeburg bestätigte. Der schlaue und gewandte 
Graf von Stade, Domherr von Magdeburg, scheint dem Erz 
bistum dieses Befitzrecht verschafft zu haben. Ueber die zweite 
Hälfte des 12. Jahrhunderts schweigt die Geschichte. Dagegen 
bestätigt in einer Urkunde vom 28. Dezember 1217 Bischof 
Siegfried dem Brandenburger Domkapitel seine Gerechtsame 
und Besitzungen, zu denen nach dieser Urkunde außer Gentin, 
Plaow, Pntserwe, Ratenowe auch Milow gehörte. In zwei 
ziemlich gleichaltrigen Urkunden wird auch des damaligen 
Pfarrers. Jacobus de Milowe, gedacht, welcher einen Revers 
des Brandenburger Bischofs Gernaud vom 4. April 1225 
und vom 4. Februar 1227 mit unterschrieben bat, aus welchem 
die Zugehörigkeit Milows zu Gernauds Archidiakonatssprengel 
gleichfalls hervorgeht. 
Im Jahre 1267 wird Milow zusammen mit Rathenow 
erwähnt in einer die Bestimmung des Archidiakonatssprengels 
der Domprobstei betreffenden Urkunde. Und zwei Jahre später, 
am 12. April 1269, erhält das Domkapitel für Uebernahme 
von Seelenmessen und Gedächtsnisfeiern vom Castellan Alverich 
das Patronat über die Milower Pfarre und Kirche, welches 
es auch bis in die Zeit der Reformation inne hatte, wo es 
dann auf die Trcsckower überging. Nach einer Copie im alten 
„Copiarto" lautet die Schenkungsurkunde: „blos Alvericus 
dei gratia Castellanus in Milow Omnibus in perpetuum 
parochiam in Milow cum omni iuris integritate et li- 
bertate, que ad nos pertinebant, cathedrali ecclesie in 
Brandenburg dedimus et propter deum renunciantes 
simpliciter omni iuri quoad patronatum ipsius ecclesie 
quod babuimus in eodem.“ (Wir, Alverich, durch Gottes 
Gnade Kastellan in Milow, haben für alle Zeiten mit allen Ge 
rechtsamen und Freiheiten, die uns zustanden, der Domkirche 
in Brandenburg von Gottes wegen die Parochie in Milow 
geschenkt und übertragen und auf jedes Patronatsrecht über 
diese Kirche, welches wir bis dahin inne hatten, verzichtet.) 
Hieraus geht hervor, daß Milow Castell, also durch Wall 
und Graben verschanzt war, und daß dem Kastellan bedeu 
tende Rechte eingeräumt waren. 
Bald darauf müffen wieder Streitigkeiten um den Besitz 
von Milow ausgebrochen sein, denn Anfang 1276 finden 
deswegen Verhandlungen zwischen dem Markgrafen von Branden 
burg und dem Erzbischof von Magdeburg statt, und am 14. Mai 
jenes Jahres unterschreiben erstere einen mit Magdeburg über 
die Havelgrenze zwischen Milow und Rathenow getroffenen 
Vergleich, in welchem Milow ausdrücklich dem Erzbischof zuge 
sprochen wird. Nichtsdestoweniger dauern die Raub- und 
Plünderungszüge von Milow aus und um Milow fort. Im 
Anfange des 14. Jahrhunderts kommt die lang verhaltene 
Feindschaft zwischen dem Erzstift Magdeburg und dem Bistum 
Brandenburg sogar zu offenem Ausbruch. Aber noch einmal 
gelang es, einen modus vivendi dadurch zu schaffen, daß 
den Brandenburgern die kirchliche Gerichtsbarkeit zugesichert 
wurde, während Milow mit allem Land zwischen Havel und 
Elbe im übrigen den Magdeburgern verblieb. Dieses 
Abkommen wurde 1354 durch Ludwig den Römer sanctioniert. 
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts beginnt der Kampf 
um Milow von neuem, und zwar heftiger als je. Der neue 
Erzbischof von Magdeburg. Albrecht von Ouerfurt. haßte die 
Märker. Dazu kam, daß märkische Edelleute, brandenburgische 
Vasallen, Milow besetzten und von da aus sengend und 
plündernd ins Magdeburger Gebiet einfielen. Da brach 
Albrecht mit Roß und Reisigen auf und brannte Milow — 
Schloß und Stadt — nieder, was man damals „auspochen" 
nannte, während die Märker unter Führung der Bredower 
sich aus Plaue warfen, welches sie eroberten und besetzt hielten, 
trotz aller Gegenanstrengungen der Magdeburger. Albrecht 
erkannte bald die strategische Wichligkeit Milows und ließ 
daher in größter Eile Stadt und Schloß wieder aufbauen und 
durch Gräben und Wälle, feste Mauern und Türme befestigen. 
Mit Sorge sahen die Märker diese Zwingburg erstehen, die 
ihnen den Uebergang über die Havel versperrte und ihnen
        
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