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Periodical volume 10. Juli 1897, No. 28

Full text: Der Bär Issue 23.1897

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Längst ist sie geschwunden, diese urwüchsige Derbheit des 
uckermärkischen Bauern, auch an ihre Stelle ist der alles Alte 
und Originelle vernichtende Einfluß der Kultur getreten. 
Wer aber war der glücklichere von beiden, der alte Bauer 
in seiner einfachen Natürlichkeit, seiner graden, derben Offen 
heit, oder der neuere in seiner verfeinerten und den Verhält 
nissen der Gegenwart mehr angepaßten Art? Die Ansichten 
mögen darüber auseinandergehen; mir aber will es oft 
scheinen, als ob die vielfach verhöhnte Redeweise von der 
„guten alten Zeit" in manchen Stücken doch nicht so ganz 
unberechtigt wäre. 
Eine Klei-rrordmmg aus dem MW 1612. 
von Dr. Mar Baumgart. 
(Schluß.) 
„Von Handelsleuten, Kramern vnd vermögenden 
Bürgern, so nicht von ihrem Handwerge, sondern 
von jhren Gütern. Renthen oder anderm Bürger 
lichem Gewerb sich allein ernehren. Diese mögen zu 
Winterszeit ihre Mützen vnd Hüte dem vorigen Stande gleich 
tragen. Zu einem Ehrenkleide Thobien, Zindeldort, Zschamlot 
oder guten Hamburger Tripp, oder außländisch Tuch, die Ele 
zu 3 fl. jedoch nur zum Leibe vnd Hosen, zum Mantel aber 
höher nicht als zu 2 fl. oder Thaler, auch nicht mit guten 
sammeten, sondern mit Hamburger trippenen, oder jetzt ge 
dachten seidenen Zeuge belegten Vffschlägen, vnd nicht höher. 
Zu Vmbncmbelzcn, soll diesem Stande erlaubt seyn. Füchsen, 
gute Schmossen, doch sollen sie sich an halb seidenen Borten, 
nicht ober eines Fingers breit zu verbrämen begnügen, 
vnd also des andern seidenen Zeuges vnd höhern Futters sich 
gäntzlich enthalten. Zu Wehrengehencken, Gürtelbeschlägen vnd 
Knäuffen an den Wämbsern. Item, Schuschlösser. mögen sie 
von dem besten geätzten Eisen, aber von keinem Silber tragen. 
Ihre tägliche Kleider mögen sie, gleich den Rathsverwandten, 
von einländischen Wahren jhnen anmachen laffen. 
„Deren Söhne. Dieses Standes Söhne, so nicht 
Handwerke lernen, mögen zu Ehrenkleidung Viertraih. Grob 
grün, Macheyer, Hundßkoth, zu täglicher Kleidung aber Land- 
tuch. Parchet vnd Leder tragen. 
„Weiber und Töchter. Jhren Weibern vnd Mann 
baren Töchtern soll zu Ehrenkleidern Vorstat, Macheyer. 
Hundßkoth. Viertraih. Thobien, Harraß, Zichamloth, Kardeck oder 
gut Tuch gleich den Mannßpersonen. zu Röcken, Schauben, 
Hartzkappen, langen Mänteln, zu Jacken, Ermeln Hamburger 
Tripp oder anderer jhnen zugelassener Zeug vergönnt werden. 
Die Weiber aber sollen keine Hauben so ober 5 Thaler oder 
Gülden würdig, tragen, Wie sie denn auch neben jhren 
Töchtern, der Ketten, so obigem Stande zu gelaffen, sich 
gäntzlich enthalten sollen, doch mögen sie eine schnüre von 
20 Goldgülden, vnd vmb eine Hand 5 Goldgülden tragen, 
vnd nicht mehr. Sammele Mützen, ohne Schmelzwerk vnd 
vngesticket, mit Ziegenbrämichen, so wohl ihre Schauben, nicht 
mit guten sondern Steinmardernen halben Vffschlägen, soll jhnen 
auch verstattet werden, doch daß sie dieselben nicht mit sammet, 
sondern mit halbseidenen Börtichen einfächlig verbremen laffen, 
vnd sich der sammet- vnd andern seidenen Borten, so dem 
ersten Stande zugelassen, gäntzlich enthalten. Silberne Gürtel, 
Messerscheiben, weder halb noch gantz vergüldet, auch nicht 
ober 14 Thaler würdig, sollen jhnen nachgesehen werden. Zu 
