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Periodical volume 11. Dezember 1897, No. 50

Full text: Der Bär Issue 23.1897

Bürgermeister an die Hand gegeben würde, ferner auch die 
Rechnungen gegen jede Versetzung anzufertigen und übrigens 
alles, was ihm von dem Bürgermeister aufgetragen und sonst 
seines Amtes sei, zu verrichten. — 
In der 1648 verfaßten sind im Verlag der Erben des 
Matthäus Merian erschienenen „Beschreibung der vornehmsten 
und bekantisten Städte und Plätz in dem Hochlöblichsten Chur- 
Fürstenthum und March-Brandenburg und dem Hertzogthum 
Pommeren" ist folgende Angabe über die Stadt enthalten: 
„Eberswald, in Chur.Brandenburg, in der Mittel-Mark, in 
dem Ober-Barnimbischen Cräyß gelegen: von welchem Ort 
wir finden, daß er sonsten Neustädt-Eberswalde genennet werde, 
denn zwo Städte beysammen seyen, deren die eine Eberswald, 
darin die Kirch, sampt dem Ralhhauß stehet, die ander aber 
jenseit des Wasiers, die Neustadt genändt werde. Man kann 
von Stetin nach Berlin reisende darauff zukommen, in deme 
man von Stetin auf Gartz, Stendelichen (so auch ein Städt- 
lein), Neu-Angermünd in der Uckermarck, Bernau, und von 
dannen auf Berlin kommet. Andere aber reisen einen anderen 
Weg. Diß ist zu mercken, daß abgedachtes Wasser in den 
Land-Tafeln die Fuhre genandt wird; so zwischen Curin und 
Neustadt lausten thut. Und daher sagt man Neustadt an der 
Fuhre, zum Unterschied Neustadt an der Dorfe, nahend Havel- 
berg, auch in der Marck gelegen." Fuhre ist ein älterer Name 
für Finow. 
Wertvoller als diese kleine Notiz ist das von Kaspar 
Merian gezeichnete und in dem Werk enthaltene Bild der 
Stadt. Da liegt das alle Eberswalde vor uns, vom Rosen 
berg aus gesehen, dem Terrain der jetzigen Landirrenanstalt 
der Provinz Brandenburg. Im Vordergrund, an den Höhen 
aufsteigend, Kiefernwald mit Laubbäumen, hier und da ein 
abgebrochener oder umgestürzter Stamm, und dazwischen ein 
Mann mit großem Schlapphut in der Tracht jener Zeit, eine 
beladene Schubkarre vor fich herschiebend, dahinter die Felder 
mit pflügenden Ackersleuten; auf dem Oderberger Weg von 
der Stadt im Trab herkommend ein Reiter. Der Weg selbst 
verfolgt, gleich hinter der Georgskapelle abbiegend, die jetzige 
Oderbergerstraße, die Kapelle aber hat einen hohen spitzzu 
gehenden Turm und neben fich nach der Stadt zu das mit 
dem Giebel an der Straße stehende Hospitalgebäude. Dort 
fließt auch die Finow, an welcher, der Stadt gegenüber, ein 
gehegte Hopfen- und Obstgärten sichtbar find. Die Finow 
brücke ist ein einfacher breiter Steg, ebenso die folgende 
Schwärzbrücke, und dazwischen weder Haus noch Hütte. Dann 
folgt auf der von den beiden Schwärzearmen gebildeten Insel 
in der Mitte der Straße das Außenthor des Unterthors, ein 
gefälliger Bau, unten mit einer Durchfahrt, unv über dem 
etwas schlankeren Obergeschoß einen Zinnenkranz mit hohem, 
spitzem Dach tragend. Zu beiden Seiten des Thors nimmt 
man die Mühlengebäude wahr, links auch mehrere überein- 
anderliegende Stämme, Kien- oder andere Blöcke, welche aus 
einandergesägt werden sollen. Um die Stadt herum führt die 
noch gut erhaltene Stadtmauer mit den viereckigen, fie über 
ragenden kleinen Türmen, in deren oberen Stockwerken sich je 
zwei Fensteröffnungen befinden. Das Oberthor und das Unter 
thor, schlichte Bauten mit mehreren Geschosten, treten deutlich 
hervor. Das erstere stand im Lauf der Nagelstraße zwischen 
