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Periodical volume 21. August 1897, No. 34

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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Kugel mitten in die Brust getroffen, sank der Pole hintenüber 
vom Pferde. 
Der Fall ihres Führers brachte neue Verwirrung in die 
Masse der Frcischaren. Alles drängte rückwärts, unbarm 
herzig von den Säbeln der Husaren zusammengehauen. Viele 
wandten sich zur Flucht, warfen die Waffen weg und suchten 
Schutz im Walde oder in den Sümpfen, in denen sie versanken. 
Aber schon drohte neue Gefahr. Unablässig drangen vom 
Damm her neue Scharen von Freiheitskämpfern hervor. Sie 
nahmen die Flüchtigen auf und entwickelten sich auf dem Blach- 
felde zu geschloffenen Kolonnen, die regelrecht mit vorgestreckten 
Lanzen, die Schützen hinter sich, vorrückten. 
Die Lage wurde immer gefährlicher. Das kleine 
Häuflein der Preußen war bedenklich zusammengeschmolzen, 
trotz seiner beispiellosen Tapferkeit. Nur noch kurze Zeit, und 
auch der Rückzug war für sie abgeschnitten. Vor sich. hinter 
sich Feinde in unabsehbarer Zahl! 
Schon wollte der Rittmeister das Signal zum Rückzug 
geben lassen, denn ec sah ein, daß er mit seinen Leuten der 
Uebermacht erliegen müsse. 
Da nahte die Rettung. 
Mit lautem „Hurrah" brach die zweite Schwadron über 
den schmalen Wiesenstreifen zwischen Wald und Moor hervor, 
marschierte auf dem Blachfelde auf und stürzte sich den feind 
lichen Kolonnen in den Rücken. 
Ein panischer Schrecken ergriff die Freischärler. Alles 
wandte sich zur Flucht. Scharenweise warfen die Leute die 
Waffen weg, stürzten auf die Kniee und baten um Gnade. 
Wer sich widersetzte, wurde niedergemacht. 
Hei, das war ein lustiges Jagen, so ein echtes Reiter 
stücklein! In fliegender Hast, was die Pferde nur laufen 
konnten, verfolgten die braven Ziethen-Husaren die Flüchtigen. 
Die Gefangenen wurden zusammengetrieben und bis zum an 
brechenden Morgengrauen bewacht. Als die Mondsichel er 
bleichte und die Sonne strahlend im Südosten die Dunstschicht 
durchbrach, beleuchtete sie ein grauenvolles Totenfeld. 
Karl war bei Beendigung des Kampfes ermattet vom 
Pferde gesunken und von seinem treuen Christian aufgefangen 
worden. Außer der Beinwunde hatte er noch mehrere andere 
Wunden erhalten und starken Blutverlust erlitten. Bei der 
kolossalen Anspannung aller Körper- und Seelenkräfte während 
des Kampfes hatte er der Wunden nicht geachtet. Jetzt aber 
waren seine Kräfte zu Ende. 
Der Rutmeister der zweiten Schwadron von Selchow 
übernahm das Kommando. Er übertrug die Führung der 
ersten Schwadron dem Premierleutnant von Versen und 
stellte einstweilen erfahrene Sergeanten an die Stellen der 
verwundeten Offiziere. 
Noch in der Nacht waren Boten abgeritten, um Wagen 
zum Abholen der Verwundeten zu requirieren. Diese trafen 
mit Tagesanbruch ein und nahmen ihre traurige Ladung in 
Empfang. Auf einem derselben lag auch Karl, dem Christian 
einen Notverband angelegt hatte. 
Von den Gefangenen hatten sich einige unter dem 
Schatten der Nacht wieder davon geschlichen. Die übrigen 
wurden unter starker Eskorte nach Gnesen geführt; ebenso 
wurden die transportfähigen verwundeten Husaren ins dortige 
Milüärlazarett gebracht. Die lebensgefährlich Verletzten 
wurden teils im Schlosse, teils in den besseren Bauernwirt 
schaften untergebracht. Der Regimenischirurgus und noch ein 
zweiter Arzt. der schleunigst aus Gnesen herbeigeholt worden 
war, behandelten sie. Die verwundeten Freischärler übergab 
man den Kossäten; ihren Angehörigen wurde es anheimgegeben, 
sie nach Hause zu holen. 
