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Periodical volume 4. Dezember 1897, No. 49

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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Der Königin letztes Schreiben aus Berlin ist datiert vom 
20. Juni 1810 und gerichtet an ihren Bruder Georg. Es 
ist ein Brief, aus dem aller Jubel spricht darüber, daß nun 
endlich einmal der Wunsch erfüllt wird, das Vaterhaus wieder 
zusehen. In ihm heißt es: „Halleluja! In meinem Kopf sieht 
es aus wie in einem illuminierten Guckkasten. Alle Fenster 
mit gelben, roten und blauen Vorhängen find hell erleuchtet. 
Adieu — nun will ich Großmama vernünftig schreiben. — 
Eure Luise." 
Am 25. Juni reiste die Königin früh um 6 Uhr aus 
Berlin nach Neu-Strelitz. Sie verließ ihre „bonne Tille“, 
und die guten, getreuen Bürger Berlins konnten nicht ahnen, 
daß zu ihnen bald, am 19. Juli, die Kunde von dem Heim 
gänge der heißgeliebten Königin gelangen sollte. 
Nicht die allein, welche Luise ihre „Guten, Getreuen" 
genannt — das ganze Volk trauerte. Wahr ist und bleibt, 
was auf dem einfachen Denkmal in Fischerwall bei Dannen 
walde. nahe der mecklenburgischen Grenze, da. wo eine Eskadron 
der preußischen Garde du corps die Leiche in Empfang nahm, 
zu lesen steht: 
Mehr als Purpur und Krone 
umstrahlt sie 
Liebe des Volkes. 
Aus der Geschichte der Stadt Gberswatde. 
Von Wilhelm Anton Wegener. 
Eberswalde wird zuerst in einer Urkunde vom 23. April 
1276 genannt; an diesem Tage weilte der Markgraf Albrecht III. 
in Eberswalde und schenkte hier den Bürgern von Friedland 
in Mecklenburg-Strelitz den Zoll seiner Städte Friedland und 
Neu-Brandenburg. Albrecht III. war ein Sohn des Mark 
grafen Otto III. und hatte Stargard in Mecklenburg-Strelitz, 
Strausberg. Bernau. Eberswalde. Soldin und noch andere 
Städte, Schlösser und Besitzungen als sein Regierungsgebiet 
erhalten. 
Von diesem Fürsten wurde auch die wichtigste Urkunde 
der Stadt am 24. August 1300 ausgestellt, welche folgenden 
Wortlaut hat: „Im Namen der heiligen und persönlichen 
Dreieinigkeit, Amen. Wir Albrecht, von Gottes Gnaden 
Markgraf von Brandenburg, erklären und wünschen, daß die 
vorliegende Urkunde zur allgemeinen Kenntnis aller derjenigen 
kommt, denen sie vorgelesen wird. Wir hegen den Wunsch, 
unseren treuen Ratsherren und Bürgern der Stadt Ebers 
walde die vielfachen uns geleistesten Dienste, wie es deren Be 
lohnung erfordert, in dankbarer Gunstbezeugung zu entgelten, und 
wir haben deshalb und damit sie künftig von niemand irgendwie 
beeinträchtigt werden, verordnet, daß ihnen alles, was zur 
Nutznießung der Stadt gehört, in Bestimmung der Grenzen durch 
' sichere Linien fest zugesprochen wird. Hier nun ist dieser 
Stadt Markscheid. Erstens vom Oberspring bei der Schwärze 
bis zu dem Fließ Drehnitz und von dort das Fließ herab 
bis zum Fluß Finow, dann gegenüber von der Stelle, wo der 
genannte Bach in den Fluß Finow fällt, bis zu dem anderen 
hohen Spring. Weiter von diesem Spring in gerader Linie 
bis an das Lichterfelder Bruch, nun, wenn man dieses Bruch 
herabgeht, bis zu einem Fließ. Mortbrügge genannt, und 
von diesem Fließ bis zum See Poratz, den See ebenso wie 
den anderen See Jakobsdorf mir eingeschlossen, beide mit 
aller ihrer Nutzung und ihrem Ertrag, schenken wir derselben 
Stadt. Dann geht man dieses Gewäffer herab bis zum 
Ragösefließ und dieses herab bis zum Finowfluß. Ebenso 
gehört derselben Stadt das ganze Ebersberger und Jakobs- 
dorfer Feld mit allen beackerten und unbeackerten Ländereien, 
Gehölzen, Wald, Wiesen, Weiden und allen Nutznießungen. 
