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Periodical volume 21. August 1897, No. 34

Full text: Der Bär Issue 23.1897

Anhänger auf. Ja, eben im Jahre 1578, wo Dohna ihm 
seine Dienste anbot, folgte er einem Rufe um Hilfe nach den 
Niederlanden, welche damals den Kampf gegen die spanische 
Willkürherrschaft führten. Zwietracht unter den Führern und 
Geldmangel vereitelten leider die Anstrengungen Johann 
Kasimirs. Auch seine Reise nach England war, da die Königin 
ihm die erbetene Unterstützung versagte, vergeblich. Dohna 
war im Felde und auf der Reise der treue Begleiter seines 
Herrn, der ihm bald solches Vertrauen schenkte, daß er ihm 
die wichtigsten Missionen übertrug. So machte sich der junge 
Graf während des sogenannten Kölnischen Krieges 1588 durch 
seine Umsicht als Diplomat und durch seine Tapferkeit als 
Soldat unentbehrlich, und als der Hugenottenkrieg sich von 
neuem entfachte, verwendete sich Dohna an verschiedenen 
Höfen für die bedrängten Glaubensgenossen in Frankreich. 
Nur eine kurze Unterbrechung seiner Thätigkeit in der Pfalz 
brachte ihm der russische Krieg, dem er im Heere des Polen- 
königs, nicht ohne sich mehrmals sehr hervorzuthun, von 
Anfang bis Ende beiwohnte. 
„Grausam große, vielfältige Ge 
schäfte" fand er bei seiner Rück 
kehr zum Pfalzgrafen vor, denn 
nach dem Tode Ludwigs, seines 
Bruders, wurde Johann Kasimir 
als Vormund seines Neffen 
Friedrich Kurfürst von der Pfalz. 
Als solcher benutzte er die Ver 
größerung seiner Machtmittel, um 
im Bunde mit anderen protestan 
tischen Fürsten ein Heer nrch 
Frankreich zu entsenden, zur 
Rettung der Hugenotten vom 
drohenden Untergang. Führer 
desselben wurde Fabian von 
Dohna. Da dieser sich aber mit 
einem anderen aus Schweizern 
und Franzosen bestehenden Heere 
unter Führung des allzu jungen 
Herzogs von Bouillon verbinden 
mußte, so war er in seinen Plänen 
sehr behindert. Krankheit, Geldnot und Mangel an Nahrungs 
mitteln verringerte die Zahl seiner Truppen von Tag zu Tag, und 
als Navarra gegen sein Versprechen nicht zur rechten Zeit an der 
Loire erschien, um die Führung zu übernehmen und aller Not ein 
Ende zu machen, brach unter den Soldaten eine Empörung 
aus, die nur unter großer Mühe beschwichtigt werden konnte. 
Den Ueberfall von Vimoris schlug Dohna siegreich zurück, 
aber zu Anneau erlitt er durch die Treulosigkeit eines 
Franzosen eine Schlappe, nach welcher seine Soldaten in 
wilder Flucht in die Heimat zurückeilten. 
Dohna ließ sich durch diesen unglücklichen Ausgang des 
Feldzugs nicht entmutigen und zog einige Jahre später als 
Oberst Christians von Anhalt wieder nach Frankreich. Bei seiner 
Rückkehr nach Heidelberg stand er trauernd an dem Grabe des 
Pfalzgrafen, mit dem eine innige Waffenbrüderschaft und selbstlose 
Freundschaft ihn verbunden hatte. Das Regiment des neuen 
Kurfürsten Friedrich V. sagte ihm zwar nicht zu, doch widmete 
er auch ihm als dem Neffen des teuren Entschlafenen gern 
seine Dienste und vertrat ihn dreimal auf dem Regensburger 
Reichstag. Mehr und mehr aber zog er sich von diesem 
hochmütigen Verschwender zurück, zumal auch die schon lange 
vernachlässigten Güter in Preußen dringend der Anwesenheit 
ihres Herrn bedurften. 
Es genügte indes Dohna nicht, in Ruhe und Frieden seine 
Aecker zu bestellen. Nachdem er der abenteuernden Wanderlust 
seines Volks Tribut gezahlt hatte, wollte er in den Meister 
jahren des Lebens seine umfassenden Kentnisse und seine reichen 
Erfahrungen zum Wohle des Vaterlandes verwerten. Das 
Herzogtum Preußen bedurfte gerade damals, am Anfange des 
17. Jahrhunderts, wackerer Männer. Bald mußte sich das 
Schicksal desselben entscheiden, denn weder dem blöden Herzog 
Albrecht Friedrich, noch seinem Vetter und Vormund Georg 
Friedrich blühte ein männlicher Erbe. Sollte nach ihrem 
Tode der polnische König Preußen als Woiwodschaft seinem 
Reiche einverleiben, oder sollte das Land durch Vererbung auf 
den Kurfürsten von Brandenburg dem Deutschtum erhalten 
bleiben? Fabian mit seinem Abscheu vor polnischem Wesen 
und polnischer Art wünschte das 
letztere und war fest entschlossen, 
sein Möglichstes zur Bekämpfung 
des Polentums beizutragen. 
Schon 1589 auf dem Reichstage 
zu Warschau setzte er haupt 
sächlich es durch, daß König 
Sigismund bei der Erneuerung 
der Investitur Georg Friedrichs 
auch das kurbrandenburgische 
Haus mitbelehnte; und als jetzt 
vom Reichstage des Jahres 
1600 wenig erfreuliche Nach 
richten über polnische Pläne und 
Absichten eintrafen, da stellte 
■ er sich an die Spitze jener 
Bewegung, die durch Bewaff 
nung und militärische Uebungen 
des Landvolks die Selbständig 
keit des Herzogtums zu sichern 
suchte. Erwünschten Beistand 
leistete ihm dabei der Kurprinz 
Johann Sigismund, der nach vorheriger Verhandlung mit den 
Landständen sich der Sache eifrig annahm und solche Waffen, 
die im Lande nicht für Geld zu bekommen, waren, herbei 
schaffen ließ. Als der Kurprinz zu einer Beratung mit seinem 
Vater Joachim Friedrich in Küstrin unter anderen auch Dohua 
hinzuzog, wußte dieser die Gunst des Kurfürsten in so hohem 
Maße zu gewinnen, daß man ihm glänzende Anerbietungen 
für seinen Eintritt in brandenburgische Dienste machte. Zwar 
erteilte er ablehnenden Bescheid, doch gab er gern das Ver 
sprechen, auf dem Reichstag zu Warschau für die Erbansprüche 
Johann Sigismunds nach Kräften einzutreten. 
Im Jahre 1603 schloß Georg Friedrich, Markgraf von 
Brandenburg und Administrator des Herzogtums Preußen, für 
immer die Augen. Erhielt Joachim Friedrich jetzt nicht die 
Vormundschaft über den blöden Herzog, so war Preußen für 
ihn verloren. Er erhielt sie zunächst nicht, denn wider Erwarten 
bestimmte der polnische Reichstag dieses Jahres, daß die vier 
Regimentsräte, Preußens oberste Behörde, die vormundschaftliche 
Regierung führen sollten, nnd der König verschob die Antwort 
DgF Gräflich Voflnn'sche Wappen.
        
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