den Häusern Breitestraße 18 und 57, das letztere in der 
Mühlenstraße in der Nähe der ehemaligen Heiligengeistkirche 
und des jetzigen Hotels „Deutsches Haus". Auch das Ritter- 
haus, Breitestraße 54. ist sichtbar und alle die spitzgiebligen 
und teilweise hohen Häuser überragend die St. Maria- 
Magdalenaklrche mit dem Turm. welchen ein Dach und Dach 
reiter darauf abschließt. Südöstlich von der Stadt sieht man dann 
den Hausberg, auf welchem in der Nähe der Gertrudskapelle oder 
des jetzigen Stadtkirchhofs das ältere Schloßgebäude Ebers 
waldes stand. Hinter der Stadt auf den Bergen zeigt fich der Wald 
mit dem klar hervortretenden Abhang, welchen die alte Eiche, 
die Vorgängerin der jetzigen Rudolfseiche, umschattet. Das 
ganze Bild gewährt einen lieblichen, freundlichen Anblick; 
man merkt es der Stadt nicht an, welche Leiden über fie in 
den letzten Jahrzehnten ergangen find, Ruhe und Friede 
breiten fich über die Gebäude und den Wald aus. 
Eine sehr rührige Thätigkeit entwickelte die Stadtver 
waltung unter dem König Friedrich Wilhelm I. Gute Kataster 
arbeiten. allgemeine und eingehendere Nachrichten über die 
damalige Verwaltung und den Zustand der Stadt und die 
Anfertigung eines Hauptbuches der Eberswalder Urkunden und 
Privilegien, welches 90 teilweise mit neuhochdeutschen Ueber- 
setzungen versehene Schriftstücke enthält, legen hiervon Zeugnis 
ab. Aus jener Zeit besitzen wir in einem älteren handschrift 
lichen Werk über Eberswalde vom Küster Beling auch eine 
Schilderung von dem Aufenthalt der Salzburger in Ebers 
walde. Vom 11. Juni bis zum 1. Oktober 1732 kamen an 
18 verschiedenen Tagen im ganzen ca. 10 000 Salzburger 
durch die Stadt und wurden regelmäßig von der Bürgerschaft 
empfangen, anfangs auch mit geistlichen Reden begrüßt. Da 
die Emigranten aber gewöhnlich mittags und zeitweise bei 
großer Hitze anlangten und daher müde, hungrig und nament 
lich durstig waren, einige von ihnen auch bei den Bewill 
kommnungsreden ohnmächtig wurden, so stellte man diese 
Reden hier ein und predigte dann nach der Einführung in die 
Stadt, welche mit Singen und dem Geläut aller Glocken vor 
fich ging, in der Kirche oder auf dem Marktplatz. So sprach 
der Geistliche am 22. Juli über das Thema: „Der rühmende 
evangelische Salzburger Chor und das bei dessen Bewillkomm 
nung vor ihrer Stadt freudig antwortende evangelische Neu- 
stadt-Eberswalder Thor" mit dem Text Jesaias 26. V. 1 und 
2, und am 17. September früh vor der Abreise über das 
Thema: „Von frommer reisender Christen unsichtbarer Reise 
gesellschaft" mir dem Text Psalm 91, V. 11 und 12. Die 
Predigten wurden auch katechisationsweise mit den Zuhörern 
wiederholt, und bei den Antworten zeichnete fich ein früherer 
Kapuziner, welcher evangelisch geworden war. durch eine ge 
wandte Darlegung der lutherischen Lehre aus. Am 8. August 
fand nach der Predigt die Trauung von 2 Paaren Salzburger 
statt; der Trautest war Tobias 5, V. 4 und das Thema: 
„Ein frommer Ehegatte als der getreuste Reisegefährte." In 
den Predigten kamen auch Verse vor. in welchen dem Erz 
bischof von Salzburg gerade keine Schmeicheleien gesagt, den 
Salzburgern aber die Trostworte zugerufen wurden: 
„Ihr Davids Brüder nun, die ihr jetzt Fremde seid. 
Die ihr auf eurer Reis' auch zu uns kommen heul', 
Ihr seid zwar Könige, gesalbt mit Goites Geist, 
Doch aber solche, die man Exulanten heißt." 
(Schluß folgt.)
        
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