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Periodical volume 17. Juli 1897, No. 29

Full text: Der Bär Issue 23.1897

—— 345 
Kabinettsordre an den General de la Motte-Fougue 
vom 29. Januar. 
Mein lieber General Major de la Motte. Da Zeither 
unter denen Regimentern zum öfftern ein Zweiffel, auch wohl 
Disput entstanden, wie solch ein Kerl nach seiner differenten 
Größe zu rechnen, wen solchen ein Officier dem andern zahlen 
soll; als setze Ich hierdurch ein vor allemahl nachstehende 
Taxe fest und will, daß vor einen Mann 
vdn 6 Fuß 300 rthlr. 
von 5 Fuß 11 Zoll auch darüber 200 „ 
von „ — 
von „ — 
von „ — 
von „ — 
von „ — 
jedesmahl gerechnet, 
werden soll. Nach 
10 Zoll 
9 Zoll 
8 Zoll 
7 Zoll 
6 Zoll 
und so 
dieser Taxe, 
ft 
viel 
150 „ 
„ 100 „ 
» 40 „ 
„ 20 bis 24 rthlr. 
io 
und nicht mehr bezahlet 
sollen auch die Grenadier 
der Rückkehr des Königs schon Licht in das Dunkel der nächsten 
Zukunft gebracht, indem er am Abend des 4. August dem 
Wunsche des preußischen, des deutschen Volkes in dem niedlichen 
Verse Ausdruck verlieh: 
„Ach, lieber König von Preußen, 
Ach. knete den weichen Teig, 
Und mach' aus allzuviel Ländchen 
Ein einiges deutsches Reich!" 
Von dieser Sehnsucht gab an den Einzugsabenden der 
Verlagsbuchhändler Hempel in der Zimmerstraße einen 
weiteren recht in die Augen springenden Beweis. Die ganze 
Parterreetage seines Hauses war von einer riesigen Landkarte 
bedeckt, die in drei Farben die Provinzen des alten Preußens, 
die neu annektierten Länder und die übrigen Staaten mit 
transparenter Beleuchtung erscheinen ließ. 
AIs Ueberschrift erglänzte: „Das neue preußisch-deutsche 
Reich", und als Unterschrift erschien folgender Vers: 
Porzellstizimmer im Schlöffe zu Oranienburg. 
„Was roth hier scheint, ist anerkannt seit lange schon 
gut preußisch Land; 
Was rosenfarbig colorirt, das haben jüngst wir annectirt, 
Was sich hier zeigt in gelbem Licht, ist unser, doch 
gehört's uns nicht; 
Gott geb', daß bald von deutscher Erde einfarbig unsre 
Karte werde!" 
Während Herr Hempel durch „Anschauungsunterricht" 
dem Einheitsgedanken in populärer Form Unterstützung lieh, 
wies ein Schuhmacher Schmidt, in der Parochialstraße 23, 
mit Seherblick hin auf die Kaiserherrlichkeit des neuen Reiches. 
Von den vielen guten und gutgemeinten Versen hat mir dieser 
in seiner köstlichen Ausdrucksweise und durch seinen urschriftlich 
hier angeführten Text unstreitig am besten gefallen: 
„Hier in diesen kleinen Haus 
fieth es jetz so düster aus. 
Drum mach ich heuth ein Transporant 
zu EhreN den König und sein Land. 
Capitatns. die 8 zöllige. 7 und 6 zöllige Lenthe, wenn sie 
dergleichen aus den Llnssinstisr-Oompagrrisu bekommen, 
bezahlen, und vor gedachte Taxe ein beständiges Principium 
Regulatioum bleiben. Ihr habt solches denen Capitains 
Eures Regiments bekannt zu machen. Ich bin 
Berlin, d. 29 teil Januar 1744. 
Euer wohl affectionirter König 
Friederich. 
Berliner 
Die Berliner Zeitungen, besonders das „Berliner Fremden- 
und Anzeigeblatt", zählen eine ganze Anzahl von Trans- 
pürentinschriften auf, in welchen die Verfasser den ein- und 
angeborenen Witz an den Einzugsabenden des siegreichen 
preußischen Heeres am 20. und 21. September 1866 teils 
humoristisch, teils prophetisch „leuchten" ließen. 
In letzterem Sinne hatte ein Bäckermeister Ebert bei
        
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