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Periodical volume 31. Juli 1897, No. 31 Abbildung: L Woli, Einzug der [Verbündeten in] Paris am 31. März 1814

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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ZsriS am Zr. MLacz 1814. 
'-crlagshauS Bong u. Go., Berlin.) 
Nettelbeck, eines weitgereisten Schiffs 
kapitäns, der im achten Dezennium seines 
Lebens glaubte ausruhen zu dürfen. 
Er that das Größte für seine Vater 
stadt, er ersuchte Preußens König um 
einen anderen Kommandanten, der. ge 
stützt auf die opferwillige Haltung einer 
patriotisch.gesinnten Bürgerschaft, das thäte, 
was Courbiere tn Graudenz gethan, seine 
Soldateupflicht. Und Friedrich Wilhelm er 
füllte die Bitte. Groß war die Freude 
in Kolbergs Mauern, als Lucadou schied 
und ein junger, thatkräftiger Offizier, Major 
v. Gneisenau, Nettelbeck die Hand reichte 
zu Schutz und Trutz der stolzen Pommern 
feste, in der nun Soldaten und Bürger fest 
entschlossen waren, den Verzweiflungskampf 
zu kämpfen, in dem es hieß: siegen oder 
untergehn. 
Nettelbeck hat nicht mit den Waffen 
für Kolbergs Freiheit gestritten, und doch 
hat er Großes für seine Vaterstadt ge 
than. Wenn der Sturm um Kolbergs 
Molen tobte, und niemand das Loisen- 
schiff besteigen wollte, um die Schiffe in 
den Hafen zu führen, die der Festung 
Lebensmittel brachten, bestieg Joachim 
Nettelbeck, der Held im weißen Haar, das 
kleine Fahrzeug, und die Hand des siebzig 
jährigen Greises lenste fest und sicher das 
Steuer. Wo Flammern aufloderten unter 
den Kugeln der Belagerer, leitete der Mann 
im weißen Haar die Löschanstalten, mit 
der Ruhe und Umsicht eines Jünglings. 
In Memel, an des Reiches Ostgreuze, 
leerte Preußens Königspaar den bittern 
Leidenskelch des Schicksals, am Ostseestrand 
kämpfte Kolberg die dunkeln Schmerzens 
tage durch, in denen treuer Bürgersinu in 
Not und Tod bezeugte, wie tief die Liebe 
zur Hohenzollern - Dynastie im treuen 
deutschen Herzen wurzelt. Und dennoch 
wußte man, daß kein Sieg die ver- 
zweifelten Anstrengungen krönen würde, 
denn Preußens Heer war vernichtet, kein 
Einsatz konnte kommen, und wie vermochte 
Kolberg zu siegen, wo Deutschland ge 
fallen! 
Es ist der zweite Juli Nachmittags, 
die Außenwerke find in Feindes Hand, 
den überall auflodernden Flammen ist 
kein Einhalt mehr zu thun, die Fran 
zosen bereiten den letzten, allgemeinen 
Sturmangriff vor, jetzt muß Kolberg fallen, 
jetzt giebt es keine Rettung mehr, und 
das Schicksal der eroberten Stadt ist ein 
härteres, als wenn sie sich mildere Be 
dingungen in einer Kapitulation verschafft. 
Aber auch jetzt dachte der Pommertrotz
        
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