Path:
Periodical volume 7. August 1897, No. 32

Full text: Der Bär Issue 23.1897

384 
Patrouillen allens arretieren und wenn auch des Prinzen von Preußen 
Donicstiques mit dabei wärxn." Zur Aufrechterhaltung der Disziplin 
bestand noch das Spießruten- oder Gassenlaufen. Der Schuldige mußte 
mit entblößtem Rücken durch die aufgestellte Gasse seiner Kameraden 
gehen, deren jeder, mit einer Rute versehen, ihm einen Hieb gab. Das 
geschah bei Trommel- und Pseisenklang, dessen Melodie die Soldaten 
den Text untergelegt hatten: „Warum bist du fortgelaulen? Darum 
mußt du Gassen laufen, darum bist du hier!" N. Pr Ztg. 
Die Köniaiii LuilQ uudHuL_Borliuer. Aui 18. September 1807 
schrieb me itomgm Ltuise von Preußen aus Memel an den Probst 
Honstein zu Berlin: „Neigung zum Wohlthun war von jeher ein her 
vortretender Zug in dem Charakter der Berliner: nie hat sich dieser 
schöner entwickelt als in dem eben beendigten unglücklichen Kriege und 
durch die von Ihnen, würdiger Herr Probst, angezeigte Stiftung zur 
Unterhaltung, Erziehung und Unterricht unberatener Knaben von armen 
Eltern! Für Waisen fehlt es nicht an Stiftungen mancherlei Art, 
aber an Hilfsbedürftige aus der genannten Klasse war bisher nicht 
gedacht. Diese Anstalt verdient daher allgemeinen Dank und lebhafte 
Teilnahme- Ich bin aber sehr gerührt durch den zarten Beweis von 
Achtung, Vertrauen und Liebe, den die Stifter nach Ihrem schreiben 
vom 12. dieses Monats mir dadurch gegeben haben, daß sie die Stiftung 
nach meinem Namen benennen und unter meinen Schutz stellen wollen. 
Mit Freuden nehme ich nicht nur beides an, sondern übernehme auch 
die nach dem Etat gemachten Unterhaltungskosten für vier Zöglinge, 
indem ich Sie, Herr Probst, ersuche, solche auszuwählen und nach Inhalt 
des vorgelegten Reglements ihnen einen Pormund zu setzen. Beikommende 
hundert Stück Friedrichsdor bitte ich zur ersten Einrichtung der Anstalt 
zu verwenden. Der Krieg, der so viel unvermeidliches Uebel über die 
Nation brachte, deren Landesmutter zu sein mein Stolz ist, hat auch 
manche schöne Frucht zur Reife gebracht und für soviel Gutes den 
Samen ausgesät. Vereinigen wir uns ihn mit Sorgfalt zu pflegen, 
so dürfen wir hoffen, den Verlust an Macht durch Gewinn an Tugend 
reichlich zu ersetzen. Sie, Herr Probst, haben redlieh das Ihrige gethan, 
nach diesem Ziele hinzuleiien. Mehrere Ihrer würdigen Amtsbrüder 
haben mit Ihnen gewetteifert. Sie haben dadurch in den Berlinern 
den Geist veredelt und erhalten, in welchem allein man sich im Unglück 
mit Würde betragen kann. Dadurch ist das Band der Liebe, welches 
die Nation mit ihrem Herrscher verband, nur um so fester geknüpft 
worden, sowie die Freude des Wiedersehens, wonach die Sehnsucht gleich 
groß ist, desto reir er sein wird. Ihre wohl affeetionierte Louise." D. 
Einfachheit bei gekrönten Häuptern. Die einfachsten Gewänder 
trägt unter den gekrönten Häuptern Europas stets die Königin von 
England. — Der alte Kaiser Wilhelm trug in Civil auch keineswegs 
sehr elegante Kleider. So hatte er u. a. einen baumwollenen Regen 
schirm, der zum Ueberflusse noch an zwei Stellen gestopit war. — Der 
König von Dänemark sieht in seiner abgetragenenen Civilkleidung, wenn 
er durch die Straßen Kopenhagens wandelt, gar nicht besonders königlich 
aus. — Zar Alexander III. trug am liebsten einen russischen Arbeits 
kittel, der mit einem Lederriemen zusammen gehalten wurde. — Der 
König von Griechenland fährt ebenso wie der Herzog von Sparta in 
Athen meist mit der Pferdebahn und niemand würde ihren Kleidern an 
sehen, daß es königliche Gewänder sind. —ckn—. 
