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Periodical volume 31. Juli 1897, No. 31

Full text: Der Bär Issue 23.1897

habe nicht nur die Herausgabe dieses Buches besorgt, sondern 
er habe das Werk korrigiert, den Stil verbessert." 
„O nein, Nettelbecks Stil bedurfte keiner Verbesserung. 
Er schrieb, wie er sprach, und er sprach, wie er handelte. 
Dieses Lob darf ich meinem Schwiegervater wohl nachrühmen, 
sprach der ehrwürdige Pastor, indem er sich erhob. 
Es war mir ein feierlicher Moment, und unvergeßlich 
wird mir das kleine Zimmer bleiben, in dem Menschen 
wohnten, deren Herzen in. großen Erinnerungen lebten, welche 
sie jung und begeisterungsvoll erhielten. 
Der Abend war hereingebrochen. Ich nahm Abschied 
von meinen neuen, ehrwürdigen Freunden. Tief bewegt 
küßte ich die Hand der Greisin, welche mir jetzt ganz jugend- 
sfisch erschien. Der alte Pastor hüllte sich in ein Plaid, 
zündete eine kleine Blendlaterne an und führte mich durch den 
engen Heckengang bis an den Platz, an welchem mich mein 
Wagen erwartete. 
Der Hund bellte laut, noch sah ich das Licht der Laterne, 
dann schloß sich die Gartenthür, und in geheimnisvollem 
Dunkel lag das kleine Haus, als versänke es wieder in die 
traumhafte Stille, aus der es nur für eine kurze Stunde 
erwacht gewesen. 
(Fortsetzung statt Schluß.) 
Allem Anscheine nach waren die Beweisstücke über Herrn 
v. Calderns Verpflichtung nicht in Cölln aufzufinden, und war 
man genötigt, sich nach Bellin zu wenden und Erkundigung 
darüber anzustellen bei einem Manne, der 1616 das Fällen 
der Bäume in den damals Borchard von Caldern gehörenden, 
Walde überwacht halle. Besagter Mann war der „Mühlen- 
meister zu Lentzke, unter dem Ampt Bellin, Caspar Weber, 
Drei und Siebzig Jahr alt und anno 1613 nach Lentzke be 
stellet." Derselbe sagte aus: „Es verhielte sich in Wahrheit 
also, doch dergestalt, daß die von Caldern die Pfähle, die 
doppelten Joch-Balken und die Schinkhölzer aus gedachter ihrer 
Heyden herzugeben schuldig. Die Kienen Lehnen und Brück- 
höltzer aber wären aus der Churfürstl. Ruppinschen Heyde 
genommen worden." Dieses wurde Jakob von Caldern unterm 
5. Mai 1656 zugemittelt, wodurch aber der Nachweis zu obiger 
Verpflichtung seitens der Herren von Caldern nicht erbracht 
war, weshalb Friedrich Wilhelm eine Verfügung erließ an 
Seine „Ampts-Cammer-Räthe zu Cölln an der Spree". 
„Friedrich Wilhelm. Churfürst, rc. U. a. G. z. Würdige, 
Veste und Hochgelahrte Räthe und Liebe Getrewe. Bei Uns 
ist anderweire unterthänigste Relation, belangende den Brücken- 
baw zu Bellln. auch wol einkommen und gehorsamst fürge 
tragen worden. Als Wir nun gnädigst wol zufrieden seyn, 
daß das Holtz aus Unserer nechstangelegene Heyde genommen 
werde; So befehlen Wir euch gnädigst, es also zu verfügen, 
und den Baw bester Massen zu beschleunigen, das ist Unser 
gnädigster Wille, und wir seynd euch mit Gnaden gewogen. 
Gegeben Königsberg in Preusien. den 9. Oktober. Anno 1656." 
Dem Herrn von Caldern wurde von dieser Verfügung 
Nachricht gegeben. Der Befehl des Kurfürsten schien ihm zu 
konvenieren, und er fragte bei der Amtskammer <m,. ob man 
damit zufrieden sein wolle, wenn er statt der Stämme zum 
Unterbau 100 Thlr. gäbe, wofür genug Holz zur Herstellung 
denjenigen Brückenteile, die er in Stand zu halten habe, in 