täglicher Kleidung mögen sie schlechte, einländische Wahren. 
Parchet, Tuch vnd andere dergleichen gebrauchen. Die Töchter 
vnd erwachsenen Jungfrawen sollen zu jhrem Kopffschmucke. 
do sie gleich gutes Vermögens, auffs höchste gute gezogene 
Goldborten, mit Perlen ziemlich (nicht übermäßig) besetzt, 
welche doch ober 10 fl. nicht würdig seyn sollen, tragen; 
Andere gemeine Borten, so wohl die Kräntze, sollen ihnen, 
gleich dem ersten Stande zu tragen unverboten seyn. Krausen 
und Vberschläge soll dieser Stand, Mannß- vnd Weibßpersonen 
von Schwäbisch vnd ausländischer Leinwand, jedoch die Elle 
nicht höher als zu halben Thalern, auff masse vnd Form, wie 
dem ersten Stande fürgeschrieben, tragen. Vnter diesem Stand 
sollen auch alle andern Hofdiener, welche nicht vnter den vor 
gehenden Ständen mit begriffen, als da seynd, gemeine 
Schreiber, Muficanten, Schützenmeister, Büchsenmeister, Wach 
meister, Bereuter, Postceuter, Barbierer, Ballnschläger, 
Trabanten, Lackeyen vnd andere, wie die auch namen haben 
mögen, beneben ihren Weibern und Kindern gerechnet, vnd 
jnen ein höheres nicht als was bei diesem Stande jetzo 
specisicirt zu tragen, erlaubt seyn. jedoch mit dieser erklerung, 
daß die Mannßpersonen diejenigen Kleider, so sie von der 
Herrschaffl erlanget, allein zu der Zeit, wann sie zur auff- 
wartung erfordert, vnd an den dreyen hohen Festen zu ge 
brauchen, vergönnt werden. 
„Gemeine Bürger. Handwergßleute vno Gesellen. 
Ihre haupttracht zu Mützen von gutem Tuche, Kardecken, oder 
Doppeltaffet, mit schwarzen Schmossen, Füchsen vnd andern 
gemeinen Futter, auch andere gemeine Hute mit Daffet oder 
anderm schlechten zeuge gefüttert, vnd nicht höher. Krausen 
von Schwäbisch zu 8 groschen vnd höher nicht, kürtzer als 
ein halb viertel, auch ohne Zancken. Ihre Ehrenkleider mögen 
sie von Macheyer, Viertrath. Vorstat, Grobgrün, welches im 
Lande gemacht, mit halb seidenen Börtichen einfächlig ver 
brämet, jhre Mäntel von Landtuche, mit Zindeldorten auff- 
schlägen. Die täglichen Kleider von Tuche, Leder oder Parchet, 
vnd nichts höhers jhnen anmachen lassen. Aller silbernen 
Beschläge an Gürteln, Gehencken vnd Knäuffen sich gäntzlich 
enthalten. Dieser Söhnen vnd Gesellen soll zu Ehrenkleidern 
gut Landtuch vnd Leder verstattet werden. In anderm mögen 
sie sich den vorigen gleich halten, vnd nicht höher. 
„Gemeiner Bürger vnd Handwerger Weiber vnd 
Töchter. Dieses Standes Weibern vnd Jungfrauen soll 
zu Ehrenkleidern Macheyer, Viertraih vnd Grobgrün, so im 
Lande gemacht, so wohl Landluch zu Mänteln, Harraß vnd 
Vorstat zu Schauben vnd Hartzkappen, sonst aber kein seidener 
Zeug, ausser zu jhren Mützen, vergönnet werden. Die Jung 
frawen mögen zu jhrem Hauptschmuck einen gezogenen Gold 
borten. auch ein 3 Thaler werth, vnd nicht höher, so wohl 
die Weiber keine seidene Haarhauben zu ehren ober 30 gr. 
würdig, tragen, auch sich der sammeten Mützen beiderseits 
enthalten. Dieser Weiber vnd Töchter sollen jhre Schweife 
an Röcken mit Buffensammet drey quer finger hoch, oder mit 
einem halb seidenen Schnürlein einfächlig verbrämen, auch 
jhre Schauben vnd Hartzkappen nur mit schwartzen Schmaffen, 
fornhero auff die Vffschläge belegen, vnd sich des Bawm- vnd 
Steinmardernfutters contenti^en laffen. So gehöret auch diesen 
Personen Halb- oder Armschmuck, so den obigen Ständen zu- 
gelaßen, sonsten aber mögen sie Gürtel und Scheiden von
        
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