Der alte Deffauer im Ncgligö. Der alte Dessauer war bekanntlich 
kein Freund von eeremoniösen Umständlichkeiten, sondern er war von 
militärischer Geradheit, derb und rücksichtslos, dabei im Dienst von 
eiserner Strenge. Außerhalb des Dienstes aber ließ er sich gern gehen 
und uiachte es sich bequem, wo er nur konnte. So stand er eines Tages 
im tiefsten Neglige am Ofen, um sich zu wärmen, als der als Standarten 
träger fungierende jüngste Offizier (damals Kornett genannt vom Leib- 
Grenadier-Regiment als Ordonnanz zu ihm kam Als er den Fürsten 
erblickte, nahm er trotz dessen unvorschriftsmäßiger Erscheinung die 
Mütze vom Kopfe und machte eine tiefe Verbeugung. Leopold, den dies 
eeremoniöse Benehmen verdroß, erwiederte die EhrstirchtLbezeugnng damit, 
daß er dem Kornett die Zunge zeigte und ihn unter Fluchen und 
Schimpfen davonjagte. Der Offizier, der sich seines Auftrags unbedingt 
entledigen mußte, fing die Sache nun anders an. Mit der Mütze auf 
dcm Kopf, trat er lärmend und polternd ins Zimmer und fragte den 
Mann am Ofen nach dem Feldmarschall. Nun ließ sich der Fürst schnell 
Degen, Hut und Feldbinde geben, bekleidete sich hiermit, doch ohne 
weitere Uniformstücke anzulegen, und nahm so den Rapport des Kornetts 
mit freundlicher Miene entgegen, darauf lud er den jungen Mann zur 
Tafel ein. — dn— 
Küchertisch. 
Die Nummer 2822 der „Illustrierten Zeitung" in Leipzig enthält 
zunächst, der Reisezeit Rechnung tragend, zwei ganzseitige Alpenbilder 
und zwar aus Tirol: „Das Hinterbärenbad im Kaiscrthal" und sodann 
aus Vorarlberg: „Die Drusenfluh und die drei Türme im Nhätikonstock." 
Das Tiroler Bild ist dem unvergleichlichen Gemälde der berühmten 
Landschaftsmalers Compton in München nachgebildet, während das 
Vorarlberger eine Zeichnung nach der Natur von 21. Heilmann 
repräsentiert. Der beiderseitige Text ist von dem bekannten Reise- resp. 
Alpenschriftsteller M. Koch von Berncck. Ein großes doppelseitiges Bild 
zeigt uns eine der bestgelungenen Schöpfungen von Luwig Dettmann, 
nämlich sein „Die Arbeit" betiteltes, seit 1893 auf mehreren Ausstellungen 
bewundenes Triptychon. Von der Internationalen Kunstausstellung zu 
Dresden fesselt das große ergreifende Bild „charon" (nach dem Gemälde von 
Jose Benlliure y Gil). Andere Bilder haben die Burg Creuzenstein in 
Stiederösterreich, Drontheim mit seinem Dom l letztere zum 9ll0jährigen 
Jubiläum der genannten norwegischen Stadt), den Gerechtigkeitsbrunnen 
auf dem Holbeinplatz in Dresden und das Panzerschiff Aegir (von 
unserer Kriegsmarine) zum Gegenstände. Der bekannte Tiermaler 
W. Kuhnert bringt eine nach dem Leben gezeichnete Tigergruppe aus 
dem Zoologischen Garten zu Berlin. An Porträts enthielt die Nummer 
u. A. Mareonis Bildnis, des Erfinders der Telegraphie ohne Draht, 
sowie (zum 50jährigen Dienstjubiläum) die Photographie des Generals 
der Kavalerie Carl v. Hänisch. 
Inhalt: Finis Poloniae. Historischer Roman von 
C. Gründler tFortsetzung). — Preußi,che bezw. deutsche General- 
Postmeister. Von Bruno Emil König. — Die ostpreußische 
Bernsteinküste. Von Friedrich Bäcker. (Mit Abbildungen). — 
Die Rhinbrücke bei Fehrbellin. Von W. Baege (Schluß). — 
— Kleine Mitteilungen: Parolebücher aus der Zeit Friedrichs des 
Großen. Die Königin Luise und die Berliner. Einfachheit bei gekrönten 
Häuptern. Der alte Deffauer im Neglige. — Büchertisch. 
AM" Iuseratv werden von der Geschäftsstelle Berlin dl., Schönhauser Allee 141, — Fernsprechstelle HI 8460, — sowie von allen Annoncen 
Bureaus entgegengenommen. — Der Preis für die 4fach gespaltene Petit-Zeile beträgt 40 Pf. 'W 
WM b ist ... ■ n n * — -M M, „ vom einfachsten bis zum 
HraUt-miSSiamiligeil elegantesten Pariser Genre 
Herren-Wäsche jeder Art. * Betten und Bett-Wäsche. * Gardinen, x Tafel-Wäsche. 
«s»' .7°"°»' F. L. Nadge. Wäschegeschäft. Eis B “" iMtal 
Herrnhut i. Sa. Hoflieferant Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin. Herrnhnt 1. 8a, 
B erl fn W« 9 Mohren-Strasse 27/28, am Gensdarmen-Markt. 
Verantwortlicher Redakteur und Verleger: Fr. Zillessen in Berlin dl. 58., Schönhauser Allee 141. 
Truck der Buchdruckerei Gutenbcrg, Berlin dl., Schönhauser Allee 141a. — Abdruck ohne eingeholte Erlaubnis ist uptersagt.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.