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Periodical volume 21. August 1897, No. 34

Full text: Der Bär Issue 23.1897

der Mark Uaiidrilburg mid der angreiizeiiden Gebiete. 
Unter Mitwirkung von 
0i-. Grrrst G. Dardoy, Vv. K. Kövingrrier, Professor vr>. Dverisvr, vr. H. Krorrdietre, Tstoodor Forrtcrrro, Stadtra! 
G. Friodot, Rirtiard George, Ferd. Meyer', Gymnafialdirektor a. T>. Dr. M. Krtyoavt; und G. r». Milderrbrrrrt» 
herausgegeben von 
Friedrich Iiliefsem 
XXIII. H 0er „Bär" erscheint wöchentlich am Sonnabend und ist durch jede Oostanstalt (No. 809), Buchhandluna und Zeitungs- 
)ahrga»a. j spedition für 52 Isis. 50 ps. vierteljährl. m belieben. Auch die Geschäfts stelle — Berlin H. 58,Schönh. Allee 141— nimmt 
M 34. 
Bestellungen entgegen. Jnseraten-Austräge sind an die letztere zu richten. Die viergesp. Petitzeile kostet 40 Pf. 
21. Allg»8 
1887. 
Finis Poloniae. 
Historischer Roman von C. Gründler. 
(83. Fortsetzung.) 
tnes Tages kam Aaron gegen Abend atemlos angelaufen. 
Er hatte eine höchst wichtige Nachricht ausgekund 
schaftet. Etwa tausend Sensenmänner, dazu mit Flinten 
bewaffnete Landleule seien unterwegs, um die polnische 
Grenze zu überschreiten und zu dem Freiheitsheere zu stoßen. 
Da sie keine Aussicht hätten, sich unbemerkt durchzuschleichen, 
so solle Karls Schwadron im Schlafe überfallen und nieder 
gemacht werden. Zu diesem Ueberfall sei die kommende Nacht 
ausersehen. Die schmale Sichel des abnehmenden Mondes 
gehe erst gegen Mitternacht auf. Um diese Zeit hoffe man 
sich in der Dunkelheit heranschleichen zu können. 
Karl lohnte Aarons Anhänglichkeit mit einem reichen Geld 
geschenk, hielt es aber doch für angezeigt, sich seines Schweigens 
anderen gegenüber dadurch zu versichern, daß er ihn in seinZtmmer 
sperrte. Er ließ ihn durch Christian mit gezogenem Säbel bewachen. 
Der Jude zitterte am ganzen Körper wie Espenlaub. Nur die 
wiederholte Versicherung, daß ihm nichts geschehen werde, 
wenn er keinen Laut von sich gebe, konnte ihn einigermaßen 
beruhigen. , 
Schleunigst sandte nun . Karl Depeschenreiter nach 
den Nachbarstationen, um sie zur Hilfe heranzuholen. 
Ging alles gut, so konnte wenigstens von der zunächst 
gelegenen Station noch rechtzeitig Hilfe eintreffen. Dann 
ließ er die beiden Leutnants kommen und teilte ihnen mit. 
was er erfahren hatte. Er befahl ihnen, die Leute sofort 
zu inspizieren und sie so in den Quartieren zu halten, daß 
sie auf das erste Alarmsignal hin aufsitzen könnten. Ueber 
die Veranlassung zu dieser Maßregel sei selbstverständlich 
das tiefste Stillschweigen zu beobachten. 
Nachdem diese Anordnungen getroffen waren, begab er 
sich zu der Gräfin. 
Sie hatte ihn auch auf heute abend wieder zum Thee 
eingeladen und hatte ihm sogar sagen lassen, er dürfe keinen- 
falls ausbleiben. 
Als er im vollen Waffeuschmuck bei ihr eintrat — er 
erschien gewöhnlich im bequemen Hausrock, was sie ihm 
bereitwilligst gestaltet hatte — war sie einigermaßen verwundert 
und empfing ihn mit den Worten: „Wie, mein Freund, so 
kriegerisch heule?" 
„Damit sich der Falter die Flügel an der Flamme nicht 
verbrennt." war die höfliche, aber gemessene Antwort. 
Die Gräfin zuckie zusammen und erbleichte. 
Was war das? Hatte er eine Ahnung von dem, was 
geplant war? Sollte alles verraten sein? — Sie hatte es 
so gut mit ihm gemeint, sie wollte ihn bei sich behalten, 
ihn in ihren Schutz nehmen und ihm so das Leben retten. 
Letzteres war nicht möglich, wenn Widerstand gewagt wurde. 
Gegen die mehr als fünffache Uebermacht konnten die Preußen 
nichts ausrichten. Und sie kannte ihre Landsleute hinlänglich, 
um zu wissen, daß sie keine Schonung üben würden. 
Alle diese Gedanken durchzuckten wie ein Blitz ihr Hirn. 
Dem Rittmeister war die Bewegung der Gräfin auch 
aufgefallen. Sicher wußte sie um den Anschlag. Diese 
Schlange, sie hatte ihn nur sicher machen wollen, um ihn desto 
gewisser zu verderben! Das Gespräch wollte natürlich gar 
nicht in Fluß kommen. Diese beiden Menschen, die einander 
so nahe getreten waren, beobachteten sich jetzt bei jedem Wort, 
bei jedem Blick mit dem größten Mißtrauen.
        
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