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Periodical volume 13. November 1897, No. 46

Full text: Der Bär Issue 23.1897

Von den dekorativen Denkmälern, die ebenso wie die 
öffentlichen Brunnen und Gedenktafeln in dem Buche Auf. 
nähme gefunden, bringen wir eine Abbildung der Löwen 
gruppe vor dem Kriminalgericht in Moabit (Seite 549), 
modelliert von Albert Wolff. Dieselbe stellt den Kampf eines 
Löwen mit einer Schlange dar, eine Verfinnbildlichung der 
auf Gesetz und Gerechtigkeit aufgebauten Macht, das Schlangen 
gezücht der Lüge und des Verbrechens zertretend. 
Der Geheime Regierungsrat und Stadtrat Ernst Friedel, 
der verdienstvolle Forscher märkischer und Berliner Geschichte, 
hat dem Buche ein besonderes Geleitwort mit auf den Weg 
gegeben. Wir schließen unsere Ausführungen mit den Worten 
des Verfassers: „Die Denkmäler Berlins find ein Stück Ge 
schichte unseres Vaterlandes; fie begleiten das nationale, 
geistige und gewerbliche Aufblühen unseres Staates wie seiner 
Reichshauptstadt; fie find ein Bild ihres Werdens und Wachsens. 
Mögen Jugend und Volk zu den Fürsten und Helden, den 
Dichlern, Denkern und Volksmännern, den Gelehrten und 
Erfindern, welche allesamt mir halfen an dem Aufbau unserer 
nalionalen und geistigen Größe, aufschauen in begeisterungs 
voller Bewunderung, in dem Slreben, ihnen nachzueifern in 
den Thaten und Tugenden, welche fie würdig machten, noch 
nach Jahrhunderten in Stein und Erz zu den nachgeborenen 
Geschlechtern zu reden. Ein Volk, welches seine großen 
Männer ehrt, ehrt sich selbst." 
König Friedrich Wilhelms II. Verdienste um die 
Kebung des Kerliner Musiklebens. 
Ein Gedenkblstt zu seinem hundertsten Todestage. 
Von A. von Winterfeld. 
König Friedich Wilhelm II. stand seinem großen Vor 
gänger, Friedrich dem Großen, hinsichtlich seiner Liebe zur 
Tonkunst, seines Bestrebens, dieselbe zu fördern, sowie der 
außerordentlichen Geschicklichkeit und Kenntnis, welche er sich 
darin erworben, keineswegs nach. Doch widerstand ihm seiner 
ganzen Natur nach die strenge Zucht und bestimmte Richtung, 
welche jener auch in der Musik sich auferlegt hatte. Wenn 
der große König, im Reiche der Kunst fest an den Idealen 
seiner Jugend haltend, fast ausschließlich die Werke von 
Haffe und Graun hatte gelten und aufführen lassen, wodurch 
der musikalische Geschmack in seiner Hauptstadt jenes eigen 
tümliche Gepräge erhielt, das ihm die Bezeichnung „Berliner 
Geschmack" verschaffte, so legte sich Friedrich Wilhelm im 
Genusse des Schönen in der Kunst weniger Zwang an. War 
die Musik eine freie Kunst, so wollte er auch frei genießen, 
was fie ihm darbot, ohne sich an ein bestimmtes System zu 
fesseln. 
Doch nicht bloß seine Natur, sondern auch seine mufika- 
lische Erziehung mußte den König zu dieser Universalität des 
Geschmacks führen. Wenn Friedrichs Lehrer ausschließlich 
Deutsche gewesen, wie Heine und Quanz, so wurde Friedrich 
Wilhelm zuerst von dem Italiener Graziani, dann von dem 
Franzosen Duport, der den größten Einfluß auf ihn gewann, 
und endlich von einigen Deutschen in der Musik und nament 
lich auf dem Violoncell unterrichtet. Alle machten ihn mit 
den Eigenheiten ihres oft sehr von einander abweichenden 
Geschmackes und Stiles bekannt. Des Königs überlegenes 
künstlerisches Urteilsvermögen ließ ihn sich von allem das 
Beste aneignen, wovon sein Spiel auf dem Violoncell, welches 
