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Periodical volume 7. August 1897, No. 32

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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nicht als Regenten, so doch als Prinzen einmal in Fehrbellin 
gewesen und haben die Rhinbrücke betreten, wie z. B. unser 
hochseliger Kaiser Wilhelm I. auf einer Reise mit Seinem 
Vater König Friedrich Wilhelm III., welcher, wie mir von 
noch lebenden Personen versichert wurde, über Brunne und 
Fehrbellin nach Carwe fuhr, um dem Feldmarschall von dem 
Knesebeck einen Besuch abzustatten. Daß ein solches Ereignis 
einen hohen Festtag für Fehrbellin brachte, wird jedem 
erklärlich sein, dem die große Liebe der Märker zum Hohen- 
zollernhause bekannt ist. 
König Friedrich I. und König Friedrich Wilhelm I. find 
ohne Zweifel in Fehrbellin gewesen und haben die Rhinbrücke 
passiert; denn ersterer pflegte jährlich im Herbste auf mehrere 
Wochen im Rhinluch der Birkhuhnjagd obzuliegen, und letzterer 
kam dahin, weil er sich die Urbarmachung des Luches angelegen 
sein ließ. Nachdem Friedrich Wilhelm I. auch einmal wieder 
in Fehrbellin Quartier genommen hatte, waren am andern 
Morgen von der Dienerschaft sieben verschiedene Gläser mit 
eingeschliffenen Inschriften, Monogrammen der ersten beiden 
Könige, Königskronen und vergoldet, zurückgelassen worden. 
Sie wurden nicht wieder gefordert, blieben bis vor 10 Jahren 
in Fehrbellin und sind dann in Potsdam der Sammlung 
antiker Gläser des damaligen Präsidenten von Neefe eingefügt. 
Als Friedrich der Große noch Kronprinz war und in 
Neu-Ruppin wohnte, besuchte er öfter das Schlachtfeld von 
Fehrbellin. Da war in Neu-Ruppin ein alter Bürger, der 
bei Fehrbellin unter dem Großen Kurfürsten gegen Schweden 
gekämpft hatte. Der wußte die ganze Bataille von Fehrbellin 
zu beschreiben und kannte den Wahlplatz sehr genau. Diesen 
Mann nahm Kronprinz Fritz einmal mit auf das Schlacht 
feld. und der Alte zeigte und beschrieb alles so genau, daß 
der Thronerbe sehr mit ihm zufrieden war. Als beide wieder 
zurückfuhren und nördlich von Fehrbellin eben über die Rhin 
brücke gekommen waren, dachte dcr Prinz: Du mußt doch 
deinen Spaß mit dem Alten haben, und fragte ihn plötzlich: 
„Vater, wißt Ihr denn auch, warum die beiden Herren (der 
Große Kurfürst und der König von Schweden) sich mit ein 
ander gestritten haben?" Dieser sagte: „O jo, Jhro könig- 
liche Hoheit, dat will ick Se wohl seggen. As unse Chor 
förste is jung gewest, het he in Utrecht studert, und da is de 
König von Schweden as Prinz ohk gewest. Da hebben nu 
de beede Herren fick verlörnt, hebben fick in den Haaren ge 
legen. un dit is nu de Pieke davon!" 
Am 23. Juli 1779 war es, vormittags 11 Uhr. Die 
Straßen Fehrbellins waren mit Blumen bestreut, und 
Guirlanden zogen sich von Haus zu Haus über erstere hin. 
Die Bewohner des Ortes befanden sich auf dem Platz am 
Zollhause versammelt und umstanden jauchzend einen gelb 
gestrichenen und mit sehr hohen Rädern versehenen Wagen, 
von dem die dampfenden Pferde ab- und neue eingespannt 
wurden. Mehrere Reiter hielten vor und hinter dem Gefährt. 
