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Periodical volume 9. Oktober 1897, No. 41

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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Klosterdorf °) war das Dorf des Klosters, welches an 
der nördlichsten Grenze des barnimschen Klostergebiels lag. 
Herzfelde hieß früher Hornfelde, jedenfalls nach dem 
ersten Lehnschulzen Horn; das Erbbuch des Klosters Zinna 
von 1471 nennt unter den Bauern des Dorfes Herzfelde 
einen mit Namen „Besthorn". 
Veranlassung zum Ursprung und Namen des Dorfes 
Kienbaum hat ein in alter Zeit am Ausgange der Liebenberger 
Heide befindlich gewesener großer und zu Honigbauten vor 
züglich geeigneter Kienbaum gegeben. 
Direkt an die Kloster- und Mönchszeit erinnern die 
Namen: Mönchwinkel, Gotteswiiikel/ Gotlesbrücke, heiliger 
Pfuhl, Pfingstwerder, Priestersee. Die Gottesbrücke führt 
über die Löcknitz und ist zweifellos von den Mönchen an 
gelegt. während die Kolonie Gottesbrück erst unter Friedrich II. 
angelegt worden ist. Jedenfalls stellte sich die Anlegung einer 
Brücke über die Löcknitz als eine Notwendigkeit heraus, um 
von Kagel zur Mater Zinna zu gelangen. Der Weg. welcher 
damals von den Mönchen benutzt wurde, führte wahrscheinlich 
von Kagel am Baberowsee entlang, vorüber an dem „Gottes 
winkel", einer stillen Thalwiese, „Rütli", nach dem Elsensee, 
dann durch die Nüdersdorfer Forst (grüne Heide) über die 
Löcknitz und endlich durch die Sleinfurt an der Spree in den 
Teltow und weiter nach Zinna. 
Zu Anfang des 14. Jahrhunderts tritt 6 ) mit der Auf 
findung des Rüdersdorfer Kalksteinflötzes ein bedeuisamer 
Wendepunkt in der Geschichte Kloster Kagels ein. Die klugen 
Cistercicnser, sehr bald den hohen Wert des Gesteins erkennend, 
beschlossen, das Kloster in Kagel eingehen zu lassen und das 
Klostergut zu verpachten. Statt dessen bauten sie sich in 
Rüdersdorf eine neue Wohnung. Fortan war der Vogt der 
Rüdersdorfer Wirtschaft (Meierei) der Verwalter der barnimschen 
Klostergüter. Ueber diesen Vogt erfahren wir aus dem Land- 
buche: „Der Abt hat die Schäferei in Rüdersdorf, die Butter 
aber, Käse und Mist nimmt der Vogt unseres (Dortigen) 
Eigentums, davon er sich und den Schäfer unterhält." Nach 
Klocden?) ist Kagel aber noch 1402 mit Mönchen besetzt 
gewesen; denn er berichtet (nachdem er einen Slreifzug Dietrich 
von Quitzows und der Grafen von Lindow durch die Kloster 
dörfer geschildert hat): „In Kagel waren die Mönche auf 
gleiche Weise (wie in Rüdersdorf) den Grafen von Lindow 
entgegen gegangen und hatten ohne Mühe Schonung ihres 
Dorfes erlangt." Aus dem Erbregister des Klosters Zinna 
von 1471 erfahren mir über Kagel: „Cogel hat 22 Hufen 
(außer den 4 Pfarrhufen) und 122 Morgen neuen Heideackers, 
welcher gegen einen Groschen für den Morgen verpachtet war. 
Jeder Bauer gab für 2 Hufen 9 Groschen, und sämtliche 
Bauern gaben für die Fischerei zusammen 14 Groschen, die 
Kossälhen jeder ein Rauchhuhn und von jedem zur Fischerei 
benutzten Kahne 7 Groschen. Die Kirche hat 3 Stück Acker, 
erhält von jeder Hufe 4 Pfennig und 8 Groschen von den 
Kähnen. Lentze Hoppe giebt den Mönchen 12 Groschen von 
einem Acker, da weiland die Wohnung der Mönche war. 
Wann die Klostcrgebäude bis auf die Grundmauern 
niedergerissen worden find, läßt sich nicht mehr mit Bestimmt 
heit angeben; aber sie müffen noch bis in die Mitte des 
6 ) Ktoslcrdorf gehört heut zum Kreise Oberbaruim. 
e ) Vergl.r Seydcl, Geschichtliche Mitteilungen über Rüdersdorf re. 
