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Periodical volume 2. Oktober 1897, No. 40

Full text: Der Bär Issue 23.1897

die Grundmauern umgaben, fanden zur Mcrgelung des Ackers 
ihre Verwendung. Vor wenigen Monaten find die letzten 
riefigen Feldsteine entfernt worden. Sie haben ihren Platz 
in einer künstlichen Grotte im Parke des Kahlbaumschen Jagd, 
schlosses bei Kagel gefunden. So sind auch die letzten stummen 
Zeugen, welche auf die Klosteranlage deuteten, verschwunden. 
Zu bewundern bleibt nur die kolossale Arbeit, die das Herbei 
schaffen der Steine und des Lehms verursacht haben muß, da 
die ganze Dorfgemarkung beides nicht aufzuweisen hatte. 
Nach alledem hat es wirklich den Anschein, als sei Kloster 
Kagel ursprünglich als 
selbständiges Kloster er 
baut worden und viel 
leicht Mutterkloster Zin 
nas gewesen. Es müßte 
dann nur angenommen 
werden, daß Zinna Kagel 
sehr bald überflügelt 
hätte, und daß letzteres 
später zu einem söge- 
nannten Feldkloster 
herabgesunken sei. Wie 
dem nun aber auch sei, 
jedenfalls unterschied sich 
Kloster Kagel von an 
deren Feldklöstern durch 
seinen größeren bau- 
lichcn Umfang, wie auch 
durch die hohe kulturge 
schichtliche Bedeutung, 
die es für die ganze 
Umgegend gewann. 
Das Dunkel des ur 
sprünglichen Vechältniffes 
zwischen Zinna und Kagel 
wird nicht zu lichten 
sein, so lange der eigen«, 
liche Urkuudenschatz des 
Klosters Zinnas nicht 
aufgefunden ist. ' Das 
Magdeburger Provinjial- 
archiv bewahrt unter 
Titel Zinna Kloster 
Nr. 11 nur: „Des Erz- 
bischoffs Albrecht Revers 
gegen das Kloster Zinna 
wegen etlicher Kleinodien, 
Privilegien und Briefe, die er aus demselben in seine Ver 
wahrung genommen, Zinna am Freitag nach Himmelfahrt 
1546." Dieser Schatz liegt (nach Anficht Heffters) vielleicht 
in Mainz oder Aschaffenburg, wo Erzbiscyof Albrecht von 
Magdeburg als gleichzeitiger Kurfürst von Mainz meist zu 
weilen pflegte. Daher konnte auch die in von Ledeburs 
Archiv, Band XI, versuchte, vom Ortspfarrer Kost herrührende 
Spezialgeschichte nur dürftig ausfallen. Dieser Prediger Kost 
zu Zinna schreibt am 7. August 1784 in seiner „Summarischen 
i) Vergleiche: Heffter, Urkundliche Chronik der alten Kreisstadt 
Jüterbock und ihrer Umgebungen, namentlich des Klosters Zinna u. s. w. 
Seite 279 (Jüterbock 1851; bei A. M. Colditz). 
Nachricht von Kloster Zinna": „Die Mönche des Feldklosters 
bei Rüdersdorf berief mau, das neue Kloster zu besetzen und 
die Religion zu befördern. Die gute Versorgung in dieser 
neuen Kloster-Abtey machte sie dazu ganz willig; sie ver 
pachteten ihre alte Wirtschaft, um bei Einrichtung desto ge 
schäftiger zu sein." 
Friedrich Dionysius, Pastor zu Luckenwalde und zugleich 
Chronist von Zinna, schreibt 1575 in seinen im Jahre 1734 
von dem ehemaligen Diakonus in Jüterbock, Eckardt, heraus 
gegebenen „Armales“: „Anno 1171 stiftete Erzbischof Wich- 
niann das Kloster Zinna 
und besetzte es mit 
Cistercienser Mönchen, 
welche Benedicti Regel 
folgten und aus vem 
Feldkloster bei Strauß- 
berg ihren Ursprung 
haben sollen." 
Auch das „Landt-Buch 
der eptei Zinna 1560" 
unterstützt durch eine 
Notiz diese Annahme?) 
I» dem Teile dieses 
Laudbuches. welcher das 
„Register vom Eigen 
thum vber Barnem in 
der Mark Brandenburg" 
enthält, heißt es an einer 
Stelle: „Lentze Hoppe 
giebt uns (den Mönchen) 
XII Groschen von einem 
Acker, da weyland unsere 
Wonung gewesen." 
Fldicln^) aber meint, 
gerade durch diese Be 
merkung im Zinnaer Erb 
register seien die älteren 
Geschichtsschreiber offen 
bar irre geleitet worden. 
Unter diesem „weyland" 
sei sicher nicht eine Zeit 
vor 1171, sondern nach 
1250 zu verstehen. 
„Diese Angaben stehen 
mit den neueren For 
schungen dergestalt im 
Widerspruch, daß sie 
gänzlich zu verwerfen find. Ohne Zweifel ist Kloster Zinna, 
wie das 1180 gegründete Kloster Lehnin, mit Cisterciensern 
aus dem jenseits der Elbe gelegenen, 1140 gestifteten Kloster 
Sittichenbach besetz! worden." 
Nach anderen Angaben ist jedoch Zinna sowohl wie 
Kagel mit Cisterciensern aus dem Kloster Altencampen bei 
Geldern besetzt worden. Der Name Kagel dürfte auch darauf 
hindeuten, daß die mit den Mönchen angesetzten Kolonisten 
aus Holland stammten. In dem Ortsnamen haben Stammes- 
2 ) Vcrgl.: Trinius, Märkische Streifzüge. Band II., Seite 158. 
8 ) Fidicin, Territorien der Mark Brandenburg. Band I. 
Friedrich der Große im Mter am Schreibtisch. 
Au« dem historischen Prachtwerk: „Die Hohenzollern und da» deutsche Vaterland" 
sVerlag von F. A. Berger in Leipzig).
        
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