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Periodical volume 25. September 1897, No. 39

Full text: Der Bär Issue 23.1897

Jahre 1880), und mit Zeitungen gefüllte Säcke gingen in dem 
gleichen Jahr in 23 441 Fahrten 368 767 ab. Un 
mittelbare Verpackung der Zeitungen fand für 10 007 
Postanstalten statt. Die Zahl der außergewöhnlichen 
Zeilunzsbeilagen ist auf i4 709 949 mit einer Gebühren 
einnahme von 38 084 Mark (anno 1894) gestiegen, und die 
im Bereiche des Zeitungsamtes bewirkten Zeitungs-Ueber- 
mcisungen beziffern sich auf 213 617. Die Zahlungen 
an Berliner Verleger sind von 1870—1894 von 2 320 614 Mk. 
auf 6 539 996 Mk. gestiegen. Der Abrechnungsverkehr 
erstreckte sich (1894) auf 3922 Postanstalten, welche auf 
32 216 Postanweisungen 7 107 476 Mk. einlieferten. An 
Zeitungsbestellungen gingen 490 000 ein, und die Zahl 
der Geschäftsnummern betrug 1 656 875. Die bei der 
Amtskasse umgesetzten Barbcträge erreichten (1894) die Höhe 
von 15 886 189 Mk. 
Von den verschiedenen Gesetzblättern, deren Verlag und 
Vertrieb dem Post-Zeiiungsamte obliegt, kommt in erster 
Linie die „Gesetzsammlung" in Betracht, welche (1894) 
in deutscher Sprache in 66/210 Exemplaren, in deutsch 
polnischer Sprache in 3 bis 4000 Exemplaren und in 
deutsch-dänischer in 4 bis 900 Exemplaren hergestellt wurde. 
Sodann ist das „Reichsgesctzblatt" zu erwähnen, welches 
gegenwärtig in einer Auflage von 110,500 Exemplaren er 
scheint und vom Jahre 1893 bis Ende 1894 OO'/z Millionen 
Druckbogen umfaßte. Ferner das Amtsblatt des Reichs- 
postamtes mit einer Auflage von 19000 Expl. und das 
„Archiv für Post und Telegraphie" mit einer solchen von 
17650 Expl. Auch zum Vertriebe des Reichscours 
buches hat das Postzeitungsamt mitzuwirken und die 
große internationale Zeitungspreisliste herzustellen, 
in welch letzterer die Zeitungen nach den Ländern, in denen sie er 
scheinen, geordnet sind. Diese internationale Zeitungspreisliste 
umfaßt gegenwärtig 477 Druckseiten, gelangt aber nur an 
fremde Verwaltungen und an die deutschen Grenz- oder Aus 
wechselungspostanstalten. 
Die gewöhnliche, für die Postanstalten vom Post-Zeitungs- 
amte hergestellte Preisliste (Preiscourant) pro 1895 erschien 
in einer Auflage von 7425 Expl. und umfaßt 10.837 Zeitungen 
und Zeitschriften, davon 7994 in deutscher und 2845 in 
fremden Sprachen. 
Kloster Kagel, 
Wie der großen gemeinschaftlichen Mater der märkischen 
Klöster, dem Kloster Citeaux (Cistercium) in Frankreich, so 
ist es auch den Töchtern und Enkeltöchtern ergangen: die 
Klöster selber, sie find dahin; so auch das von dem Kloster 
Zinna ins Leben gerufene Enkelkind, das Kloster Kagel. 
Ueber die Stätte, wo es sich einst erhob, zieht heute die 
Pflugschar ihre Spuren, um der Erde den kargen Tribut 
abzuzwingen. Und wie viele in der Mark, die in alten Kloster 
mauern wohnen, nicht wissen, daß es Mönche, wenigstens sicher 
nicht, daß es Cistercienser waren, die vor ihnen die Stätte 
tnne hatten, so dürfte es auch in der Umgebung Kagels viele 
geben, denen es unbekannt ist, daß einst Cistercienser am 
Baberowsee bei Kagel sich ein Kloster erbaut haben. Und 
doch waren sie, wie an so vielen anderen Stellen der Mark, 
so auch hier im Südosten des heutigen niederbarnimschen 
Kreises die Pioniere, die Hunderten und Tausenden von 
Kolonisten, welche nach ihnen kamen, die Wege der Koloni 
