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Periodical volume 30. Januar 1897, No. 5

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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Das ist die Heimat, die mein tiefstes Leben, 
Mein Träumen und mein Dichten mir erschuf; 
Sie hat mir ihren Stempel mitgegeben, 
Und immerdar vernehnff ich ihren Ruf. 
Den Ruf der Sehnsucht und den Ruf der Trauer, — 
Der Trauer um zerfallene Märchenpracht. 
Die Sehnsucht, die in ahnungsvollem Schauer 
Des Zaubers wartet, der verjüngt erwacht. 
Denn auf den Wasiern mit den weißen Blüten, 
Auf weiter EtLne und im tiefen Wald 
Ist überall von Wundern, die verglühten, 
Schwermüt'ge Kunde meinem Ohr erschallt. 
Und ewig rastlos muß ich suchen gehen. — 
Ich lausche auf versunk'ner Glocken Klang, 
Und nichts als Sehnsucht nach dem Auferstehen 
Zerstörter Märchenreiche ist mein Sang. 
— Anna Behnisch. 
Kleine Mitteilungen. 
Denkmalspflege i» der Provinz Brandenburg. Die Provinzial- 
Kommission für die Denkmalspflege in Brandenburg hielt am 19 Dez. 
v. I eine Sitzung ab, in der nach Kenntnisnahme einer amtl chen Ueber 
sicht über die Organisation 
zum Schutz der Denkmäler 
in allen preußischen Pro 
vinzen der Geheime Baurat 
Bluth den Jahresbericht 
über seine Thätigkeit als 
Konservator und über die 
damit zusammenhängenden 
Fragen erstattete. Die Ger 
trud-Kapelle in Soldin, 
ein Backsteinbau des 14. Jahr 
hunderts in guten Verhält 
nissen, befindet sich trotz 
wiederholter Ausbesserung in 
den Jahren 1769, 1822 und 
1852 in einem baufälligen 
Zustande; die früheren Ver 
handlungen über ihre Erhal 
tung, für die bereits ein ge 
wisser Betrag zugesagt wurde, 
sollen von neuem aufgenom 
men werden. Der Schloß 
berg bei Burg, über dessen 
Wert von verschiedenen Ge 
lehrten und Anthropologen 
die günstigsten Gutachten vor 
liegen, ist durch eine neuer 
dings geplante Sekundär 
bahn an seinem westlichen 
Ausläufer gefährdet; nach 
langer Beratung sprach sich 
die Kommission einmütig 
für seine Erhaltung aus 
und empfahl Schritte nach 
dieser Richtung. Der Aus 
bau der Klosterkirche in 
Zinna, für den neuerdings 
durch die Gemeinde 3600 Mk. 
und von Seiner Majestät dem 
Kaiser 5200 Mk. bewilligt 
wurden, kann demnächst in 
Angriff genommen werden. 
Gesichert wurde u. a. der 
Fortbestand der Kapelle der 
Klosterkirche in Königs 
berg, dann ein durch E. 
Friede! gemessener Burg 
wall nahe Kliestow bei 
Trebbin, die Aufnahme figür 
licher Teile in gebranntem Thon am Turmportal der Kirche in Ebers - 
Walde und die vorläufige Erhaltung einer Holzkirche in Burschen 
im Kreise Oststcrnberg. Die Pfarrkirche in Beelitz soll mit einem 
Aukwande von 12000 Mk. zunächst im Aeußern hergestellt werden. 
Weitere Mitteilungen betrafen die Mauern und Thore von Gransee, 
Templin, Mittenwalde und Lychen, für die manches ge 
schehen oder vorbereitet ist; ferner das St. Spiritus-Hospital in 
Wusterhausen und das Berliner Thor in Potsdam. — An Stelle 
d>s verstorbenen Herrn von Meyer-Arnswaldc ist der bisherige Landes- 
Direktor, Wirkliche Geheime Rat Dr. v on Lcvetzow in die Kommission 
eingetreten. 