Am andern Tage bot der Rittmeister von Selchow eine 
Anzahl Bauern und Hörige auf. um die Toten zu beerdigen, 
was gleich in langen Massengräbern auf dem Schlachtfelve 
geschah. Ein Unterschied zwischen Freund und Feind wurde 
wegen der großen Ausdehnung des Kampfplatzes nicht gemacht. 
(Fortsetzung folgt.) 
Fabian von Dolma. 
Von Or. Hans Georg Schmidt — Sachsenburg. 
Mit zwei Abbildungen. 
Als kürzlich die Nachricht durch die Blätter ging, daß 
Fabian von Dohna neben dem Kurfürsten Johann Sigismund 
in der Stegesallee ein Denkmal erhalten werde, da fragte sich 
gewiß mancher, auf Grund welcher Verdienste ihm noch nach 
so vielen Jahren solche Auszeichnung zu teil werden solle. 
Wir unterziehen daher im folgenden den Lebenslauf dieses 
Mannes einer kurzen Betrachtung. 
Fabian von Dohna entstammt jenem berühmten Burg 
grafengeschlecht, das noch jetzt in Ost-Preußen ausgedehnte 
Besitzungen hat. Er wurde am 26. Mai 1550 auf dem 
Schlosse Stum geboren. Durch den Tod seines Vaters Peter, 
der dem deutschen Orden große Dienste leistete, sowie seiner 
Mutter Katharine, geborenen von Zehmen, verwaiste er schon 
im Alter von 7 Jahren. Seiner Mutter Schwestern brachten 
den verwaisten Knaben schon im folgenden Jahre auf das 
Gnmnasium zu Thorn. Durch Vermittelung seines ältesten 
Bruders Achatius 1560 vom Herzog Albrecht nach Königsberg 
berufen, erhielt er dort mit dem Prinzen Albrecht Friedrich 
und anderen adligen Junkern unter der Leitung des Hof 
marschalls Severinus seine weitere Ausbildung. Nachdem 
er kurze Zeit die durch den berühmten Pädagogen Sturm 
geleitete Schule zu Straßburg besucht hatte, unternahm er die 
damals übliche Kavalierreise nach Italien. Auf dem Rückwege 
besuchte er auch Genf, die Hochburg des Kalvinismus. Acht 
Monate verlebte er hier im engsten Verkehr mit Beza, der 
seinen jungen Freund für die reformierte Lehre zu gewinnen 
wußte. Hierdurch wurde sein ferneres Schicksal bestimmt. 
Zwar boten sich ihm Aussichten auf eine glänzende Laufbahn 
im Herzogtum Preußen, aber die schon damals zu Tage 
tretende Geistesumnachtung Albrecht Friedrichs, seines Jugend- 
genossen, flößte ihm unüberwindliches Grauen ein. Er verfügte 
über Empfehlungen an den ritterlichen und tapferen Polen 
könig Stephan Bathori, der bekanmltch die Oberlehnsherrschaft 
über Ostpreußen besaß; aber auch in dessen Dienste wollte er 
nicht treten, aus „Widerwillen, ja Schrecken für die polnische 
Nation." Auf den Rat seines Gönners Languet zog er zu 
Kasimir von der Pfalz nach Kaiserslautern, dem einzigen 
Fürsten im ganzen Reich, der gleich ihm sich zum Kalvinismus 
bekannte. Des Pfalzgrafen Hof war nicht sehr groß, abcr 
sein Einfluß war um so bedeutender. Denn getreu der von 
seinem Vater, dem verstorbenen Kurfürsten Friedrich III., 
geübten Politik trat er in allen Ländern, wo die neue Lehre 
festen Fuß gefaßt hatte, als Schützer und Schirmer ihrer
        
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