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Periodical volume 18. Dezember 1897, No. 51

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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Hand, erkundigte sich nach den Verlusten, auch im Speciellen, 
ob letzterer selbst verwundet sei, worauf dieser erwiderte, er 
habe nur einen flachen Hieb über die Kartusche erhalten, und 
fuhr dann fort: „Aber wollen Ew. Majestät einen blutigen 
Säbel sehen, so hier den des Adjutanten Lieutenant v. Zabel 
titz". zog die Klinge aus der Scheide, und das Aussehen der 
selben, sowie die mit Blut überströmte Uniform veranlaßte 
den König zu dem Ausruf: „Mensch, Sie sehen ja aus wie 
ein Fleischer! Sie find aber ein braver Offizier" und reichte 
ihm gnädig die Hand. Jener hatte einen Kürassier derartig 
quer durchstochen, daß sein Säbel bis über den Korb hinaus 
völlig mit Blut überzogen war, während sein Pferd einen 
Schuß durch die Ohrmuschel erhalten hatte. Durch das 
Schlagen des Pferdes mit dem Kopf, sowie durch den blutigen 
Säbel war er über und über mit Blut bespritzt. 
Aus -er Geschichte -er Sta-t Gverswalde. 
Von Wilhelm Anton Wegener. 
(Schluß.) 
Am Schluß seiner Schilderung schreibt Beling: „Es mag 
hier auch kurz bemerkt werden, daß diese unschuldig ver 
triebenen Glaubensbrüder von der hiesigen Bürgerschaft mit 
vielen Thränen willig und gern auf- und angenommen, aufs 
beste verpflegt und mit dem Nötigen versehen worden find. 
Die Einwohner, welche sich dazu vorbereitet hatten, waren auf 
das äußerste bemüht, sie von anderen zurückzuhalten, um sie 
mit sich nach Hause nehmen zu können. Darüber kam es 
öfter zum heftigen Streit, daß mitunter diese armen Leute 
nicht gewußt haben, an wen sie sich halten sollten, denn der 
eine faßte sie hier, der andere dort bei den Armen, riß sie 
an sich und ging mit ihnen fort. Selbst die römisch-katholischen 
Reiter vom Prinz Friedrichschen Kürassierregiment zu Schwedt, 
welche zu jener Zeit hier in Garnison standen, haben sich 
gegen diese erbarmungswürdigen Leute so freigebig und mild 
thätig erwiesen, daß sie ihnen ihr ganzes erhobenes fünf 
tägiges Traktament als ein williges mitleidiges Geschenk mit 
Thränen haben zufließen lasten und sie in ihrem Unglück 
getröstet." 
Aus der Zeit Friedrichs des Großen ist neben der An 
lage des Finowkanals die Erbauung der Fabrikvorstadt im 
Westen der Stadt besonders erwähnenswert. Am 1. Dezember 
1743 kamen zuerst die Messerschmiede Hilpert und Erbe mit 
ihren Familien hier an und wurden bei den Bürgern ein 
gemietet. Man baute ihnen nun Schleifmühlen, und im 
November und Dezember 1747 erhielt die Stadt durch 
28 Familien von Messerschmieden und anderen Stahl- und 
Eisenarbeitern neuen Zuzug, welche aus Ruhla, einem Sachsen- 
Gotha- und Eijenachschen Flecken, einwanderten. Im Jahre 
1750 hatte sich die Zahl der Fabrikanten auf 235 Seelen 
vermehrt. Im Sommer 1751 fing man dann den Bau der 
Fabrikvorstadt an, welche für die Familien Wohnungen und 
für die Arbeiter Schmicdeessen, dazu aber auch Kontor- und 
Lagerräume enthielt. Der Fleiß der Meister und Gehilfen 
hals lebhaft mit zur Hebung der Industrie und des Verkehrs 
von Eberswalde. Die Fabrikvorstadt bildete eine Straße vor 
dem Neuen Thor, welche nach den späteren Besitzern der 
Fabrik, den Inhabern des Handlungshauses Gebrüder Schickler 
in Berlin, den Namen Schicklerstraße erhielt. Im Jahre 1835 
verkauften die Gebrüder Schickler die Fabrik versteigerungs 
weise in einzelnen Grundstücken, und die Fabrikation von 
Stahl- und Eisenwaren wurde seit jener Zeit in Eberswalde 
geringer, doch waren im Jahre 1841 noch 55 Meister und 
137 Arbeiter in Thätigkeit. Jetzt besteht die Schicklerstraße 
nur aus Wohnhäusern mit oder ohne Läden und aus öffent 
lichen Gebäuden. 