Auch soll alles, was in dieser Grenzbestimmnng liegt, sowohl 
tm Wasser als auch auf dem Lande im Einzelnen der Stadt 
zu eigen sein, mit Ausnahme der Mühlenstelleu. Außerdem 
kann die Stadt einen jährlichen Zins von den Weinbergen, 
Hopfenpflanzungen und anderen Gemeindegärten erheben. 
Hierzu soll alles, was die Bürger dort in der Stadt in dem 
Kaufhaus oder den Häusern der Kaufleute und Schuhmacher, 
den Brot-, Fleisch- und anderen Scharren erbauen und er 
langen können, ihnen ohne jede Verkürzung zum Gemeinnützen 
der Stadt erhalten bleiben. Damit nun aber nicht unsere 
hier ihnen erwiesene Gnadenbezeugung von uns oder einem 
unserer Nachfolger denselben Bürgern geschmälert oder ge 
nommen werden kann, haben wir ihnen die vorliegende Ur 
kunde ausstellen und mit unserem gewichtigen Siegel vollziehen 
lassen. Auch hatten wir hierbei als Zeugen unsere Ritter 
Johannes Sparr, Heine von Pfuel, Heinrich von Oderberg, 
und unsere Lehnsmänner Dietrich von Barnim. Gerhard Wrist, 
Dietrich Repkow, Michael und Heinrich von Theen und Konrad 
Schönebeck, und noch mehrere andere des Vertrauens würdige 
Männer. Ausgestellt im Jahr des Herrn 1300 am Tag des 
heiligen Apostels Bartholomäus." 
In dieser Urkunde wird Eberswalde zuerst eine Stadt 
genannt, und es werden ihr in derselben ihr Stadtgebiet, mehrere 
Abgaben und die freie Verfügung über den Marktplatz zu- 
gesprochen. Auch werden in ihr zuerst die Ratsherren oder 
der Magistrat, die Bürger und die Gewerke der Kaufleute, 
der Schuhmacher, der Bäcker und der Schlächter urkundlich 
erwähnt. Wohl mit Recht hat daher der Eberswalder Ma 
gistrat in einem Schreiben von 1590 die Behauptung aufgestellt, 
Markgraf Albrecht III. habe kurz vor 1306, in welchem Jahr 
Eberswalde Zollgercchtigkeit und Zollfreiheit erhielt, die Stadt 
erbaut und mit ihren Grenzen versehen. Jn^ ähnlicher 
Weise machte der Inspektor und Pastor Andreas Engel, welcher 
am 16. November 1561 in Strausberg geboren war und 
dort am 9. August 1598 starb, in seinen Annalen die Angabe, 
Eberswalde sei um das Jahr 1300 eine Stadt geworden. 
Am 3. März 1308 trat Eberswalde in Berlin dem 
märkischen Siädtebund bei und erhielt von Markgraf Waldemar 
am 30. Oktober 1317 die Warenniederlage und das Stapel 
recht. Daß die Stadt zu jener Zeit schon von Bedeutung 
war, zeigt ein am 27. Juli 1320 zwischen den Herzögen' 
Wartislaf von Stettin und Heinrich von Schlesien abgeschlossener 
Vertrag, in welchem die Bestimmung enthalten war, daß 
Herzog Wartislaf eventuell vorweg Eberswalde und den ganzen 
zu dieser Stadt gehörigen Landkreis, welcher später etwa 
30 Ortschaften umfaßte, erhalten solle. Die beiden Herzöge 
gedachten damals, nach dem Aussterben der Anhaltiner-Linie, 
wesentliche Teile der Mark, auf die sie Erbansprüche erhoben, 
an sich zu reißen. Die Eberswalder aber erkannten 
den Herzog Rudolph von Sachsen als ihren Landesherrn an, 
von dem sie auch schon am 17. Januar 1320 die erste 
Bestätigung ihrer Privilegien erhalten hatten, die sich unter 
der Herrschaft der Wittelsbacher und Luxemburger noch 
vermehrten.
        
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