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Periodical volume 20. November 1897, No. 47

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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uniform-Reglement künstlerischen Rücksichten nachstehen sollte, daß er 
seinerseits sich nicht bemüßigt fände, die Stulpstiefeln anzuschaffen. Da 
ließ sie der Künstler machen, und so kam denn alles in Ordnung. 
M. M. 
Biichertlfch. 
Hohenzollern-Jahrbuch 1897. Verlag von Giesecke u. Devrient, 
Berlin-Leipzig. Preis drosch. 20 M., gebd. 24 M., Liebhaber- 
Ausgabe (nur in 100 Ex. hergestellt) 60 M. 
Wir freuen uns, unseren Lesern von einem neuen, höchst be 
deutungsvollen Unternehmen Kenntnis geben zu können. Es ist dies 
das vorgenannte Hohenzollern-Jahrbuch, das jährlich erscheinen 
soll, und von dem in diesen Tagen der erste Band herausgegeben wird. ! 
Das „Hohenzollern-Jahrbuch" soll einen Mittelpunkt bilden für die ' 
heute überall zerstreuten Forschungen über die Geschichte der Hohenzollern 
und ihre Thätigkeit für den Staat. Es wendet sich nicht nur an 
die Historiker von Fach, sondern an ein größeres Publikum, indem 
Herausgeber und Verleger davon ausgehen, daß die Geschichte der 
Hohenzollern in den weitesten Kreisen auch über die Grenzen Preußens 
hinaus lebhaftes und eingehendes Interesse gesunden hat. 
Die Gestalten des Großen Kurfürsten, Friedrichs des Großen, 
der Königin Luise, Kaiser Wilhelms des Großen, und Kaiser Friedrichs 
sind Gemeingut des ganzen deutschen Volkes geworden. 
Für den litterarischen Teil erfreut sich der Herausgeber, abgesehen 
von den zahlreichen Mitarbeitern, der besonderen Beihilfe des König 
lichen Hausarchivars Archivrates Professor Berner, des Hofbaurates 
Geyer, des Oberstlieutenants a. D. Dr. Jähns und des Direktors 
der Preußischen Staatsarchive Professor Knser. 
Ganz eigenartig wird das Jahrbuch in seiner Erscheinung dadurch 
werden, daß neben der litterarischen Darstellung auf die Illustrierung 
nach zeitgenössischen Quellen ganz besonderer Wert gelegt wird. Die 
Pflege und Ausbildung dieses für die allgemeine Geschichte wie für die 
Kunst- und Kulturgeschichte gleich wichtigen Materiales wird sich der 
Herausgeber Dr. Paul Seidel, den seine amtliche Stellung als 
Dirigent der Kunstsammlungen in den Königlichen Schlössern und 
Direktor des Hohenzollern-Museums hierfür überaus glücklich gestellt er 
scheinen läßt, im Vereine mit dem Verlagshaus Giesecke u. Devrient, 
Berlin und Leipzig, vor allen Dingen angelegen sein lassen. 
Aus dem Inhalt des ersten Bandes heben wir folgende Arbeiten 
hervor. Der Jahrhundertfeier von Kaiser Wilhelms des Großen Geburt 
trägt das Hohenzollern-Jahrbuch Rechnung durch den Abdruck einer am 
22. März gehaltenen Gedächtnisrede res derzeitigen Rektors der Berliner 
Universität Professor Schmoll er. Was uns Deutschen das reiche Leben 
Kaiser Wihelms bedeutet, illustriert uns auch in lichtvoller Form der 
Aussatz des Geheimen Staatsarchivars, Archivrates Dr. Bailleu, der 
die politiichen Verhältnisse des Jahres 1797 in Preußen und die treiben 
den Kräfte, durch die sie bedingt wurden, schildert, dieses Schicksals- 
Jahres, von dem die Fäden der ganzen ferneren Entwickelung Preußens 
ausgehen. Ein Meisterwerk der Kunst, mit wenig Worten viel zu sagen 
und alles zum Ausdruck zu bringen, was unser Herz bewegt, wenn wir 
des zweiten Hohenzollernkaiscrs gedenken, bietet der General der Infanterie 
und Generaladjutant Kaiser Friedrichs Exc. von Mischke in der 
Charakteristik seines Herrn, dem er, wie kein zweiter, viele Jahre hin 
durch in unmittelbarer Nähe dienen durfte. In das achtzehnte Jahr 
hundert führt uns der Musikhistoriker Dr. Thouret, der die Be 
deutung der Musik und die Art ihrer Ausübung, welche dieselbe am 
Hofe der Königin Sophie Charlotte, Friedlich Wilhelms I., Friedrichs 
des Großen und Friedrich Wilhelms II. findet, in fesselnder und von 
gründlicher Kennerschaft getragenen Form schildert. Der Direktor der 
preußischen Staatsarchive Professor Koser und der Direktor des Hohen- 
zollern-Museums Dr. Seidel haben sich zu einer Studie über die 
äußere Erscheinung Friedrichs des Großen vereinigt, indem der erstere 
die litterarischen Schilderungen der Zeitgenossen, insbesondere die Be 
liebte der fremden Gesandten an ihre Souveräne, der letztere die er 
haltenen Bildnisie zum Gegenstände ihrer Darstellung machen. Hiermit 
ist aber nur ein Teil des ungemein reichen Inhalts dieses ersten Bandes 
des Hohenzollern-Jahrbuchcs erwähnt. Wer sich weiter über den 
Inhalt und die Ausstattung unterrichten will, dem wird die Verlags- 
Buchhadlung stcherlich gern den über das Werk ausgegebenen Prospekt 
zusenden. Daß sich das Werk in besonderem Maße zu einem Fest 
geschenk für das Herannahende Weihnachtsfest eignet, braucht wohl nicht 
erst erwähnt zu werden. z - 
Weltgeschichte in Umrissen. Federzeichnungen eines Deutschen, 
ein Rückblick am Schlüsse des 19. Jahrhunderts. 
