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Periodical volume 13. November 1897, No. 46

Full text: Der Bär Issue 23.1897

der Mark Brandenburg und der angrenzenden Gebiete. 
Unter Mitwirkung von 
Dr. Ernst E. Dardorf, Dr. R- Körin guter, Professor Dr. Drerifer, Dr. H. Krendicke, Ttfeodar Fontane, 
Stadtrai G. Friedet, Richard George, Ferd. Wiener, Dr. Eg. Kchrnidt, Gymnastaldirektor a. D. Dr. M. Schwarh 
und G. v. Wiidendruch 
herausgegeben von 
Friedrich Zttlessen. 
XXIII. 
Jahrgang. 
M 46. 
Der „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede poftanstalt (Ho. 809), Buchha idlnna und Zeitungs- 
spedition kür 2 Mk. 50 Pf. vierteljährl. zu beziehen. Auch die Geschäftsstelle — Berlin N. 58,Schönh. Allee141 — nimmt 
Bestellungen entgegen. Jnseraten-Aufträge sind an die letztere zu richten. Die viergesp. petitzeile kostet 40 pf. 
13. 
IloDstutrft 
1897. 
ie Mvsn;osen vor Ußeinfels. 
Historischer Uonran non E. non Karfus. 
(3. Fortsetzung.) 
Im Jahre 1692 bestand die Befestigung der zwischen dem 
Gp Rhein und dem östlichen Abhange des Hunsrück ein 
geklemmten Stadt St. Goar aus einer einfachen Mauer-Um- 
wallung. in der auf der Flußseite vier Batterien erbaut 
waren. Auf der Straße nach Oberwesel lag auf einer in den 
Strom vorspringenden Erdzunge ein kleiner befestigter Turm 
zur Verteidigung des oberen Thores, während der schmale, 
nach dem auf der Höhe liegenden Dorfe Biebernheim führende 
Pfad durch ein starkes Blockhaus geschützt wurde. Die nach 
Norden, also unterhalb der Stadt liegende sogenannte Neustadt, 
in der sich die große Kaserne befand, verteidigte ein 
Scherenwerk, eine Tenaille, unmittelbar an der Mündung des 
Grändelbaches in den Rhein, eine cannellierte Mauer führte 
von dieser Schanze hinauf noch der Festung, deren Haupt 
werke, das eigentliche oorps äs 1a place mit seinen Bastionen, 
auf der nördlichen Seite des Wackenberges, des höchsten der 
umliegenden Berge, erbaut waren. Das Schloß des Land 
grafen lag etwas unterhalb der Festung auf einem Felsen 
obsatze. Vor dem Hauptwalle waren neben einigen kleineren 
Schanzen größere Außenwerke, das Speifeuer, das Fuchsloch 
und die Kloake, erbaut und in gutem Zustande unterhalten 
worden. Zwei Thore führten aus der Festung, das Trar- 
bacher nach dem Hunsrück, das andere auf den Weg nach 
Kastellaun. 
Nach seinem Rundgange um die Stadt kehrte General 
von Görtz mit seinen Begleitern in das Haus des Bürger 
meisters zurück und bestieg, nach kurzem Abschied von der 
Familie Walker, sein Pferd, um nach Nastätten zurückzureiten. 
Er hatte einige dringend notwendige Ausbesserungen an den 
Befestigungen angeordnet und den Bürgermeister aufgefordert, 
soviel Lebensmittel und Vieh von den umliegenden Ortschaften 
in die Stadt schaffen zu lassen, als es die voraussichtlich nur 
kurz bemessene Zeit bis zum Eintreffen der französischen Truppen 
gestatten würde. Beim ersten Anzeichen von dem Anmarsche 
derselben solle Walker den mit vier Kompagnien und einer 
Batterie in St. Goarshausen liegenden Oberstlieutenant Du 
Mont sofort benachrichtigen, der alsdann über den Fluß setzen 
und die Verteidigung der Stadt übernehmen werde. Er 
selbst, der General, wolle beim ersten Alarmschuffe mit seinem 
ganzen Korps herbeieilen und werde dann schon Mittel und 
Wege finden, den Landgrafen zu bewegen, ihm die Besetzung 
der Festung zu gestatten. 
Am 14. Dezember, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, 
kehrte der Drechslermeister Kretsch mit sechs Bürgern, begleitet 
von Philipp Walker, durch die Biebernheimer Pforte in die 
Stadt zurück und begab sich sogleich in das Haus des Rats 
bürgermeisters, dem er die Meldung überbrachte, er wäre 
mit seinen Schützen über Pfalzfeld hinaus bis in die Nähe 
von Kastellaun vorgegangen und dort aus eine zahlreiche 
Schar von Landleuten gestoßen, die ihr Vieh und ihre wert- 
vollste Habe nach St. Goar und Boppard in Sicherheit bringen 
wollten, weil am nächsten Tage die Franzosen in Kastellaun 
einrücken würden; mehrere Offiziere mit den Quartiermachern 
seien bereits in der Stadt eingetroffen. 
„Dann können wir die Franzosen schon morgen nach 
mittag hier haben!" rief der Bürgermeister aus. „Ich danke
        
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