der Nähe Fehrbellins würden angekauft werden können. 
Unterm 13. März 1657 antwortete ihm Friedrich Wilhelm 
von Cölln aus, er fordere als Abschlagssumme 100 Thlr. für 
die Hölzer, welche in seiner, von Salderns, Heide geschlagen 
werden sollten, und solle Herr von Caldern besagtes Geld 
sofort nach Empfang des Briefes an den kurfürstl. Zollverwalter 
zu Havelberg, Bartholomäus Schartow, zahlen. Sollte wider 
Erwarten das angekaufte Holz mehr als 100 Thlr. kosten, so 
müsse von Caldern das Mehr nachträglich hergeben. Und 
endlich heißt es in dem Schreiben: „Im Fall du aber die 
mehr angezogenen Einhundert Thaler herzugeben aufhalten 
und verzögern würdest, so hat obermeldeter Zollverwalter 
Befehl, das Holtz fellen und dasselbe aufs theuerste verkaufen 
zu lasten." 
Und am oben genannten Tage verfügte der Kurfürst an 
„Ern Otto von Eroten, Dohm-Probsten zu Havelberg", er 
solle veranlasten, daß „die Havelbergische Capituls-Unterthanen 
wegen der Holtz anführe zum Bellinischen Brückenbaw fünfzig 
Thlr. vor diß geben sollen und ungesäumt an den Zollver 
walter zu Havelberg gezahlt werden", damit für dies Geld 
die Stämme herbeigeschafft würden. 
Auf den Befehl des Kurfürsten vom 13. März 1657 
würden die geforderten 100 Thlr. von Herrn v. Caldern an 
den Bartholomäus Schartow nicht verabfolgt, sondern er ver 
langte, es möge ihm von der kurfürstlichen Amtskammer eine 
Quittung über den Empfang des Geldes ausgestellt worden, 
und er werde nicht eher zahlen, als bis man seinen Wunsch 
erfüllt habe. Hierauf wurde er durch eine Verfügung vom 
6. April 1657 nochmals von Friedrich Wilhelm zur sofortigen 
Zahlung an den Zollverwalter zu Havelberg aufgefordert, 
unterließ dieselbe jedoch und sah sich erst im Jahr darauf, den 
25. Februar 1658, gemüßigt, nachfolgendes Schreiben seinem 
kurfürstlichen Herrn einhändigen zu lassen: 
„Durchlauchtigster Churfürst, Gnädigster Herr rc. L. W. 
Churf. Durch!, muß ich unumgänglich berichten, wie daß des 
Amptschreibers zu Fehr-Bellin Bediente mich allemal an 
sprengen thun, meine Pferde und Wagen, wann ich über die 
Brücke daselbst fahren thue, zu verzollen; Wann dann meine 
Vorfahren solches niemalen gethan, auch die Rechte sprechen, 
daß qui sentit incommoda sentiat etiam commoda; Als 
weil ich hoffen. Ew. Churf. Durch!, werden dieser geringen 
Ergötzlichkeit, kegen Hergebung des Holtzes zur Brücken, wie 
vor Alters ist gewesen, mir auch gemessen lassen. Gelanget 
derohalben hiermit dieselbe mein unterthänigstes Suchen, dem 
Amplschreiber zu Fehr-Bellin gnädigst zu befehlen, daß er mir 
und die meinigen solle Zollfrey passiren lassen rc." 
Dieser Vorstellung wurde noch am Tage der Eingabe 
selbst Folge gegeben durch die hier wiedergegebene kurfürstliche 
Konzession: „Von Gottes Gnaden, Wir Friedrich Wilhelm, 
Marggraff zu Brandenburg, des Heiligen Röm. Reichs-Ertz- 
Cammerer und Churfürst in Preussen, zu Magdeburg. Jülich, 
Cleve, Berge, Stettin, Pommern, der Caffuben und Wenden, 
auch in Schlesien, zu Crossen und Jägerndorff Hertzog. Burg- 
graff zu Nürnberg. Fürst zu Halberstadt, Minden und Camin, 
Graff zu der Marck und Ravensberg, Herr zu Ravenstein und 
der Lande Lauenburg und Bütow rc. Uhrkunden und bekennen 
hiermit vor Uns und Unsern Nachkommen, Marggraffen und
        
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