Berlin 1897, Ernst Siegfried Mittler u. Sohn. 
Pr. 9 M. 
Die Weltgeschichte, diese Summe von Ereignissen, die für die Ent 
wickelung des Menschengeschlechts von Bedeutung gewesen sind, enthält 
zugleich die Lehren, die Schlüsse, die sich für die Aufgaben der Gegen 
wart daraus ziehen lassen. Wer hätte jemals die Thaten großer Männer, 
ganzer Völker betrachtet, ohne den Vergleich, die Vermahnung zu gewahren, 
die in ihnen für uns Lebende deutlich ausgesprochen ist? 
, Jetzt, wo der herannahende Schluß eines Jahrhunderts uns auf 
fordert, den Blick rückwärts zu lenken, um, belehrt und gefestigt durch 
das, was wir erlebt und erforscht haben, eine neue Zeit würdig auszu 
füllen — unternimmt ein Freund und Kenner der Geschichte, ein gut 
deutscher Mann, seinem Volke diese weltgeschichtlichen Ereignisse in eng 
gedrungenem Zusammenhange zu berichten und zugleich die Betrachtungen 
daran zu knüpfen, die wir Deutsche aus ihnen entnehmen, die Lehren 
hervorzuheben, die wir zu beherzigen haben. Sein Buch, dessen Titel 
wir vorstehend angegeben haben, giebt den kürzesten Ueberblick über die 
Weltgeschichte und dennoch alles daraus Wissenswerte in schlichtester, 
verständlicher Darstellung. Mehr aber als auf eine reichliche Menge der 
Thatsachen zielt der Verfasser darauf, „die leitenden Ideen der Zeiten 
hervorzuheben und uns Deutsche aufzufordern, ihre Anwendbarkeit auf 
unsere Geschicke zu prüfen". Eben diese Vergleiche mit der Gegenwart, 
die er daraus entnimmt, werden jedem Deutschen aus der Seele ge 
sprochen sein. Ein Helles Licht fällt durch diese Beleuchtung der Ver 
gangenheit auf unsere Gegenwart; ist doch der Mensch in seinem Streben 
und Handeln zu allen Zeiten, in allen Zonen derselbe geblieben; es 
gleichen sich daher Forderungen, die die Völker für ihr Wohlergehen ge 
stellt, und Leidenschaften und Ziele, die große Männer bewegt haben, 
sei es als Führer ihres Volkes, sei es. daß ihr Ehrgeiz die Menge ihnen 
dienstbar machte, sei es endlich, daß sie der Zeitströmung zum Opfer 
fielen. Man darf sagen, es giebt keine einzige Aufgabe, die unsere Zeit 
zu lösen berufen ist, die nicht auch in der Vergangenheit nachgewiesen 
und aus ihr klargestellt werden könnte. 
Aus triftigen Gründen hält der Verfaffer mit seinem Namen zu 
rück. Seine Excellenz Herr Graf zu Limburg-Stirum hat cs 
übernommen, das Buch bei dem Publikum einzuführen. Er äußert 
sich darüber folgendermaßen: 
„Es liegt hier die gedankenreiche Arbeit eines Mannes vor, den 
Anlage, Bildung und reiche Lebenserfahrung in hervorragender Weise 
befähigen, das Leben der geschichtlichen Entwickelung zu erforschen. 
