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Periodical volume 2. Oktober 1897, No. 40

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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Zugehörigkeit und Besiedelungsweise, wie uns scheinen will, 
ihre Spuren zurückgelassen. 
Kagel, 1375 Kogele, auch Kogel, Kasel, Kader, Kahle 
(d. i. Kabel, Kavel) genannt, dürfte abzuleiten sein von dem 
niederdeutschen Kabel. Sanders erklärt Kabel als Teil eines 
Ganzen, insofern er selbst als zusammenhängendes Ganze 
gilt; namentlich ein einem nach dem Los zufallender Anteil 
und das Los selbst; kabeln heißt: um etwas losen, 
etwas nach dem Los verteilen. So wurden hier lange Zeit 
schlechte und gute Streifen Landes zur Urbarmachung aus 
gekabelt, wie z. B. die Caveln, die gale Luchcaveln, die Rohr- 
caveln, die breiten Kabeln, die Köpernitzkabeln, die Bruch- 
kabeln, das Kaberluch (auch Kagelluch genannt), das Postluch. 
Lutteb) ist anderer Meinung. Er nimmt an, daß der 
Name Kagel nichts anderes als Kegel — bekannt in der Ver 
bindung Kind und Kegel — hier also eine in trauriger, ab 
seits gelegener Gegend bestehende Ortschaft bedeutet. „Wohl 
schwerlich", fügt er hinzu, „würden die Mönche ihrer Mutter 
stätte einen so anrüchigen Namen gegeben oder belassen haben." 
Auch er weist die Behauptung einer Klostergründung in 
Barnim vor Besitzergreifung durch die Markgrafen zurück. 
Und in der That, mag auch dies und jenes für eine 
andere Anuahme sprechen, auch wir sehen uns genötigt, an 
der Ansicht festzuhalten: Kloster Kagel war kein Kloster, dessen 
Glocken ernste Mönche zu Butzübungen und frommen Liedern 
riefen, sondern es war von Anfang an ein Filial des Klostes 
Zinna, ein sogenanntes Feldkloster, also ein Vorwerk, ein 
Wirtfchaflshof (grangia). 
Feldklöster b) waren in der Mark noch in Rüdersdorf 
(Kreis Niederbarnim), in Klosterdorf (Kreis Oberbarnim), in 
Marienwalde bei Wandlitz (Kreis Niederbarnim), in Htmmel- 
städt (Kreis Landsberg a. W.). in Gohlitz (Kreis Westhavel 
land). in Münchehofe (Kreis Beeskow-Storkow). 
Dergleichen abgesonderte Zweige °) hatten die Cistercienser 
besonders auf entfernten Besitzungen, die vom Hauptkloster 
nicht bewirtschaftet werden konnten. Man muß sich unter diesen 
Feldklöstern keine großen Gebäude, die mit einer zahlreichen 
Brüderschaft besetzt waren, denken. Vier bis fünf Mönche, 
von welchen der eine Lektor war, bildeten die ganze Gesellschaft 
und bewohnten miteinander ein Haus, in welchem sie ihren 
klösterlichen Pflichten nachkamen, außer den kanonischen Stunden 
aber die Geschäfte auf dem Felde besorgten. Sie hatten das 
Interesse des Hauptklosters wahrzunehmen und waren auch 
nur auf eine Zeitlang nach einem solchen Feldkloster gesandt, 
wurden später wieder zurückberufen und dann durch andere 
Brüder ersetzt. Der Lektor, zugleich Hofmeister und Vogt, 
war ein wirklicher Cistercienser; die andern Klosterbrüder waren 
nur Halbmönche in einer besonderen Tracht, zum Gehorsam 
und zur Ehelosigkeit verpflichtet. Der Vogt hatte die Feld- 
und Hauswirtschaft zu leiten und zu überwachen, auch wohl 
selbst Hand mit anzulegen. Er halte die aus den Kloster 
dörfern aufgebotene Mannschaft in den Krieg zu führen, aber 
4 ) Vergl.: Bär, Berliner Jllustr. Zeitschrift, Jahrg. 1883 Seite 212. 