Von den beiden Jnsaffen des Wagens war einer der General 
von Görz und der andere die Majestät mit dem wunderbar 
gewaltigen Auge, das so klar seine Zeit, so streng, aber auch 
so väterlich sein Volk beherrschte, welches die bei Fehrbellin 
angebahnte Großmachistellung unseres Vaterlandes in zahl 
reichen Schlachten erstritten und fest begründet hatte: Niemand 
anders wars als Friedrich der Große, der Abgott seiner 
Nation. Der König hatte an diesem Tage eine Reise durch 
das Rhinluch unternommen, langte zu obiger Zeit in Fehr 
bellin an. sprach dort besonders mit dem Lieutenant Propst 
vom Zietenschen Husarenregiment und mit dem Fehrbelliner 
Postmeister, Hauptmann von Mosch. Auf seiner Weiter 
reise führte der König mit dem neben dem Wagen herreitenden 
Oberamlmann Fromm aus Fehrbellin das später vom Dichter 
Gleim niedergeschriebene bekannte Gespräch. In Walchow 
traf der König seinen „alten Zielen", der sich von seinem 
Gute Wustrau zum Empfange des Monarchen dorthin begeben 
hatte. Der alte Fritz stieg aus dem Wagen, umarmte den 
alten General, sprach längere Zeit mit ihm und ließ dann 
weiterfahren. Am Abend des Tages sagte Se. Majestät bei 
Tlsch in Rathenow zum Oberstlieutenant v. Backhoff: „Mein 
lieber Backhoff, ist Er lange nicht in der Gegend von Fehr 
bellin gewesen, so reise Er hin! Die Gegend hat sich un- 
gemein verbessert. Ich hab' in langer Zeit mit solch einem 
Vergnügen nicht gereist. Ich nahm die Reise mir vor, weil 
ich keine Revue hatte, und es hat mir so gefallen, daß ich 
gewiß wieder künftig solch' eine Reise vornehmen werde!" 
Zweiundneunzig Jahre später, am 6. September 1871, 
hielt auf demselben Platze vor dem alten Zollhause in Fehr 
bellin ein Gefährt des Herrn Baron von dem Knesebeck- 
Carwe. Behörden, Kriegerverein, Schützen, Jungfrauen und 
Schulen umstanden dasselbe, Hochrufe ausbringend den hohen 
Insassen des Wagens, die keine anderen waren, als Se. kaiserl. 
und königl. Hoheit der Kronprinz Friedrich Wilhelm, weiland 
Kaiser Friedrich III., und Ihre kaiserl. und königl. Hoheit 
die Frau Kronprinzessin, nunmehr verwitwete Kaiserin Viktoria. 
Die allerhöchsten Herrschaften waren im Schlöffe Rheinsberg 
gewesen, hatten in Carwe Nachtquartier genommen, Wustrau 
besucht und waren über die Rhinbrücke nach Fehrbellin ge 
fahren, woselbst der geliebte Hohenzoller sich in bekannter Leut 
seligkeit mit den Anwesenden unterhielt. Alsdann fuhren die 
hohen Herrschaften nebst Begleitung durch die reich mit 
Fahnen und Guirlanden geschmückten Straßen der Stadt dem 
Schlachtfelde zu, um auf demselben die Stelle zu bezeichnen, 
an der am 18. Juni 1875 der Grundstein zu dem neuen 
Denkmal gelegt werden sollte, welches nun die Nachwelt er 
innert an das blutige Ringen in heißem Kampfe und den 
Sieg des Großen Kurfürsten über die Feinde Kurbrandenburgs, 
wodurch der Grund gelegt wurde zu Preußens Macht und Größe. 
Kleine Mitteilungen. 
Parolebücher aus der Zeit Friedrichs des Großen. Die alten 
ParolAWM^MMMWWMIM^ÜW» 1 Fn'edrichsbeS Großen 
enthalten mancherlei Ergötzliches, auch find fie gleichzeitig charakteristisch 
für den Geist und die ganzen Verhältnisse dcr Zeit. „Das erste Bataillon", 
lautet ein Befehl vom 19. Mai 1752, „mit leinenen Hosen und weißen 
Stiefeletten auch gut gepudert. Das zweite Bataillon mit schwarzen 
Stiefeletten und tuchenen Hosen. Diese sind nicht gepudert. Daß keiner 
besoffen kommt, bei Strafe des Gaffen laufen!" Ein anderer Befehl 
vom 25. April 1780 lautet: „Einige Herren Offiziers und die meisten 
Unteroffiziers, müssen sich durchaus abgewöhnen, wenn sie Züge führen, 
daß sie nicht so viel mit die Hände wehen Die Herren Offiziers, so 
heute gcwehet haben, möchten sich selbst korrigieren und ins Künftige sich 
bessern." Am 10. März 1788 heißt es: „Die Unteroffiziers auf den 
Wachten,, nechst den Gefreiten und Schildergästen müssen sehr genau Acht 
haben auf die großen Frauenzimmer, damit sich kein Soldat verkleidet 
herausschleicht." — Hierdurch mögen Damen von hohem Wüchse nicht 
selten arg geängstigt worden sein. Am 7. Oktober 1751 heißt es: 
„Wenn Lärm oder Schlägereien in den Gaffen vorfallen, so sollen die
        
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