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Periodical volume 13. November 1897, No. 46

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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ersten Turnplatz. Gleichzeitig wirkte er als Schriftsteller zur 
Wiedererweckung des deulschen Nationalfinns („Deutsches 
Volkstum") und trug dadurch zur geistigen und körperlichen 
Wehrbarmachung des Volkes in bedeutsamer Weise bei. Bei 
der Bildung des Lützowschen Freikorps in hervorragender 
Weise beteiligt, machte er den Feldzug der Befreiungskriege 
mit und nahm am Einzüge in Paris teil. Nach mannigfachen 
Enttäuschungen und vielfach erlittenem Unrecht starb Jahn im 
Jahre 1852 zu Freiburg a. d. Unstrut. Nach seinem Tode 
als einer der volkstümlichsten Helden verehrt, erhielt der Be 
gründer des deulschen Turnwesens 1872 auf der historischen 
Starte seiner ersten Wirksamkeit in der Hasenhaide ein Denk 
mal. welches den „Alten im Barte", den unerschrockenen Ver 
treter deutscher Art und deutscher Freiheitsliebe, in Turner 
kleidung lebenswahr und frisch uns vor Augen führt. Die 
Bronzefigur ist modelliert von Encke, gegossen von Gladenbeck. 
Der Unterbau besteht aus zahlreichen Hausteinen, welche aus 
allen Gegenden der Welt von den Turnvereinen hierhergesandt 
und. mit Inschriften versehen, zu einem Sockel der originellsten 
Art zusammengefügt wurden." 
Ueber das Denkmal des berühmten Augenarztes Albrecht 
von Gräfe sagt Müller. Bahn in seinem Werke: 
„Es befindet sich im Garten der Charite, Ecke Schumann- 
und Luisenstraße. In der Mitte einer majolikaverkleideten, 
giebelbekrönten Bogennische erhebt sich die Bronzefigur Gräfes, 
in der rechten Hand den Augenspiegel haltend, während fich 
die Linke auf einen antiken Sessel stützt. Die Reliefs an den 
Wandflächen zu beiden Seiten der Nische, in farbigen Terra 
kotten ausgeführt, find von hoher, künstlerischer Schönheit und 
von ergreifender Wirkung. Auf dem linksseitigen Relief er 
blicken wir eine Mutter, die sckwerleidende Tochter dem be 
rühmten Augenoperateur zuführend, auf dessen Kunst fie ihre 
ganze Hoffnung setzt. Dahinter ein Handwerker, den er 
blindeten Kameraden aufopferungsvoll zu dem Arzte ge 
leitend. In der Mitte eine erblindete Mutter, den Säugling 
auf den Knieen; links daneben die kräftige, hohe Gestalt eines 
erblindeten Kriegsinvaliden, von der Tochter geführt. Gräfes 
Weltruf, der ihm Leidende aus allen Teilen der Welt zu 
führte. wird angedeutet durch die russische Amme, den augen 
kranken Säugling im Arm, und durch den in russischer Tracht 
gekleideten Greis, von einem Knaben an die Stätte geführt, 
die ihm Heilung bringen soll. Das rechtsseitige Relief bringt 
die Freude der Geheilten zum ergreifenden Ausdruck. Die 
Jungfrau zur Linken, welche in dem plötzlich sie umgebenden, 
ihr durch die Kunst des Arztes wiedergescheuklen Lichte noch 
etwas unsicher auftritt; der geheilte Handwerker, der vor 
Freude seinem Arbeitsgenossen an die Brust gesunken ist; die 
auf den Knieen liegende Mutter, dem Höchsten dankend, daß 
er sie ihren Kindern sehend wiedergeschenkl; der noch den 
Augenschirm tragende Rekonvalescent, welcher von einem 
Schüler des großen Meisters auf den Fortschritt der Besserung 
untersucht wird; die überglückliche junge Mutter, ihren der 
ewigen Nacht entrissenen Liebling jubelnd an die Brust 
drückend — das alles sind Bilder, deren erschütternder Inhalt 
wtederklingt in den Worten des Dichters, welche am Fuße 
dieser beiden Friese zu lesen find: 
„O. eine edle Himmelsgabe ist das Licht des Auges — 
Alle Wesen leben vom Lichte. 
Jedes glückliche Geschöpf — die Pflanze 
Selbst, kehrt freudig fich zum Lichte." 
Denkmal Augenarztes Albrecht bon Grase in Berlin. 
ätiiä: Hermann Miiller-Bohn: „Die- Denkmäler Berlins". (R. Auerbach Verlag, Steglitz-Berlin.)
        
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