Diese Gesetze für die Vergangenheit zu erkennen, ist eine der schwersten 
Aufgaben gcschichtsphilosophischer Forschung, ihre Wirkung für die 
Gegenwart zu verstehen, bleibt für die bedeutendsten Geister ein Ver 
such. Einen solchen Versuch, die Gesetze bislorischer Entwickelung auf 
die Geschicke des Deuischen Vaterlandes anzuwenden, macht der Ver 
fasser aus seiner warmen patriotischen Gesinnung in geistvoller Aus 
fassung der Dinge. Jedenfalls — meine ich — bietet das Buch den 
Gebildeten besseres als die große Mehrzahl aller Büchern geistigen 
Genuß beim Lesen, neue Gesichtspunkte und Anregung zu eigenem 
Nachdenken." 
Das Werk ist nicht sowohl für den Politiker und Historiker, als 
für jeden, der in der Weltgeschichte mehr sieht als eine unorganische 
Reihe von Ereignissen, in hohem es,rade fesselnd und lehrreich und darf 
daher in allen gebildeten Kreisen weitester Beachtung sicher sein. 
Wir gedenken später auf dasselbe zurückzukommen und unseren Lesern 
tcn einen oder anderen Aufsatz, der für sie von besonderem Jnieresse 
sein dürfte, vorzuführen. Z. 
Aus Höhen und Tiefen. Ein Jahrbuch für das deutsche Haus. 
Herausgegeben von Dr. Karl Kinzel und Ernst Meinke. 
Berlin, Verlag von Martin Warneck. Pr. schön gebd. 4 M. 
Unter diesem Titel ist jüngst ein Jahrbuch für das deutsche 
Haus erschienen, das als vortreffliches GeschcnkwcrkBeachtung verdient 
und sicherlich in weiten Kreisen ein gern gesehener, jährlich wieder 
kehrender Hausfreund werden wird. Der Name der Verlagsbuchhandlung 
von Martin Warncck in Berlin bürgt für die vornehme Gediegenheit 
der Ausstattung, der Ruf der Herausgeber Professor Dr. Kinzel und 
Reg.- u. Schulrat Meinke für die Wahl der Mitarbeiter und die 
Trefflichkeit des Inhalts. Poesie und Prosa, Litteratur und Kunst, 
Ethisches und Aesthetischcs, Rciseerinnerungcn und Missionsbildcr wechseln 
wohlthuend mit einander ab. Das Ganze ist in echt christlichem Sinn 
gehalten und durchzogen von warmer Liebe zum Evangelium. — Fast 
jeder der Beiträge ist in seiner Art meisterhaft. Professor Kinzel, als 
Littcraturkenner und Litteraturhistoriker vorteilhaft bekannt, unterzieht 
Gerhärt Hauptmanns und Ludwig Fuldas Märchendichtungen einer 
feinsinnigen Kritik. Schulrat Meinke bespricht in packender, durch 
treffliche Illustrationen belebter Art die vier Temperamente. Klöster 
liche und kirchliche Eindrücke in Italien bietet Professor Seiler mit 
interessanten Erlebnissen und meisterhaft ausgeführten Momentbildern. 
Dr. Conrad schildert Regen und Ringen in Siebenbürgen aus eigener 
Anschauung, er zeigt den schweren Kampf, den Deutschtum und Evan 
gelium dort an der Grenze des Orients gegen den Uebermut der Magy 
aren und den Ansturm der Barbarei zu bestehen haben. Schlicht, aber 
gerade darum so ansprechend erzählt Johanna Ambrosius, die ost- 
preußische Dichterin aus dem Volke, aus ihrem Leben, wie sie ist und 
wie sie wurde; Johannes Warncck schildert Misstonarsleiden und 
-Freuden auf Sumatra. Martin Pfannschmidt zeichnet anschaulich 
Albrecht Dürer als den Künstler der deutschen Reformation, und Prof. 
Hennig handelt höchst instruktiv über die Tonkunst im Hauptgottes- 
dicnste, dazwischen erfreuen Lieder und Gedichte von Eleonore Fürstin 
Reuß, Renata Pfannschmidt-Beutner, B. Mercator, Martin 
Greif, Frida Schanz u. a. m. 
Das Buch ist geschmückt mit einem Bildnis von C. Beyer, der sich 
durch seine historischen Romane längst Namen und Ruf erworben hat. 
In dem vorliegenden Jahrbuch ist er mit zwei Beiträgen vertreten, einer 
Erzählung und einer Dichtung, die vielleicht die Krone des Ganzen 
bilden. Die Erzählung, erschütternd durch ihren Realismus, versöhnend 
durch ihren harmonischen Abschluß, ist wirklich „Aus der Tiefe", aber 
führt auch „zur Höhe"; Mutterliebe undjKindeslcben, die Natur mit ihrer
        
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