Das letzt erschienene Bismarckbuch „Schönhausen und die 
Familie v. Bismarck", im Aufträge der Familie herausgegeben von 
Dr. Schmidt, berichtet, wie Otto v. Bismarck als Knabe von Berlin 
aus seine Ferien bei seinem Onkel, dem General-Lieutenant Friedrich 
v. Bismarck auf Templin, zu verbringen pflegte. Es heißt da u. a: 
„Die begeisterten Erzählungen des alten, hochverdienten Soldaten, 
der als junger Offizier noch unter dem großen König in seiner Garde 
gestanden, am Hofe der unvergeßlichen Königin Quadrillen getanzt, und 
die Zeiten von Preußens tiefster Schmach und Erniedrigung, sowie die 
Tage der vaterländischen Erhebung miterlebt hatte, haben gewiß damals 
mäcbtig auf die rege Phantasie des Knaben eingewirkt, die anererbte 
Liebe zum Königshause und zum Vaterland gestärkt und befestigt und 
sein ganzes Denken und 
Empfinden beeinflußt. 
EinzelneStellen aus seinen 
Briefen mögen besondere Er 
wähnung finden. Am 24. 
August 1786 schreibt er: 
„Die Todesart der Königs 
wird Ihnen schon bekannt sein. 
Kurz vorher ließ sich ein 
Geistlicher aus Potsdam bei 
ihm melden, um ihn zu be 
kehren. Als der verstorbene 
Herr sein Anliegen erfuhr, 
hat er voll Zorn gesagt, er 
solle sich zum Henker scheren. 
Bei seinem nahenden Ende 
befahl er, in seiner ältestm 
Montierung beigesetzt zu 
werden. Bei der Beisetzung 
folgte alles ohne Ordnung. 
Aus allen Gesichtern, zumal 
bei den alten Soldaten von 
der Garde, war der tiefste 
Schmerz ausgeprägt, und 
man stellte, da alles noch 
den alten König sehen 
wollte, zur Verhinderung des 
entsetzlichen Zulaufes und 
Tumultes Schildwachen aus. 
Der Sarg von Eichenholz 
ist ganz schlecht gemacht, be 
kommt aber einen schwarzen 
Marmor. Hauptleutc setzten 
ihn in dem Gewölbe der 
Garnisonkirche zu Potsdam 
unter der Kanzel bei, wo kein 
Sarg außer dem Friedrich 
Wilhelms I. sich befindet. Der 
jetzige König hielt auf dem 
Schloßplatz zu Berlin eine 
Anrede an die Generäle, daß 
das Militär den Preußischen 
Staat aufrecht erhielte, und 
daß er den jetzigen guten 
Zustand desselben werde 
zu wahren wissen. Zu 
mal Verbrechen gegen 
die Subordination werde 
er sehr hart bestrafen. Einem 
Kanonier, welcher sich gegen einen Unteroffizier vergangen hatte, schenkte 
er das Leben mit dem Zusatz, daß er der erste und der letzte sei, 
dem solche Gnade widerfahre. Der Mensch, welcher die Enckc heiratete, 
ist mit einem Gehalt von 2000 Rthlr. zum Kämmerer ernannt." 
Im folgenden Jahre schreibt er aus Holland über einen Kupfer 
stich mit einer sechsspännigen Kutsche, wo der Kaiser Vorreiterdienste 
leistet, und der König von Frankreich als Kutscher fungiert, während 
der König von Preußen darin fitzt und die Staaten von Holland 
hintenauf stehen. Dem Zollerheber giebt der König zur Antwort: „Die 
hinten bezahlen alles." — „Wir haben unglaublicherweise fast immer 
mit Kavallerie die Orte eingenommen. Hätten wir nicht einen Feind, 
welcher die festesten Plätze auf unsere Aufforderung hin übergiebt, so 
würden wir statt vor Amsterdam noch vor den Grenzen dieses Landes 
stehen. Am 1. Oktober wurden Meuden, Dicmerdam, Amstclvemr und 
andere Orte, die sich nicht ergeben wollten, angegriffen. Ich war mit 
bei Dicmerdam. Der Ort war so befestigt und mit französischer Artillerie 
so wohl versehen, daß wir nach einem drei Stunden langen Spielen 
unserer Kanonen und Haubitzen unverrichteter Sache abziehen mußten. 
Die Westfälischen Regimenter find lauter brave Kerls, sie gingen auf 
die Batterien los, als wären die Kanonen mit Bonbons geladen 
v. Emil Frommel, 
Hoiprcdiger und Garnisonpfarrcr von Berlin.
        
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