1 ) Kloeden, Die Quitzows und ihre Zeit. Bd. 11, S. bl. 
15. Jahrhunderts gestanden haben. Am 6. Juli 1436 stellt 
Markgraf Johann „zur Kogele" noch eine Urkunde aus, worin 
er der schwer geprüften Stadt Strausberg wegen der durch 
die Hussiten erlittenen Schäden die schon vorher zugesprochene 
Befreiung von gewissen Abgaben noch einmal schriftlich be 
stätigt. Es kann nur angenommen werden, daß der Markgraf 
nirgend anders als in len verwaisten Klosterräumen sein 
Absteigequartier genommen hat. Kurprinz Johann, später 
Johann von Küstrin genannt, hielt sich zu jener Zeit oft und 
lange in Strausberg auf und kam auch häufig über Kagel 
nach Hangelsberg zur Wolfsjagd. Von dieser Zeit an hören 
die Nachrichten über Kloster Kagel gänzlich auf. 
Auch die im Jahre 1868 niedergerissene alte Kirche in 
Kagel hat keine weiteren Aufschlüsse über die frühere Geschichte 
des Ortes gegeben. In der alten Glocke, Anne Susanne, 
besaß sie eine Erinnerung an die Mönchzeit. Sie ist sicherlich 
ein Geschenk der Mönche gewesen. Neben einigen wappen- 
artigen Verzierungen wies sie eine Inschrift auf, von der mit 
Sicherheit nur die Worte zu entziffern waren: „Jesu orisb, 
deus cum pace. Außerdem trug sie die Jahreszahl 1509, 
sowie ein Brustbild in Bischofslracht mit Kcummstab, 
Kloster Kagel ist dahin. Aus dem Wendendorfe Baberow 
ist ein deutsches Torf mit dem holländischen Namen Kagel 
entstanden. Nur der eine der vier Kageler Seen trägt noch 
bis auf den heutigen Tag den wendischen Namen „der Baberow". 
Wohl weiß die Volkstradition noch, daß Kagel ehedem Baberow 
hieß, aber deß dieser Name von der Ahnfrau des Dorfes, 
der Wendengöllin baba, stammt, weiß niemand. Um sich die 
unverständlichen Namen zu erklären, hat die Volksetymologie, 
sich nicht um Urkunden und Wörterbuch kümmernd, zu dem 
Schatze seiner Poesie gegriffen und durch Umdeutung und 
lautliche Anlehnung an ein bekanntes Wort eine Namensage 
erfunden. Man erzählt, wie fast überall in der Mark, wo 
sich ein See befindet, von einer untergegangenen Stadt, hier 
Babel geheißen. In mondhellen Sommernächten kann man 
eine Treppe am Ufer des Baberow sehen, die in die Tiefe 
führt zur versunkenen Stadl Babel. Doch nicht jeder findet 
diese Treppe. Wer sie aber findet und den Mut besitzt, 
hinunierzusteigen, der kann alle Schätze des versunkenen Babels 
heben. Und vom alten Kloster geht die Sage von der ver 
sunkenen Glocke Anne Susanne. Sie liegt tief im Grunde 
des Baberow, unweit der Klosterstätte. Als einst die Fischer 
ihr Zeug ans Ufer ziehen wollten, da. wo das Kloster ge 
standen, ging das Netz so schwer, daß sie glaubten, es würde 
zerreißen. Verwundert darüber wollte einer der Fischer nach 
sehen. wie das zugehe. Als er in die Nähe des Sackes kam, 
da sah er, daß sie die versunkene Glocke Anne Susanne aus 
der Tiefe herausgefischt hallen. Voller Freude wollte er es 
den andern Fischern mitteilen. Aber die Fischer hatten geflucht. 
Ehe er dazu kam. zerriß das Netz, und die Glocke sank klingend 
wieder in die Tiefes) Die Fischer hörten nur noch aus dem 
Klange der Glocke die Worte: 
„Anne Susanne. 
Kommt nimmer zu Laune (Lande)! 
8 ) Von einer versunkenen Glocke Anne Susanne erzählt man auch 
in Freicnwalde a. O. und in Gohlitz bei Lehnin. Vgl. Schwartz, Sagen 
und alte Geschichten der Mark Brandenburg. S. 75 u. 109.
        
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