nach jeder Weise unv Schule gleich vortrefflich durchgebildet 
war, ein sehr beredtes Zeugnis ablegte. Er war auf diesem 
Instrumente ein ebenso vorzüglicher Virtuos wie sein Oheim 
auf der Flöte, und Jean Pierre Duport, sein Lehrer und 
„Oberintendant der Musik" spielte eine ebenso wichtige Rolle 
bei ihm wie Quanz bei jenem. War Quanz der erste Flötist, 
so war Duport der erste Violoncellist seiner Zeit. 
Der König, ein eifriger Quartettspieler, hatte schon als 
Prinz eine vortreffliche Kapelle geschaffen, unter deren Mit 
gliedern sich die ausgezeichnetsten Künstler, wie Reichardt, 
Palsa, Thürschmidt und andere befanden. 
Wie Friedrich niemals ohne seine Flöte auf Reisen ging 
oder ins Feld zog, so unterließ es Friedrich Wilhelm gewiß 
nicht, bei ähnlichen Gelegenheiten sein Violoncell und obenein 
einige seiner Kammermusiker mitzunehmen, um überall seine 
geliebten Quartette spielen zu können. Fehlte es dennoch bis 
weilen an einem Mitspieler, so suchte man einen solchen an 
dem Orte, an dem man sich gerade befand, aufzutretben. So 
wurde im Jahre 1768, während eines Besuches des Königs 
in Breslau, dem Chordirektor an der Sandkirche daselbst, 
Ignatz Lucas, einem sehr verdienten Musiker, die Ehre zu 
teil, im fürstltch Hohenlohischen Landhause im nahen Scheitnig, 
wohin ihn eine königliche Karosse abholte, als erster Violinist 
mit Sr. Majestät in einem Quartett zu spielen. 
Vor allem waren dem königlichen Musiker die Quartette 
von Haydn lieb und wert, und es erhielt der Meister für 
seine sechs dem Monarchen gewidmeten Quartette, mit einem 
schmeichelhaften Kaninettsschreiben d. d. Potsdam den 12. April 
1787, einen prachtvollen Diamantring, worüber Papa Haydn 
um so mehr erfreut war, als er wohl wußte, daß dieser Be 
weis fürstlicher Huld in verständnisvollster Würdigung erteilt 
worden war. 
Tie Oper erhielt unter Friedrich Wilhelm einen neuen 
Aufschwung, nachdem unleugbar in den letzten Zeiten der 
Regierung Friedrichs die früher berechtigt gewesene einseitige 
Abgeschlossenheit zu einer gewissen Stagnation, die ja zugleich 
einen Rückschritt bedeutet, geführt hatte. Diesen Bann ge 
brochen und einer neuen höheren musikalischen Richtung Eingang 
verschafft zu haben, bleibt das Verdienst Friedrich Wilhelms II. 
Neben der italienischen Oper, die er bestehen ließ und 
der er durch das Engagement der Todi und Tambolinis 
neuen Glanz verlieh, errichtete der König im erst subventionierten, 
dann in eigne Verwaltung genommenen Nationaltheater, dessen 
1817 abgebranntes Gebäude sich an der Stelle des jetzigen 
Schauspielhauses befand, nicht nur ein deutsches Schauspiel, 
sondern auch eine deutsche Oper, welche durch ausgezeichnete 
Künstler, wie das Ehepaar Eunike, die Schick, Blume und 
Gern, erfolgreich mit ihrer italienischen Kollegin im Opern 
hause wetteifern konnte, und wo die Werke Mozarts, Glucks, 
Dittersdorfs, Weigls, Reichardts und Himmels eine ebenso 
vorzügliche Wiedergabe wie begeisterte Aufnahme fanden. 
Die italienischen Kapellmeister unter Friedrich Wilhelm II. 
waren erst Allessandri und nach ihm der bedeutendere Righini, 
der neben mehreren Opern auch einige kirchliche Werke, namentlich 
1810 ein Tedeum — zur letzten Geburtstagsfeier der Königin 
Luise — geschrieben hat. Righini war als Künstler wie als
        
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