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Periodical volume 4. September 1897, No. 36

Full text: Der Bär Issue 23.1897

„Anno 1759, ein paar Wochen vor Weihnachten, kam 
eine Parti etliche 100 Kosacken bis Crossen, die abermals 
alles in Alarm brachte, ward aber von der Crossnischen Be 
satzung des Sydowschen Garnisonregimentes znm Rückzüge 
genötigt." 
„Anno 1760 haben wir hier keinen Feind eher gesehen als 
bald nach Michael. Den Sonntag vor Michael kamen 
mehrere Flüchtige aus Crossen hier durch und brachten die 
Furcht vor den Rüsten mit, damit ging das Flüchten der 
Landleute an. Das Rindvieh mußte sortgebracht werden. 
Die hiesige Herrschaft nahmen ihr Vieh, Pferde und Schweine 
hinter Bernau nach Zedeniä und hielten es. Die Rießnilsche 
Herrschaft ließ ihre und ihrer Unterthanen Vieh und Pferde 
nach Neustadt Eberswalde zu treiben uud erhielten sie vor 
dem Feinde, desgleichen auch ihre Schafe und meine mit 
darunter. Ich ließ meine Mutter nach Reppen bringen, des 
gleichen auch mein Rindvieh, 2 Ochsen, 2 Kühe, welches auch 
daselbst erhalten, obschon die Ochsen für die Russen daselbst 
einmal vorgespannt 
werden müssen. Da 
selbst erhielten auch 
die Kossäthen Coritter 
und Schnörr wie 
auch noch mehrere 
Leute auf Dörfern ihr 
Vieh. Sintemal in 
diesem Jahr nur der 
kleinere Teil der 
russischen Armee auf 
diesseit der Oder ging, 
der größte Teil aber 
jenseil über Guben 
und Fürstenberg. 
Den 2. Oktober 1760 
kam hier die erste 
Kosakenpatrouille 
von 4 Mann an, die 
aber keinem Gewalt 
thaten, wie sie denn 
überhaupt in diesem 
Jahr hier nicht so schlimm gewirtschaftet haben als 
voriges Jahr. Den 3. Oktober bald morgens kamen die 
russischen Dragoner hierher^ fouragieren, doch nur aus den 
Scheunen. Meine Scheune ward samt dem Heuboden 
nicht übergangen. Weil ich vernahm, daß ein deutscher 
Offizier unten im Dorfe sei, der bereits nach dem Prediger 
gefragt habe, so machte ich mich an ihn und bat ihn. 
in meinem Hause Logis zu nehmen, welches dann ihm 
sehr complaisant war und sogleich darein willigte, es war 
der Baron von Stakelberg, Kapitän von dem Narwaischen 
Dragonerregiment. Solange derselbe in meinem Hause logierte, 
war mein Haus und Hof so sicher wie im Frieden. Denselben 
Tag nachmittag aber bekam er Ordre, aufzubrechen, auf mein 
Ansuchen aber ließ er mir einen von seinen Dragonern zur 
Salve garde bis den folgenden Tag aus den Abend, da 
nach seiner Meinung die Armee wohl werde durchpassiert sein, 
welches auch eintraf. Den Sonnabend, als den 4. Oktober, 
defilierte die russische Armee durch und neben dem Dorfe weg, 
dabei abermal sehr viel Bagage war, weil ich aber den 
Dragoner zur 8alve garde hatte, so war ich völlig sicher, 
und mußten die Kosaken unverrichteter Sache bei meinem Hofe 
vorbei. Den Sonnabend ging derselbe (der Dragoner) ab, 
erhielt aber von meinem russischen Kapitän von der Infanterie 
einen Kosaken zur 8a1ve garde die Nacht durch. Den Sonn 
tag früh, als den 5. Oktober, ging derselbe auch ab, und 
sodann kamen bis den 7. Oktober keine Parti mehr. Den 
folgenden Morgen aber kam eine starke Parti von etlichen 
100 Kosaken, diese nahmen alles, was noch übrig war, 
Schweine, Vieh und Pferde, was sie nur ausforschen konnten, 
und so verloren die hiesigen Gegenden fast alles, was sie noch 
erhalten. Ich behielt nur einen Ochsen und zwei Kühe. 
Damals war das Feld von den meisten Leuten nur sehr 
schlecht bestellt, wenige hatten noch genug Anspannung, manche 
Leute mußten selbst den Pflug ziehen, mancher fing zu spät 
an, auch gesäet wurde vieles zu spät, das sonst früh gesäet 
werden sollte. Was Wunder also, daß eine schlechte Ernte 
daraus folgte. Ich säte 15 Scheffel aus und bekam kaum 
noch einmal so viel 
wieder. Jedoch 
waren bei dem Ein 
fall der Russen noch 
auf den Festungen 
große Vorräte von 
altem Korn, das vor 
ihnen meistens erhallen 
geblieben, das mochte 
wohl die Ursache sein, 
daß das Korn noch 
nichi so gar teuer 
war; sondern 1 Thl. 
20 und 22 Groschen, 
2 Thaler bis 2 Thaler 
8 und 12 Groschen 
der Scheffel galt." 
Soweit der Tam 
mendorfer Pastor in 
seinen Berichten. Es 
waren Zeiten schwerer 
Not und Gefahr für 
unser Vaterland, daher es denn auch nicht verwunderlich 
ist, daß die Herzen eine mächtige Sehnsucht nach dem Frieden 
ergriff. 
1762 schreibt der uns schon bekannte Verfasser des letzten 
Teiles der Massower Pfarrannalen, Helm, an den Schluß des 
Kirchenbuches folgende Verse, die der allgemeinen Friedens 
sehnsucht Ausdruck verliehen: 
„Ach Gott, des Krieges Glut brennt schon ins 6. Jahr. 
Gelitten haben wir derzeit viel Drangsal und Gefahr. 
Mach' End' aus Gnaden. Herr! mit so trübsalsvollen 
Zeiten. 
Laß uns den güldnen Fried' in diesem Jahr erbeuten!" 
Und 1763 jubelt er, als die erste Friedensbotschaft kam: 
„Der Herr, der große Gott, hat gnädiglich erfüllet, 
Was oben wir gefleht, und unverhofft gestillet 
Zum Teil des Krieges Feuer, und uns des Friedens 
Sonn' 
Hell lasten aufergeh'n zu großer Freud' und Wann'. 
Transnnnl-AussieUnng in Kerlin. Goldgräber-Muke und KMentown-Kranl.
        
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