6 ) Vergl: Riehl u. Scheu, Berlin und die Mark Brandenburg. 
e ) Vrrgl.: Fischbach, Städtcbeschreibung der Mark. S. 493, 486. — 
Hefftc, Geschichte von Zinna. 
auch in seiner Amtsstube die Polizei und Erbgerichtsbarkeit 
auszuüben und dabei die einzelnen Geldgefälle der Kloster 
unterthanen zu erheben. Außerdem hatte er die peinliche 
Gerichtsbarkeit zu hegen, welche dem Kloster über alle seine 
Dörfer verliehen war, und wozu es ein besonderes Hochgericht 
unterhielt. Der märkische Chronist Haftiz erzählt, daß im 
Zinnaer Klosterlande bei jeder Hinrichtung nach altem Her 
kommen jeder Hüfner ein Ei, jeder Kossät 6 Pfennige an 
den Klostervogt habe entrichten müssen. Er deutet zugleich an, 
daß man, um dieses Einkommen aus den 28 Dörfern zu be 
ziehen, möglichst oft hingerichtet habe. Die „hochnothpeinlichen 
Halsgerichte" fanden auf einer Anhöhe südlich von Rüders- 
dorf, dem Galgenberge, statt. 
Das gesamte Territorium des Barnim gehörte zu Anfang 
des 13. Jahrhunderts einem gewissen Dominus Barwin oder 
Bornem, einem slavischen Edlen, der vielleicht mit dem 
Pommernherzog Barnim, einem Sohne Kasimir I.. identisch 
ist. Von diesem erwarben, jedenfalls käuflich, zwischen 1220 
und 1232 die brandenburgischen Markgrafen Johann I. und 
und Otto III. die Länder Barnim und Teltow. 
Den beiden Markgrafen lag es nun vor allem daran, 
daß die neuen Länder germanisiert und christianisiert wurden. 
Es war ihnen deshalb jedenfalls sehr willkommen, daß Kloster 
Zinna, wie wir wohl mit Bestimmtheit annehmen dürfen, um 
Ueberlassung eines Teils des neuen Landes behufs Kullivie- 
rung sich bewarb. Die Klöster waren eben zu damaliger 
Zeit das geeignetste Mittel zur Urbarmachung unkultuvierter 
Gegenden. 
Obschon die vielen Erwerbungen Zinnas sonst ein wohl 
zusammenhängendes und abgerundetes Gebiet bildeten, er 
hielten seine Mönche jetzt einen Teil des neuen Landes, 
südwärts der Stadt Straußberg, angewiesen. Da sie in ihrem 
Erbbuche von einem Ankäufe nichts sagen, so erhielten sie das 
Land wahrscheinlich ganz umsonst. Im Jahre 1250 wurde 
Kloster Zinna von den Markgrafen mit dem beschriebenen 
Gebiet, das in den Klosterschriften häufig das „nyge" Land 
(neue Land) genannt wird, wirklich belehnt. 
In dem neuen Lande schufen nun die Mönche?) von 
Kloster Kagel aus. unbeirrt durch die predigenden und 
bettelnden, nicht aber auch arbeitenden Dominikanermönche, 
welche 1254 in Straußberg angesetzt wurden und alle dortige 
Seelsorge übernahmen, besage ihres Erbbuches und auch des 
Landbuches der Mark von 1375, folgende elf eigentümliche, 
bald aber mit Pachtbauern besetzte Dörfer: Hohnau, Kloster- Z 
dorf. Werder. Zinndorf, Rehfelde, Hornsfeld (jetzt Herzfelde), 
Hennickendorf, Rüdersdorf, Cogel (jetzt Kagel), Kienbomen 
(jetzt Kienbaum) und Lichtenau (jetzt, wie zur Wendenzeit, 
Lichtenow). Diese Namen verraten völlig deutsche, insbesondere 
Zinnaische Stiftung; sie entstanden in einer vorher spärlich 
bewohnten, von den Mönchen erst urbar gemachten Wildnis, und 
zwar binnen einem Jahrhundert. Die Zinnaer Mönche be 
richten in ihrem Erbbuche genau, von wie vielen Hufen jedes 
Dorf ihnen zinse — alle 11 von 118 —, auch, daß sie in 
Straußberg ein Haus erwarben. 
(Schluß folgt.) 
7 ) Vergl.: Hcffter, Geschichte von Zinna.
        
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