sation bahnten. Von Kloster Kagel aus haben die Cistercienser. 
Mönche zuerst angefangen, die hiesige Gegend zu bebauen und 
so der Kultur und dem Christentum auch hier eine Stätte 
zu bereiten. Rufen wir uns denn die kulturgeschichtliche B.» 
deutung des jetzt längst verschwundenen Klosters in Erinnerung, 
und beginnen wir damit, daß wir uns zunächst das Kloster 
land und die Bewohner des Klosters vor der Mitte des 
13. Jahrhunderts vergegenwärtigen! 
Das dem Kloster Kagel unterstellte Zinnaer Klostergebiet, 
dem Plateau des Barnim angehöcig, lag südlich der Stadt 
Straußberg und reichte weiter südwärts bis an die Spree. 
Die Ostgrenze dieser physisch abgeschlossenen Landschaft *) 
bildete, wie noch heute das rote Luch (die Stobberow), die 
Köpernitz und die Löckuitz. Ziemlich parallel läuft die natür 
liche Westgrenze, welche durch eine Thalrinne gestaltet wird, 
in welcher Stienitz-, Stolp-, Kalk-, Flaaken- und Dämeritzsee 
ihr Bett haben. Von den übrigen Einsenkungen im Terrain 
sind das Löcknitzthal, die sechs Löcknitzseen in der Rüdersdorfcr 
Forst und die vier Kageler Seen zu erwähnen. Durch das 
Mühlenfließ, eine Längsrinne, fast parallel dem Ost- Mid 
Westthal, erhalten die Kageler Seen Zufluß, durch andere 
natürliche Verbindungen Abfluß nach der Löckuitz und durch 
diese nach der Spree. Das Terrain steigt im allgemeinen nach 
Norden an und fällt zur Niederung des Löckuitz- und Spree- 
thals ziemlich steil ab. 
Die nach 1250 gegründeten Ortschaften gehören im 
wesentlichen den Höhenlagen und dem Plateau an, während 
die ältesten Ansiedelungen, welche wendischen Ursprungs sind, 
in der wasserreichen und meist sumpfigen Niederung zu finden sind. 
Wir müssen uns diese, etwa vier Quadratmeilen große 
Landschaft, wie überhaupt den Barnim, zur heidnischen Wenden 
zeit mit großen, dichten Wäldern bedeckt, die Thäler und Fluß 
läufe von ausgedehnten, mit Eichen und Erlen bestandenen 
Sümpfen gefüllt denken. Es war eine wilde Urgegend, wie 
sie die Natur selbst gebildet hatte; erst nach der Mitte des 
14. Jahrhunderts erhielt das Land im allgemeinen den Cha 
rakter, den es heute hat. 
In dieser Wildnis hauste, nur dem Fürsten Jaczo von 
Köpenick gehorchend, das slavische Volk der Wenden, seßhaft 
in den Dörfern Baberow (Kagel), Lichtenow, Stienitz (Hen- 
nickendorf). Kietz (bei Woltersdors), Köpernitz (Coprinti) und 
Prelanki, welch letztere beide aber schon um 1375 verschwun 
den sind. Dem Wasser entlang drangen die ersten Ansiedler 
vor. Wie überall, so finden wir auch hier am Thalrand die 
ersten Ansiedler. Ganz besonders der Wenden Eigentümlichkeit 
war es, die Niederungen zu suchen, um hier den Fischfang 
zu treiben. Denn die Wenden trieben nur spärlich Ackerbau, 
stärker Vieh- und Bienenzucht. Tiefe Brunnen verstanden 
sie nicht zu bauen, konnten also nicht die Hochebene, 
sondern nur die Niederung bewohnen. Sonach waren alle 
ihre Dörfer von wenig Ackerland, wohl aber von großen 
Waldungen und Wiesenflächen umgeben. In einer solchen 
mit Seen angefüllten Niederung lag Baberow; in einer 
*) Vergleiche: Erläuterungen zur geologischen Spezialkarte von 
Preußen, Blatt Rüdersdorf. — Rüdersdorf und Umgegend. Auf geo- 
gnostischer Grundlage agronomisch bearbeitet von vr. Albert Orth. — 
Rüdersdorf und Umgegend von vr. Eck. — Alle drei bei: Simon 
Schropp (I. H. Neumann), Berlin.
        
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