In neuerer Zeit war die Gründung der Forstakademie 
ein wichtiges Ereignis für Eberswalde. Seit Ostern 1821 
bestand in Berlin eine mit der Universität verbundene höhere 
Forstlehranstalt, an welcher der Oberforstrat Pfeil als Lehrer 
der Forstwistenschaft und außerordentlicher Univerfitätsprofestor 
unterrichtete. Pfeils Waldkenntnis, sein anregender Vortrag 
und seine Leistungen auf litterarischem Gebiet übten eine große 
Anziehungskraft aus. Da aber Pfeil wiederholt erklärte, daß 
der unmittelbare Anschluß des Unterrichts an den Wald eine 
Notwendigkeit sei, so kaufte die Forstverwaltung in Eberswalde 
von dem Bankier Schickler ein 1795 erbautes Haus, und nun 
begründete man hier im Jahre 1830 die preußische Forst 
akademie. Am 1. Mai 1830 begannen die Vorlesungen, und 
das Lehrerkollegium bestand aus Pfeil für Forst- und Jagd 
wissenschaft, Ratzeburg für die naturwissenschaftlichen Fächer 
und Schneider für die mathematischen Fächer. Neben dem 
älteren Haus wurde dann 1874 bis 1876 die neue Forst 
akademie in Ziegelsteinrohban nach den Plänen des Geheimen 
Regierungsrats Cornelius und des Bauinspektors Düsterhaupt 
erbaut. Von den drei Direktoren der Forstakademie war Pfeil 
von 1830 bis 1859, Grunert von 1859 bis 1866 und Danckel- 
mann seit 1866 im Amte. Danckelmann verdanken wir ein 
1880 im Verlag von Julius Springer in Berlin erschienenes 
Werk: „Die Forstakademie Eberswalde von 1830 bis 1880." 
Von den 1597 Studierenden, welche von Ostern 1830 bis 
Ostern 1880 die Forstakademie besuchten, waren 1548 aus dem 
Deutschen Reich und 49 aus anderen Ländern: Böhmen, Ungarn. 
Schweiz. Holland, Schweden, Norwegen. Rußland, Schottland, 
Irland, Sardinien und Japan. Von den in dieser Zeit hier 
studierenden 1400 Preußen haben 921 dem Zivilstand, 344 dem 
Feldjägercorps und 135 dem Fußjägercorps angehört. „Die 
Forstakademie Eberswalde" — so schließt Danckelmann seine 
Schrift — „lebt in dem Mittelpunkte der forstwistenschaftlichen 
Bestrebungen unserer Zeit, sie blüht im Walde, sie wächst und 
ist fruchtbar in Lehre und Forschung. Das wird sie auch in 
Zukunft sein, wenn sie unbeirrt durch andere Strömungen fest 
hält an den beiden Grundbegingungen ihrer Wirksamkeit, an 
der Anlehnung an den Wald und an bet durch die Waldwirt 
schaft bestimmten und begrenzten Richtung in Lehre und 
Forschung." 
Der Name der Stadt war anfangs Eberswalde, dann 
Neustadt-Eberswalde und seit 1877 wieder Eberswalde. Der 
Ausdruck „Neustadt", welcher zuerst in einer Urkunde vom 
8. Mai 1307 vorkommt, ist so erklärt worden, daß hiermit 
„die neue Stadt" mit Inbegriff aller ihrer einzelnen Teile, be 
zeichnet sei. Möglicherweise aber ist die Stadt aus zwei 
Dörfern, Eberswalde und Jakobsdorf, entstanden, und dann 
hätte man bei der Erklärung des Doppelnamens Neustadt- 
Eberswalde noch einen anderen Umstand zu berücksichtigen. 
Hierauf scheint eine Stelle in einer Urkunde hinzudeuten, 
welche der Burggraf Friedrich vo i Nürnberg am 24. Januar
        
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